zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

13. Dezember 2017 | 00:43 Uhr

Demenz : Haus am Dümmer See wächst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Annett Greskamp steckt 2,6 Millionen Euro in die Erweiterung des Pflegeheims: Moderner Anbau gibt dementen Bewohnern ein Zuhause

svz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Am nördlichen Ortsrand von Dümmer, in Sichtweite des Sees reckt sich ein zweigeschossiger Neubau in die Höhe. Noch in dieser Woche wollen die Bauleute dem Dachstuhl die Richtkrone aufsetzten. „Das wird ein Festtag – nicht nur für die Männer vom Bau, sondern auch für unsere Bewohner aus dem Pflegeheim – vor allem für die Herren“, ist Bauherrin Annett Greskamp überzeugt. Seitdem im November die ersten Baufahrzeuge anrückten, verfolgen gerade die betagten Herren das Geschehen jenseits des Bauzaunes mit großem Interesse. „Am liebsten würde viele da ganz dicht ran.“ Doch da Sicherheit vorgeht, bleiben die Bewohner nur Zaungäste. Beim Richtfest dürfen sie sich aber genau umschauen. Im Oktober soll der Erweiterungsbau seiner Bestimmung übergeben werden.

Knapp drei Jahre liegen dann zwischen Idee und Umsetzung. Zu den 35 Bewohnern im heutigen Haus am Dümmer See kommen 33 Senioren in 29 Zimmern hinzu. „Der Bedarf ist da, die Nachfrage von Interessenten aus der näheren Region groß“, erzählt Greskamp. Und das ist es nicht allein, warum sich die Inhaberin zu diese Großinvestition entschlossen hat. Die Bewohner in der Pflegeeinrichtung werden immer älter. Inzwischen liegt deren Altersdurchschnitt jenseits der 90. Hinzu kommt, dass viele der Bewohner dement sind. „Auf diese Entwicklung wollen und müssen wir reagieren“, betont Annett Greskamp, die die Pflege von der Pike auf gelernt hat und im Jahr 2005 aus dem umgestalteten Hotel das von ihr privat geführte Pflegeheim machte. „Die Hotelzimmer sind schön groß, aber nicht ideal für die Heimnutzung“, ergänzt die Fachfrau.

Das wird im Ergänzungsbau ganz anders. Dieser ist der Kern eines geschützten Bereiches, in dem in Zukunft vor allem demente Menschen ihren Lebensabend verbringen sollen – mit Gemeinschaftsräumen, Wintergarten und einem angrenzenden Garten. „Wir wollen unseren Bewohnern ein Zuhause bieten, das ihren Wünschen, ihren noch vorhandenen Fähigkeiten, aber auch ihrem bestehenden Handicap sowie der best möglichen Pflege und Betreuung entspricht“, sagt Annett Greskamp. Mit Hilfe der Erweiterung soll dieser Spagat gemeistert werden.

Die Chefin weiß, dass sie sich dabei auch auf ihr Team verlassen kann. 30 Angestellte betreuen die Senioren. In Zukunft werden aus einigen Teilzeit- auch Vollzeitstellen. Etwa 15 Mitarbeiter werden auch noch hinzukommen. „Ich habe gerade wieder einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben“, berichtet die Chefin. Viele ihrer Leute hat Annett Greskamp selbst ausgebildet. „Die haben oft als Quereinsteiger hier angefangen und sich dann in der Altenpflege qualifiziert.“ Auch Spezialausbildungen, gerade für die zeitintensive Betreuung von Demenzerkrankten, wird von der Heimleitung gestützt und gefördert.

Apropos Unterstützung: Die hätte sich Annett Greskamp für ihr jüngstes Projekt auch gewünscht. In den zurück liegenden zwei Jahren hatte die Geschäftsfrau bei Behörden um finanzielle Zuschüsse geworben, aber keine offenen Türen gefunden. „Zum Glück unterstützt mich jetzt meine Hausbank, die Raiffeisenbank aus Hagenow, wieder wie schon 2005.“

Dass ambulante Betreuungsformen derzeit stark gefördert werden, ist auch in den Augen von Annett Greskamp richtig und vor allem wichtig. „Aber immer mehr Senioren kommen schon zu Hause an einen Punkt, an dem es ohne stationäre Betreuung im Alltag nicht mehr geht.“ Das ist der Hauptgrund, warum das Haus am Dümmer See wächst.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen