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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Oktober 2017 | 04:08 Uhr

Bauen in Schwerin : Hausbesitzer wehren sich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bürgerversammlung zur Grundsanierung Schlachtermarkt: 30 000 Euro Anliegerbeitrag ist vielen zu hoch

von
erstellt am 20.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Die Hauseigentümer am Schlachtermarkt und am Großen Moor stehen unter Schock: Rund 30 000 Euro soll jeder von ihnen bezahlen für die geplante Grundsanierung des Areals. „Da kann ich mein Haus besser gleich verkaufen“, sagte ein Betroffener auf der Anwohnerversammlung im Rathaus. „Was machen alte Menschen, die diese große Summe nicht haben und auch keinen so hohen Kredit aufnehmen können? Verlieren sie am Ende ihres Lebens dann ihr Haus wegen einer Straßensanierung?“, lautete eine andere, provokante Frage an den Baudezernenten, der an diesem Abend Rede und Antwort stand. Die Anwohnerversammlung zum Schlachtermarkt war die Folgeveranstaltung zur Diskussion um den Großen Moor in der vergangenen Woche (SVZ berichtete). Dazu waren rund 100 Schweriner gekommen, diesmal wollten sich noch etwa 40 informieren und ihre Meinung sagen. Die Empörung indes hält an.

Heiko Schönsee, Anlieger aus dem Großen Moor, möchte die Grundsanierung gerne verhindern. Er und andere Betroffene plädieren für eine kostengünstige Instandsetzung. „Die Stadt hat die vernünftige Pflege der Straße, Bürgersteige und der Bäume über viele Jahre vernachlässigt, wir sollen jetzt dafür zahlen“, so sein Argument. Eine Chance, das Projekt tatsächlich noch zu kippen, gibt es und zwar über die Politik. Denn das letzte Wort haben die Stadtvertreter. Die beraten jetzt noch in Ausschüssen über das Projekt, erhalten dazu auch die Protokolle der Bürgerversammlungen, so Nottebaum. Im Februar soll der Hauptausschuss dann über die Sanierungen Großer Moor und Schlachtermarkt abstimmen. Sagt er Nein, müsste noch einmal neu gedacht werden. Die Fördergelder des Landes könnten dann allerdings verloren gehen, denn der Förder-Antrag muss in den nächsten Wochen abgegeben werden.

Und so sieht die Rechnung für die Sanierung bislang aus: Laut Satzung tragen die Anwohner 75 Prozent der gesamten Baukosten, denn Großer Moor und Schlachtermarkt gelten als Anliegerstraßen. Der städtische Anteil beträgt hier 25 Prozent. Nur dieser wird vom Land gefördert. Die Sanierung Großer Moor soll knapp zwei Millionen Euro kosten, auf rund 60 Anlieger kommen Kosten von insgesamt 1,5 Millionen Euro zu. Der städtische Anteil beträgt eine Viertelmillion. Wird der zu 90 Prozent vom Land gefördert – was durchaus möglich ist – zahlt die Landeshauptstadt Schwerin selbst etwa 50 000 Euro. So viel wie zwei Anlieger.

Am Schlachtermarkt wird prozentual genauso gerechnet, nur die Gesamtkosten sind geringer, dafür werden sie aber durch weniger Anlieger geteilt.

Dass die Betroffenen erst Ende November über das Vorhaben informiert wurden, das die Verwaltung offensichtlich aber schon seit Frühjahr überdenkt, regte viele ebenso auf, wie der Fakt, dass sie in die Planung nicht eingebunden wurden: Drei mögliche Varianten wurden ohne die Anwohner erarbeitet. Ein vierwöchiges Online-Forum in der „stressigen Advents- und Weihnachtszeit“ hielten sie für eine falsch platzierte Bürgerbeteiligung. Die Idee, den Großen Moor zuerst zu sanieren und anschließend den Schlachtermarkt halten viele für einen Schildbürgerstreich. Denn: Die Baufahrzeuge für den Markt müssen über den Großen Moor.

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