Hut ab : Heimatverein braucht Verstärkung

Das Bohren war früher wesentlich komplizierter als heute: Edmund Richter demonstriert es mit dieser Standhandbohrmaschine, die eine Trammererin dem Museum überließ.
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Das Bohren war früher wesentlich komplizierter als heute: Edmund Richter demonstriert es mit dieser Standhandbohrmaschine, die eine Trammererin dem Museum überließ.

Edmund Richter leitet ihn seit 15 Jahren und will den Vorsitz bald in jüngere Hände geben

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11. Dezember 2014, 23:02 Uhr

Edmund Richter kann nahezu jedes Ausstellungsstück erklären. Egal, ob es sich um ein landwirtschaftliches Gerät handelt oder um präparierte Tiere. Gern zeigt der Wessiner Besuchern des Crivitzer Heimatmuseums die Hungerharke. Die kennt der 74-Jährige noch aus seiner Kindheit. „Das ist ein zweirädriges landwirtschaftliches Gerät, das sowohl von Menschenhand als auch von Pferden gezogen wurde. Es hat halbrund gebogene, große Zinken. Damit wurden früher die restlichen Halme auf dem Getreidefeld bzw. das Restheu auf der Wiese zusammengeharkt.“ Später wurde die Hungerharke nicht mehr gebraucht, sie hatte ausgedient.

Kommt Edmund Richter auf die präparierte Kreuzotter zu sprechen, die sich dem Besucher im Glasschrank zeigt, werde es immer mucksmäuschenstill. „Sie ist in unseren Breitengraden die einzige Giftschlange. Viele haben sie noch nie zu Gesicht bekommen.“

Die Vielfalt der Exponate des Crivitzer Heimatmuseums ist groß: Zahlreiche Haushaltsgeräte, Einrichtungsgegenstände, eine komplette alte Küche und Wohnstube wurden zum Teil gespendet, zum Teil als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Während Besucher im Bürgerhaus neben alten Schulutensilien auch Wissenswertes über Ur- und Frühgeschichtliches erfahren, sind in einem Nebengebäude komplette Utensilien einer Bäckerei, Schmiede und einer Schuhmacherwerkstatt ausgestellt.

Mehr als 3000 Exponate, so schätzt Edmund Richter, kann man sich im Museum anschauen. Die einstige Heimatstube habe sich im Laufe der Jahre zum Museum gemausert, meint er.

Die Ausstellungsstücke sind Zeitzeugen und tragen dazu bei, der Nachwelt Einblicke in die Arbeits- und Lebensweise in der ehemaligen Ackerbürgerstadt zu geben, betont der Wessiner. Kinder der Kita „Uns Lütten“ zum Beispiel würden immer wieder mal in die Heimatstube kommen, um sich die Arbeitsgeräte anzuschauen, mit denen ihre Vorfahren noch arbeiten mussten. Edmund Richter leitet den 1991 gegründeten Heimatverein seit 15 Jahren. Er übernahm den Vorsitz in einer verzwickten Situation. Denn der alte Vorstand war zurückgetreten, ein Weiterbestehen des Vereins in Frage gestellt. Dass es mit dem Verein und der Heimatstube weiterging, daran hat Edmund Richter maßgeblichen Anteil. Er steckt viel Zeit in das Ehrenamt. Und Engagement. Wer den 74-Jährigen bei einem Rundgang durch die Museumsräume begleitet, merkt das. Zweifelsohne ist das Museum das Aushängeschild des Vereins. Doch er hat noch mehr zu bieten. Edmund Richter: „Wir bieten sieben bis acht Veranstaltungen im Jahr, und die meisten sind offen für alle.“ Dazu gehören das Museumsfest im Sommer, Vorträge oder Ausflüge. Trotzdem ist nicht alles zum Besten bestellt. Dem Verein, der 48 Mitglieder im höheren Lebensalter zählt, fehlen jüngere Mitstreiter. Und nicht nur das. Edmund Richter möchte in absehbarer Zeit auch den Vorsitz in jüngere Hände legen. Für ihn werde es langsam Zeit, sagt der 74-Jährige. Mitglied wolle er weiterhin gern sein. Er hofft, dass sich alsbald ein Nachfolger findet. Fest steht für ihn: Der Heimatverein muss eine Zukunft haben.

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