Schweriner randaliert : Hausverbote im Jobcenter

Regine Rothe, Geschäftsführerin des Schweriner  Jobcenters
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Regine Rothe, Geschäftsführerin des Schweriner Jobcenters

Geschäftsführerin: Teil der Kunden immer aggressiver / Mitarbeiter werden regelmäßig im Konfliktmanagement geschult

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05. März 2016, 07:00 Uhr

Er schrie, verlangte augenblicklich sein Geld, warf mit Stühlen, bedrohte die Teamleiterin, verbarrikadierte sich. Ein aufgebrachter Arbeitsloser hat im Schweriner Jobcenter einen Polizeieinsatz ausgelöst. Der Vorfall stammt aus dem vergangenen Jahr, ist aber kein Einzelfall. „Leider müssen wir feststellen, dass einige Kunden immer aggressiver auftreten“, sagt die Geschäftsführerin des Jobcenters, Regine Rothe. Zwischen 2013 und 2015 habe sich die Zahl der Vorfälle verdoppelt.

Drei Hausverbote für sechs Monate hat das Jobcenter in diesem Jahr schon ausgesprochen, im vergangenen Jahr waren es insgesamt neun. „Ein Hausverbot wird wirklich erst verhängt, wenn massiv gegen die Hausordnung verstoßen wird“, betont der Sprecher des Jobcenters, Ronald Wenk. Jede Beleidigung, jede Bedrohung werde dokumentiert „Zunächst versuchen wir es mit einer Verwarnung“, so Wenk. Wenn diese nicht helfe, folge das Verbot.

Rund 80 Prozent der Beschäftigten des Jobcenters sind Frauen. Die Belegschaft zu schützen, hat für Geschäftsführerin Rothe höchste Priorität. So gäbe es spezielle Schulungen zum Konfliktmanagement. Im Falle einen Falles stehe aber auch ein Wachdienst bereit.

Bei Streitereien gehe es fast immer ums Geld, erklärt die Geschäftsführerin. „Es gibt Kunden, die auf den letzten Drücker kommen und erwarten, dass ihr Antrag sofort bearbeitet wird.“ Manche Gespräche schaukelten sich dann auf, so Rothe.

Zehn Tage dauere normalerweise die Bearbeitung eines Antrags – „wenn alle erforderlichen Unterlagen vorliegen“, unterstreicht die Jobcenter-Chefin. „Mit dieser Bearbeitungszeit liegen wir deutlich innerhalb des gesetzlichen Rahmens.“ Beim Ausfüllen der Anträge bietet das Jobcenter zudem Hilfe an.

Rothe will ausdrücklich nicht pauschalisieren. Das Jobcenter sei zuständig für 8000 Bedarfsgemeinschaften, mit den allermeisten Kunden gäbe es keine Probleme, könnten strittige Fragen auf dem Widerspruchs- und Beschwerdeweg geklärt werden. Und die Geschäftsführerin weiß ebenfalls: „Wer Geld vom Jobcenter erhält, befindet sich oft in einer komplizierten Lebenssituation.“

Kompliziert sei zum Teil auch die Gesetzgebung, die der Arbeit im Jobcenter zugrunde liege, räumt Rothe ein. Fehler kämen vor. „Aber für die Regeln sind nicht wir verantwortlich, sondern die Politik.“ Trotzdem werde das Jobcenter häufig zum Sündenbock gemacht.

Silvia Piechowski vom Schweriner Arbeitslosenverband kennt die Kritik am Jobcenter. Etliche Entscheidungen des Centers seien für die Betroffenen nicht nachzuvollziehen, vor allem bei Ermessensfragen, berichtet sie. „Warum bekommt jemand anders eine Leistung und ich nicht?“ Diese Frage werde in der Beratungsstelle des Arbeitslosenverbandes immer wieder gestellt. Viele Erwerbslose sähen sich außerdem in Konkurrenz zu Flüchtlingen, die vom Jobcenter angeblich bevorzugt würden. Für Piechowski ist aber klar: Bei Streitfällen kann es eine Lösung nur im Gespräch geben.

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