Prozess in Schwerin : Haft wegen Messerstichen

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Landgericht verurteilt 20 Jahre alten Schweriner zu knapp vier Jahren Gefängnis

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20. September 2017, 21:00 Uhr

Bevor der Vorsitzende Richter das Urteil verkündete, kämpften auf den Zuschauerstühlen des Gerichtssaals einige Verwandte und Freunde des Angeklagten mit den Tränen. Knapp fünf Jahre Gefängnis hatte die Staatsanwältin für den 20-jährigen Schweriner gefordert. Sobald das Urteil verkündet war, wich die Anspannung einer gewissen Erleichterung. Auch der Angeklagte verbarg kaum seine Freude über das milde Urteil.

Die Strafkammer des Schweriner Landgerichts verurteilte den jugendlichen Messerstecher wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung und ließ ihn mit drei Jahren und neun Monaten Haft davonkommen.

Im Schweriner Neubaugebiet Großer Dreesch hatte er im Juni 2016 einen 34-Jährigen aus nichtigem Grund niedergestochen. Trotz seines bekifften Zustands nahm er wahr, wie sein späteres Opfer zusammen mit einem Kumpel einem 16-Jährigen wegen eines verschwundenen Handys in die Mangel nehmen wollten. Er mischte sich ein. Nach einem Wortwechsel zog er ein Messer aus dem Hosenbund und stach dem anderen in die Brust. Als der Angegriffene floh, rannte er hinterher und versetzte ihm einen zweiten lebensgefährdenden Stich in den Rücken. Das Opfer suchte vergeblich bei einer unbekannten Frau in deren Auto Schutz. Aber der Angeklagte zog ihn aus dem Wagen und trat auf den stark blutenden Mann ein und rief: „Ich stech dich ab.“ Erst als Passanten eingriffen, ließ er von seinem Opfer ab. Der 34-Jährige überlebte dank schneller Hilfe. Ein Rettungswagen war zufällig bei einem anderen Einsatz in der Nähe. Erleidet noch heute an Albträumen und Verfolgungsangst.

Kaltblütig und hartnäckig habe er sein Opfer verfolgt, hielt der Vorsitzende Richter dem Angeklagten vor. Obwohl er mit Drogen zugeknallt war, habe er gewusst, dass die Stiche hätten tödlich sein können. Dennoch kam das Gericht zu einer eher milden Strafe. Zwar war der Täter älter als 18 Jahre, aber nicht reif genug, um vor Gericht als Erwachsener behandelt zu werden. Die Richter verurteilten ihn also nach den Vorschriften des Jugendrechts. Außerdem war er geständig und hat sich im Gerichtssaal bei seinem Opfer entschuldigt, was dieses mit einem nachsichtigen Kopfnicken akzeptierte. Auch verpflichtete er sich, 25000 Euro Schmerzensgeld an den 34-Jährigen zu zahlen. Das Gericht berücksichtigte zudem, dass der Angeklagte sich bessern will. Seit über einem Jahr ist er in Haft. Dort hat er seinen Realschulabschluss nachgeholt.

Bevor der Angeklagte zurück ins Gefängnis gebracht wurde, durften seine Freunde und Verwandte ihn kurz umarmen. Freunde des Opfers waren indes nicht zur Gerichtsverhandlung gekommen.

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