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Geschichte : Handpumpe erinnert an den „Zug von Sülstorf“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schüler helfen bei der Umgestaltung der Gedenkstätte. Der Wasserspender kehrt an historischen Ort zurück.

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2014 | 23:09 Uhr

Sie sieht unscheinbar aus, rostig, verwittert, steht im Gebüsch auf einem Acker am Bahndamm: eine Pumpe. Im April 1945 hatte sie einen anderen Platz, stand auf dem Bahnsteig in Sülstorf. Es war die Quelle, an  der sich die Häftlinge aus dem Zug auf dem Weg ins KZ Wöbbelin versorgten: eine Handpumpe für mehr als 4000 Menschen.

„Die Pumpe soll wieder an ihren historischen Ort zurückkehren“, sagt die Leiterin der   Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, Ramona Ramsenthaler. Sie führte jetzt Neuntklässler aus dem Stralendorfer Schulzentrum zur Gedenkstätte für die Opfer des „Zugs von Sülstorf“. Die Schüler wollen sich an der Neugestaltung des Erinnerungsortes beteiligen.

Vom 13. bis 15. April 1945 hatte der Häftlingstransport auf einem Gleis in der Nähe des Bahnhofs gehalten. Aus Helmstedt-Beendorf, einem Außenlager des KZ Neuengamme,    kamen die Frauen und Männer,  eingesperrt in 70 Güterwaggons, ständig bedroht   von ihren  brutalen Bewachern. Die Gefangenen sollten nach Wöbbelin  gebracht werden, in einem Transport fast ohne Wasser und Verpflegung.  Weil ein anderer Treck aus  Schandelah das Anschlussgleis des KZ Wöbbelin blockierte, hatte der  Zug in Sülstorf gestoppt.

Nach dem Halt habe die SS die Häftlinge aus den Waggons getrieben, schilderte Ramona Ramsenthaler den Schülern. Auf einem Acker unter freiem Himmel hätten die tausenden Gefangenen lagern müssen. „Wir wurden behandelt wie Tiere“, habe später ein Überlebender berichtet.

 Ein Gedenkstein erinnert in Sülstorf an  53 getötete jüdische Frauen aus Ungarn, deren Leichen nach Kriegsende gefunden worden waren. „Im Landeshauptarchiv in Schwerin haben wir jetzt Dokumente über die Exhumierung im Jahr 1947 entdeckt“, erklärte Ramona Ramsenthaler. Tatsächlich seien aber während des Aufenthaltes   in Sülstorf und schon auf der Anfahrt von Wittenberge  mehr als 300 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen umgekommen,  so die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.

Lehrerin Karin Kinner und ihre Schüler vom  Schulzentrum in Stralendorf möchten dabei helfen, die Erinnerung an die Opfer des „Zugs von Sülstorf“ wach zu halten. Es sei bestürzend, wie viel Leid damals in deutschem Namen geschah, sagte der 14-jährige Gianni. „Wir wollen das Andenken an die Verstorbenen bewahren“, betonte die gleichaltrige Hendrikje.

Im Oktober werden die Jugendlichen der Gemeinde Sülstorf  ihre Ideen vorstellen – insbesondere für eine gärtnerische Umgestaltung der Gedenkstätte am Bahnhof. Bis zum 70. Jahrestag des Häftlingstransports im Frühjahr kommenden Jahres soll der Erinnerungsort neu hergerichtet sein. Eine wichtige Rolle werde dabei auch die Umsetzung der historischen Pumpe spielen, kündigt Ramona Ramsenthaler an. Sie bittet Bürger, die noch Hinweise zur Pumpe geben können, sich unter der Telefonnummer 038753-80792 bei den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin zu melden.

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