Schwerin : Helfen im Takt der Pieper

Nachdem ein Patient auf die Wachkoma-Station verlegt wurde, bereitet Nadine Hörauf (r.) mit ihrem Kollegen, dem Krankenpfleger Tim Martens, das Zimmer wieder auf.
Nachdem ein Patient auf die Wachkoma-Station verlegt wurde, bereitet Nadine Hörauf (r.) mit ihrem Kollegen, dem Krankenpfleger Tim Martens, das Zimmer wieder auf.

Die Krankenschwester Nadine Hörauf muss trotz fester Termine auf der Intensivstation flexibel sein

svz.de von
13. Juli 2018, 05:00 Uhr

Es ist 7 Uhr. Der Herzchirurg steht am Bett eines Patienten auf der Intensivstation. Links und rechts piept es in regelmäßigen Abständen. Infusionen laufen durch Schläuche in den Körper des jungen Mannes, der gleichmäßig atmet. Draußen scheint die Sonne, aus dem Fenster ist das KGW-Areal zu sehen. Gemeinsam mit Nadine Hörauf bespricht der Arzt die aktuelle Situation des Patienten. Die Krankenschwester notiert eifrig die Anordnungen zur Therapie und Diagnostik ihres Patienten. Dann geht es weiter zum nächsten Zimmer, diesmal mit dem Traumatologen.

„Die Stunde von sieben bis acht Uhr morgens ist unsere stressigste“, sagt Nadine Hörauf. „Zunächst kümmern wir uns um die Ausgabe der Medikamente wie Tabletten und Infusionen. Anschließend kommen die Ärzte der anderen Stationen zur Visite.“ Ab 7.45 Uhr stehe dann die eigene Visite auf dem Plan. „Dieser Tagesablauf, insgesamt die Arbeit auf unserer Station erfordert eine gute Koordinierung und Strukturierung, aber auch Flexibilität, denn natürlich kann jederzeit alles passieren“, so die Krankenschwester und stellvertretende Stationsleiterin. Je nach Patient sei der Dienst individuell. „Das einzig Stetige ist bei uns das Unstete.“

Seit acht Jahren arbeitet Nadine Hörauf auf der operativ-traumatologischen Intensivstation der Schweriner Helios-Kliniken, kümmert sich meist um drei Patienten, 16 Betten gibt es insgesamt auf der Station. „Zu uns kommen zum Beispiel Menschen nach einer Hirnblutung oder einem schweren Verkehrsunfall mit Traumata.“

Ihren Frühdienst beginnt die 34-Jährige um sechs mit der Übergabe vom Nachtdienst. Nach der Visite kümmert sie sich um die Körperpflege ihrer Patienten. „Auch wenn sie im künstlichen Koma liegen, spreche ich mit ihnen und erzähle, was passiert.“ Das könne der Betroffene unterbewusst wahrnehmen. Anschließend werte sie die Visite aus. „Müssen die Patienten zu Untersuchungen wie einem MRT oder CT auf eine andere Station gefahren, passiert das meist am Vormittag“, erklärt Nadine Hörauf. Bis zum Dienstschluss um 14.30 Uhr muss sie dann noch Berichte schreiben und ein neues Therapieblatt für ihre Patienten erstellen. Eine wichtige Aufgabe in jedem Dienst fällt jede Stunde an. „Wir müssen die Vitalzeichen überprüfen und handschriftlich in einer Kurve dokumentieren.“ Dazu zählen der Blutdruck, die Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung.

Ihren Schritt von der Kinderkrankenpflege, ihrem Lehrberuf, auf die Intensivstation hat die Neu Schlagsdorferin noch nicht bereut. „Am Anfang hatte ich große Berührungsängste“, gesteht sie. „Bestimmte Fälle gehen einem sehr nahe, da ist es wichtig, das Distanzgefühl zu halten und immer wieder mit den Kollegen zu sprechen.“ Um nach Feierabend abschalten zu können, engagiert sie sich in der Freiwilligen Feuerwehr Neu Schlagsdorf und tanzt Line-Dance.

Sie sei immer wieder begeistert, wie viel man aus einem kranken Menschen rausholen könne. „Besonders freue ich mich darüber, wenn einige nach ein paar Monaten oder auch Jahren wieder an der Stationstür klingeln und wir sehen, was aus ihnen nach der schweren Krankheit geworden ist.“ Das sei auch wichtig für den Genesungsprozess, so die Krankenschwester. „Meist können sich unsere Patienten an ihren Klinik-Aufenthalt erst ab der Wachkoma-Station oder der Reha erinnern. Um auch die unbewussten Eindrücke von der Intensivstation verarbeiten zu können, ist ein erneuter Besuch sehr hilfreich.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen