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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Oktober 2017 | 06:16 Uhr

Schwerin Historisch : Hausnummern als Druckmittel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kurioses und Außergewöhnliches in Schwerin – heute: Die Nummerierung in einigen Straßen hat besondere Hintergründe

von
erstellt am 11.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Jeder Einwohner glaubt natürlich, seine Stadt zu kennen. Uns Schwerinern geht es nicht anders: Das Schloss, die Sport- und Kongresshalle, das Werderholz, die Lankower Berge – alles wohl bekannt. Doch überall gibt es Kurioses, Außergewöhnliches, Unbekanntes. Auch in der Landeshauptstadt. Ein Fluss unter Wohnhäusern, eine Windmühle mitten in der Stadt, ein Flugzeugmotor im Wohnzimmer sind solche Kuriositäten. Auch ein Kampf und andere Merkwürdigkeiten um Hausnummern gehören dazu.

Nach dem Jahr 1860 entstand ein erstes Wohnhaus an einem Gartenweg, der heute die Lutherstraße ist. Um 1890 kamen weitere Villen hinzu. Weil dort viele Pensionäre, also Rentiers wohnten, wurde diese Straße zusammen mit dem Jägerweg, der heutigen Lischstraße und dem Slüter Ufer von den Schweriner auch Neu Lappland genannt.

Zunächst hatten die Häuser in der Lutherstraße keine Nummern, sondern Namen: Villa Adele, Villa Menrepos, Villa Schwalbe... Der Briefträger wusste somit, wohin er die Post zustellen musste. Erst 1900 bekam die Straße den Namen Lutherstraße und auch Hausnummern mit blauer Schrift auf weißem Grund. Das aber widersprach den Forderungen einer städtischen Verordnung, die genau ein umgekehrtes Farbbild festlegte. Diese Aufmüpfigkeit konnte von der Stadt nicht geduldet werden. Und so verzögerte sie den Anschluss der Lutherstraße an die Kanalisation. Erst nachdem der Großherzog eingegriffen hatte, ging es voran.

Noch heute gibt es an drei Häusern die ursprünglichen „falschen“ Hausnummern. Und nach der Sanierung wurde an einigen Villen auch wieder die „Traditionshausnummernfarbgestaltung“, wie sie einst Oberbürgermeister Karl Tackert nannte, aufgenommen.

Auf dem Töpferberg in der Feldstadt gibt es ein Grundstück ganz ohne Hausnummer. Das einst dort stehende Haus ist abgerissen. Es geht das Gerücht, dass sich dort bis Anfang der 1970er-Jahre ein Bordell befunden haben soll.

Kurios ist auch die Nummerierung der Wismarschen Straße. Sie ist in Schwerin die Straße mit der zweithöchsten Hausnummer: 405. Allerdings – los geht es erst mit der Nummer 106. Der Grund: eine Neuordnung der Hausnummern im Jahr 1938.

Im Mai 1938 wurde festgelegt, dass die Rostocker Straße und die Wismarsche Straße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt werden. Aus dem Marienplatz wurde der Adolf-Hitler-Platz. Mit dieser Umbenennung ging eine durchgehende Nummerierung ausgehend vom Strempelplatz, dem jetzigen Platz der Jugend, einher. Die neuen Hausnummern und Straßenschilder wurden erst einen Monat später im Juni angebracht. Um die Orientierung zu erleichtern, blieben die alten Straßenschilder und Hausnummern erhalten. Sie waren aber durchgestrichen.

Nach dem Krieg wurde der Name Adolf Hitlers getilgt. Vom Platz der Jugend bis zum jetzigen Marienplatz hieß die Straße nun Goethestraße, ab dem Marienplatz Wismarsche Straße. Die Nummerierung aber blieb unverändert. Deshalb beginnt die Wismarsche also mit der Hausnummer 106.

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