Miserable Bausubstanz in Buchholz : Heimatstube braucht neuen Platz

<fettakgl>Viele dieser Ausstellungsstücke</fettakgl><fettakgl> kennt Eberhard Hübscher</fettakgl> selbst noch von früher. Der  Gemeindearbeiter  von Dobin am See schaut in der Heimatstube  regelmäßig nach dem Rechten und lüftet auch den Ausstellungsraum.<fotos>Heidrun Pätzold (2)</fotos>
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Viele dieser Ausstellungsstücke kennt Eberhard Hübscher selbst noch von früher. Der Gemeindearbeiter von Dobin am See schaut in der Heimatstube regelmäßig nach dem Rechten und lüftet auch den Ausstellungsraum.Heidrun Pätzold (2)

Wie viele Exponate die Heimatstube Buchholz beherbergt, weiß keiner genau. Eberhard Hübscher, Gemeindearbeiter in Dobin am See, schätzt sie auf Tausende - von alten Waschbrettern über Kohlhobel und Dokumenten.

svz.de von
07. März 2013, 09:50 Uhr

Buchholz | Wie viele Exponate die Heimatstube Buchholz genau beherbergt, weiß keiner genau. Eberhard Hübscher schätzt sie auf Tausende. Er ist Gemeindearbeiter in Dobin am See und schaut regelmäßig nach dem Rechten. Ausgestellt sind hier Gegenstände des täglichen Lebens aus der Zeit um 1945 bis 1980 - etwa alte Haushaltsgeräte wie Waschzuber und Waschbrett, Wurstmaschine, Kohlhobel, aber auch Orden und Dokumente.

Angeschaut hat sich diese Exponate aber schon lange keiner mehr. Die Heimatstube ist seit Jahren geschlossen. Fest steht auch, dass sie an diesem Standort nicht mehr öffnen wird. Der Grund: Die Bausubstanz ist miserabel. Die Heimatstube befindet sich in einem Gebäude, das einst als Schule diente, die um 1970 gebaut worden war. In den zurückliegenden Jahren seien hier keine großartigen baulichen Veränderungen vorgenommen worden, erklärt Bürgermeister Carlo Folgmann. Deshalb dürfe man sich nicht wundern, dass die Wände feucht sind. Zwar werde mit einfachsten Mitteln versucht, dieses Problem anzugehen: Der Gemeindearbeiter lüftet regelmüßig, zusätzlich liegen so genannte Feuchtkissen aus. Aber der Erfolg halte sich in Grenzen. Heizung und Strom sind seit Ende vorigen Jahres abgeschaltet, aus Sicherheitsgründen, sagt der Gemeindearbeiter. Einige der Exponate sind schon mit Schimmel befallen.

Wegen des schlechten baulichen Zustands musste im Frühjahr vorigen Jahres die Kita Buchholz ausziehen (SVZ berichtete). Sie bezog neu hergerichtete Räume im einstigen Gemeindehaus von Retgendorf. Seitdem steht der Flachbau leer. Der Bürgermeister macht auch keinen Hehl daraus, dass die Gemeinde hier nicht mehr investieren werde. Es lohne nicht. Hinzu komme, dass der Standort für eine solche museale Einrichtung ein denkbar ungünstiger ist. Buchholz ist ein kleiner Ort mit wenigen Einwohnern und liegt auch verkehrstechnisch nicht sonderlich günstig. Der Gutachterausschuss des Landkreises Ludwigslust-Parchim habe sich das Gebäude angeschaut. "Für uns als Kommune steht fest, dass wir hier nicht investieren werden", betonte der Bürgermeister. Die Gemeinde bietet es zum Verkauf an. Allerdings räumt Folgmann dem selbst geringe Chancen ein. Findet der Flachbau keinen Käufer, muss es letztlich abgerissen werden.

Was mit den zahlreichen Exponaten geschehen soll, ist noch unklar. Doch es gibt mehrere Lösungsansätze. Denkbar sei zum Beispiel, dass die Ausstellungsstücke im alten Speicher in Neu Schlagsdorf ein neues Domizil finden. Carlo Folgmann: "Ich habe mit dem Besitzer gesprochen. Wir sind im Gespräch, aber noch ist nichts in trockenen Tüchern." Im einstigen Speicher hat Eigentümer Walter Huning im Erdgeschoss einen gemütlichen Saal einrichten lassen, der für größere Feierlichkeiten gemietet werden kann. Im Obergeschoss seien noch Räume, die als mögliche neue Heimatstube ausgebaut werden könnten.

Auch mit dem Betreiber des Zeltplatzes in Flessenow habe die Gemeinde gesprochen, erläutert Folgmann weiter. Hier entstand ein modernes Rezep tionsgebäude, in dem auch einige Exponate der Buchholzer Heimatstube Platz finden könnten, heißt es. Eine dritte Möglichkeit sieht vor, ausgewählte Dokumente dieser Sammlung dem Landeshauptarchiv anzubieten. Andere Exponate, die seinerzeit zumeist als Leihgaben oder Schenkungen den Weg in die Heimatstube fanden, sollten den Eigentümern wieder angeboten werden. Aber, so betont der Bürgermeister, noch sei keiner dieser drei Varianten ausdiskutiert und nichts entschieden.

Eberhard Hübscher meint, dass die Exponate ja auch anderen Heimatstuben oder -museen der Region angeboten werden könnten. "Denn schade wäre es schon, wenn solche wertvollen Zeitzeugen einfach so verschwinden." Allerdings müssten in jedem Fall vorher die Eigentümer dieser Ausstellungsstücke gefragt werden. Einige, so wisse er, möchten ihre Leihgaben wieder zurück.

Die Heimatstube in Buchholz hatte zu Beginn der 1990er-Jahre der Schweriner Günter Koslowski im Auftrag der damaligen Gemeinde Rubow eingerichtet. Er war zu DDR-Zeiten Chef des Schweriner Schlosses. Als Rentner setzte er sich mit viel Energie für diese Heimat stube ein und stellte die Exponate zusammen. Schulklassen der Region oder Touristen schauten anfangs gern mal hinein. Dennoch hielt sich der Andrang sehr in Grenzen. Und als der Gründer der Heimatstube verstarb, verlor sie zusehends an Bedeutung. Bürgermeister Carlo Folgmann: "Wir wissen das Engagement von Günter Koslowski zu schätzen, aber wir müssen auch der Realität ins Auge sehen. In dieser Form hat die Heimat stube hier keine Perspektive. Wie prüfen jetzt verschiedene Varianten, wie wir mit den Ausstellungsstücken umgehen."

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