Stadionbrücke Schwerin : Heftige Debatte um neue Brücke

Stadionbrücke ade: Ob sie mit stärkerem Beton wiederkommt, ist trotz Stadtvertreterbeschluss nicht ganz klar. Die SPD-Fraktion kündigte bereits einen Antrag an, keine Mittel für einen Brückenneubau in den Haushalt einzustellen.
Stadionbrücke ade: Ob sie mit stärkerem Beton wiederkommt, ist trotz Stadtvertreterbeschluss nicht ganz klar. Die SPD-Fraktion kündigte bereits einen Antrag an, keine Mittel für einen Brückenneubau in den Haushalt einzustellen.

SVZ-Leser sagen ihre Meinung: Vor allem Anlieger fordern einen Ersatzbau, viele andere wollen die Millionen lieber sparen

von
04. Dezember 2014, 07:45 Uhr

Sehr viele SVZ-Leser haben sich an unserer Umfrage zur Zukunft der Stadionbrücke beteiligt. Obwohl eine knappe Mehrheit die aktuelle Kreuzungslösung vor allem angesichts der Kosten für die beste hält, gibt es auch eine Reihe von Vorkämpfern für eine neue Brücke. Längere Briefe erreichten die Redaktion vor allem von Anwohnern aus Krösnitz oder Schlossgarten.

„Die Stadionbrücke ist dringend erforderlich, um den Verkehrsfluss auf der Ludwigsluster Chaussee nicht durch eine Ampelkreuzung immer wieder zu unterbrechen. Das derzeitige winterliche Verkehrsaufkommen auf dieser Straße ist kein Kriterium. Maßstab kann allein das Verkehrsaufkommen im Sommer sein, wenn viele Schweriner ihr Auto deutlich mehr nutzen als jetzt und wenn vor allem zahlreiche Touristen und Urlauber durch und in unsere Stadt fahren“, schreibt Kurt Schuster. Die Stadionbrücke gehört zu Schwerin wie andere Brücken auch, meint Volker Helms aus Godern. „Diese aktuelle Ampel macht Schwerin ein Stück mehr zum Provinznest. 25 Jahre nach der Wende sollte man die Infrastruktur sinnvoll erhalten.“ Die Verkehrsqualität auf dieser wichtigsten Zufahrt in die Innenstadt sei durch die Ampelkreuzung deutlich beeinträchtigt, findet Sebastian Waßmann. „Darüber hinaus hat sich die Erreichbarkeit der Krösnitz für Fußgänger und Radfahrer erheblich verschlechtert, was dem Nutzungskonzept der Krösnitz als Naherholungs-, Sport- und Freizeitstandort widerspricht.“

„Verkehr taugt nur, wenn er in Bewegung ist“, schreibt Dr. Reiner Lübcke. „Als Anwohner der Krösnitz benutze ich täglich den neu geschaffenen Verkehrsknoten. Öfter erschwert ein Rückstau bis zur Stadionstraße das Einfädeln. Nun stelle man sich das zusätzliche Verkehrsaufkommen bei einer sanierungsbedingten Sperrung der Rogahner Straße vor. Wie sollen die Bewohner von Schlossgarten und Krösnitz mit ihren Fahrzeugen ihr Wohngebiet verlassen?“

„Grundlage für eine Neubauentscheidung sollte doch zu allererst sein, dass täglich 38 000 Fahrzeugbewegungen auf der Ludwigsluster Chaussee mit einer ebenerdigen Kreuzung ohne Lärmschutz für die Anwohner dauerhaft nicht zu ertragen sind“, schreibt Frank Roeder. „Die Anlieger haben bereits in den 70er-Jahren durch den Bau der Straßenbahn und die Errichtung der Fernverkehrsstraße mitten durch Ostorf zum Wohle der Stadtentwicklung auf Lebensqualität verzichtet, und die Brücke als Kompensation und Bindeglied für zerschnittene Infrastruktur an anderer Stelle erhalten. Bloß weil das Material zum Brückenbau damals von minderer Qualität war und Schwerin in finanziellen Nöten ist, sollen jetzt die ohnehin Gebeutelten auch noch auf einen Neubau verzichten und zusätzlichen Lärm klaglos hinnehmen? Es gibt einen Beschluss der demokratisch gewählten Stadtvertretung für einen Brückenneubau.“

Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass eine neue Brücke unbedingt gebaut werden muss, schreibt Iris Lübcke. „Als Anwohnerin der Krösnitz habe ich im Feierabendverkehr jeden Tag Probleme, bevor ich vom Dreesch kommend an die Ampelkreuzung fahre. Viele Autofahrer, die aus Richtung Stellingstraße kommen, kreuzen meinen Weg, wenn sie in hohem Tempo bemüht sind, in kürzester Zeit mehrere Fahrbahnen zu überqueren, um an genau dieser Kreuzung zu wenden. Unfälle sind programmiert. Der Durchlass ist so gering gehalten, dass man mehrere Ampelphasen warten muss.“

Seit Juli wohnt auch Michael Gehrmann auf der Krösnitz und hat die Stadionbrücke schätzen gelernt. Dennoch sagt er: „In der Zeit knapper Kassen, nehmt das Geld für die Kultur und Bildung. Schulen, Theater und Museen werden es danken. Macht Schwerin seniorenfreundlicher, belebt den Tourismus. Die Ampellösung ist ausreichend, auch wenn verkehrstechnisch noch einige Feinheiten fehlen.“

Sabine Tobjinski lebt ebenfalls auf der Krösnitz und ist mit der Ampellösung zufrieden. „Ich halte es für sehr wünschenswert, wenn nach dem Abriss der Brücke eine neue für Fußgänger und Fahrradfahrer gebaut wird. Analog der Brücke zwischen Neumühle und Lankow über die Umgehungsstraße. So wäre ein kurzer sicherer Weg zur Straßenbahn und in den Schlossgarten gewährleistet. Jährlich findet in Schwerin der Sieben-Seen-Lauf statt. Mit der kleinen Brücke wäre eine Verlegung der Route nicht notwendig.“

Wolfgang Mursch ist leidenschaftlicher Autofahrer, wohnt in der Gartenstadt und ihm gefällt die jetzige Lösung sogar besser. Sein Vorschlag: „Das eingesparte Geld sollte die Stadt in soziale Projekte investieren.“ Ganz ähnlich sieht das Evelin Schulze „Kurz und bündig: Die Ampelregelung reicht! Wenn Geld ,übrig‘ ist, lieber für Bildung und Kultur nutzen!“ Ulrich Haesener meint ebenfalls, dass sich Schwerin den Brücken-Neubau sparen sollte. „Die Stadt hat das Geld für andere Aufgaben sehr nötig z.B. zum Erhalt der Schwimmhalle in Lankow.“ Die Verkehrslösung sollte so bleiben, wie sie zurzeit ist, schreibt Erwin Scheer. „Alles andere ist nur Verschleuderung von Geldern.“ Auch Manfred Heiter meint: „Nach den bisherigen Erfahrungen kann das Verkehrsaufkommen sicher gut durch die neu geschaffene Ampellösung bewältigt werden. Eine neue Brückenquerung ist nicht erforderlich.“

Für eine endgültige Einschätzung hält Hartmut Kampe die Zeit noch nicht reif. „Wenn es so bleiben soll, dann müssen der Übergang und die Anbindung zur Lenné- und Stellingstraße modernisiert werden.“

Für Roberto Koschmidder vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub hat die Stadionbrücke nur eine untergeordnete Funktion für die Verkehrsströme der Radfahrenden. Zwar sei eventuell eine kurze Wartezeit an der Ampel einzuplanen, dafür spare man sich aber die Überwindung des Höhenunterschiedes. „Wir denken, es gibt in Schwerin wichtigere Baustellen für den Radverkehr. Wir bedauern allerdings, dass dem Radverkehr bei der Überquerung der Ludwigsluster Chaussee keine eigene Grünphase zugestanden wird. Wenn die Ampel für Fußgänger auf Rot umspringt, darf auch kein Fahrrad mehr fahren. Radfahrer brauchen aber nur die Hälfte der Zeit, die Fahrbahn zu räumen, als das bei einem Fußgänger der Fall ist. Am Bürgermeister-Bade-Platz ist das besser gelöst.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen