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Sportler wehren sich gegen Erhöhung der Hallengebühren : Handballer: Leezener Parkett zu teuer

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Etwa 100 Handballer und Fans der SG Banzkow-Leezen trafen sich gestern Abend nicht auf dem Parkett, sondern vor der Sporthalle und protestierten gegen die drastische Anhebung der Hallengebühren durch die Gemeinde.

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erstellt am 18.Nov.2011 | 02:30 Uhr

Leezen | Die Handballer der Spielgemeinschaft Banzkow-Leezen trafen sich gestern Abend nicht auf dem Parkett, sondern vor der modernen Leezener Sporthalle. Etwa 100 Sportler, deren Familienangehörigen und Unterstützer protestierten gegen die Anfang November von der Gemeindevertretung beschlossene Neufassung der Gebührensatzung. Denn allein für die Handballer bedeutet das mehr als eine Verdoppelung der Miete, die sie schon von Jahresbeginn an an die Gemeinde überweisen müssten. "Männer zahlen bislang 42 Euro für 90 Minuten in der Leezener Halle - künftig sollen es 90 Euro sein. Bei Kindern und Jugendlichen geht der Satz von 21 auf 45 Euro hoch", berichtet Manfred Strauß, Abteilungsleiter Handball der SG Banzkow-Leezen. Mit 12 500 Euro Mietkosten für die Leezener Halle kommt der Verein in diesem Jahr aus. Strauß rechnet mit um die 30 000 Euro für das kommende, wenn es bei der Erhöhung bleibt. "Das können wir uns nicht leisten", betont der Abteilungsleiter. "Entweder erhöhen wir unsere Mitgliedsbeiträge drastisch oder wir müssen den Handballsport in Leezen wieder einstellen."

Beide Varianten sagen Strauß überhaupt nicht zu. "Die erfolgreiche Aufbauarbeit gerade im Jugendbereich würde so oder so leiden - wahrscheinlich sogar zunichte gemacht." Denn die meisten in Leezen aktiven Handballer sind Kinder. Zu den 30 Männern, die in der ersten Mannschaft der SG und bei den "Alten Herren" spielen, kommen 70 junge Sportler in den Altersklassen F, E, D und C hinzu. "Was hier in Leezen in nur wenigen Jahren entstanden ist, kann sich mehr als sehen lassen", betont Strauß. Und er verschweigt nicht, dass er skeptisch war, dass der Aufbau einer Handballabteilung an einem neuen Ort funktionieren kann. Denn die Handballtradition in Leezen ist ebenso jung wie moderne Halle.

Rückblick: Die Banzkower wichen hierher vor wenigen Jahren für einige Punktspiele aus und trafen auf ein interessiertes Publikum und auf hervorragende Bedingungen. Leezen wurde nicht nur zum dauer haften Spielort für die Handballer in der MV-Liga. Eltern aus der Region wollten auch, dass ihre Kinder diesen Sport aktiv ausüben. Jahr für Jahr steigen seitdem Grundschüler ein und erlernen das Abc des Handballs. "Eine gute Ausbildung ist uns dabei wichtiger, als schnell gute Ergebnisse zu erzielen", beschreibt Strauß die Philosophie. Ziel sei es, den Handballsport dauerhaft und in der Breite zu etablieren. Bislang ziehen die Familien voll mit. Sie begleiten die Nachwuchsteams sogar zu Auswärtsspielen, kommen für Sportbekleidung und Ausstattung oft selbst auf. Und so mancher Vater, der in der Jugend nur selten auf dem Handball-Parkett stand, gehört jetzt zum Alt-Herren-Team. "Hier gibt es ein echtes Vereinsleben über den Spielbetrieb hinaus", betont Strauß. Der Abteilungsleiter befürchtet, dass deutlich höhere Mitgliedsbeiträge oder auch das Ausweichen auf andere Trainingsstätten das zerstören würde. Letzteres würde zudem gar nicht funktionieren. Strauß: "Wir sind mitten in der Saison. Die anderen Hallen sind längst ausgebucht." Im schlimmsten Fall müssten die Nachwuchsmannschaften aufgelöst werden. Für Manfred Strauß kam die drastische Erhöhung der Hallengebühren zudem völlig überraschend.

Über diesen Punkt ist Bürgermeister Karl-Hermann Wreth verwundert: "Bereits im Frühjahr habe ich in Gesprächen mit Vertretern des Vereins erläutert, dass wir an einer neuen Gebührenordnung arbeiten müssen." Nachfragen von Seiten des Vereins habe es nie gegeben. Wreth berichtet: Schon vor einem Jahr begann in der Gemeindevertretung die Debatte, wie die Kommune als Eigentümerin der Halle auf die gestiegene Kosten bei der Bewirtschaftung und im Energiebereich reagieren kann. Eine Kalkulation wurde in Auftrag gegeben, diese liegt seit September vor und bildet die Grundlage der jetzt beschlossenen Satzung. "Trotz der Erhöhung bleibt es dabei: Die Gemeinde trägt den größten Teil der Kosten", unterstreicht der Bürgermeister. Die Förderung des Sportes in den verschiedenen Vereinen sei immer noch der mit Abstand größte Posten unter den so genannten freiwilligen Ausgaben, die sich Leezen leistet. Zudem ist es die erste Erhöhung der Hallengebühren, seit der Neubau vor fünf Jahren seiner Bestimmung übergeben worden ist. Dass die Handballer in Leezen hervorragende Arbeit gerade in Jugendbereich leisten, weiß Wreth als einstiger Sportlehrer zu schätzen. Als Bürgermeister sieht er aber keine Alternative zur Erhöhung der Miete, damit die Gemeinde die hervorragenden Bedingungen in ihrer Sporthalle weiterhin anbieten kann. Ausnahmen für einen Verein will er nicht machen. Wreth weist aber auf eine andere Möglichkeit hin: "Auch die SG Banzkow-Leezen kann einen Antrag auf Unterstützung durch die Gemeinde stellen. Darüber müssen wir dann in der Gemeindevertretung entscheiden", erläutert der Bürgermeister.

Ob das den Handballsport in Leezen retten kann, vermag Manfred Strauß nicht zu sagen: "Ein Zuschuss von 500 Euro würde uns nicht helfen." Die Handballer wollen nach der gestrigen ersten Demonstration weiterhin auf ihr Anliegen aufmerksam machen und jeden Donnerstag um 17 Uhr mit einem Protestzug durch das Dorf beginnen. "Wenn die Gemeinde bis Jahresende nicht einlenkt, können wir uns das Training in Leezen nicht mehr leisten." Die fünf Jugendmannschaften müssten dann vom Spielbetrieb abgemeldet und wahrscheinlich aufgelöst werden, befürchtet Strauß.

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