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25. November 2017 | 01:22 Uhr

Pfusch am Bau in Schwerin : Hafen am Beutel vergammelt

vom

Zur Buga war der Stadthafen am Beutel ein Vorzeigeprojekt, doch schon drei Jahre später ist er zum Schrecken der Freizeitkapitäne geworden. Schwamm und Fäulnis haben die Traghölzer schon schwer geschädigt.

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erstellt am 08.Feb.2013 | 06:51 Uhr

Werdervorstadt | Zur Buga war der Stadthafen am Beutel ein Vorzeigeprojekt, doch schon drei Jahre später ist er zum Schrecken der Freizeitkapitäne geworden. "Im Herbst vergangenen Jahres haben wir bemerkt, dass der Belag der Stege Schäden aufweist. Als wir dann einige der Bohlen aufgenommen haben, bot sich uns ein erschreckendes Bild", erzählt Gerd Rühmling, 1. Vorsitzender des Vereins der Büüdel-Schipper. Schwamm und Fäulnis hatten nicht nur die Lärchenbretter angefressen, sondern auch schon die Traghölzer schwer geschädigt. "Wir haben mit Schreiben vom 21. August 2012 die Wasserbaufirma Holger Roock aus Bremerhagen in Vorpommern auf die Baumängel aufmerksam gemacht und die Mängelbeseitigung eingefordert", ergänzt Manfred Pinske, der 2. Vereinsvorsitzende.

Doch repariert worden ist seither nichts. Gutachter wurden hinzugezogen, Vor-Ort-Besichtigungen organisiert, Gespräche anberaumt, Forderungen erhoben. Aus Sicht der Büüdel-Schipper ist die Sachlage eindeutig: Die Baufirma hat gepfuscht, der Bauleiter hat versagt. Offenkundig ist der Holzschutz nicht oder nicht sachgemäß ausgeführt worden. Selbst die in den Bauplänen vorgeschriebenen Materialien wurden nicht eingebaut. "Hier in den Unterlagen steht, dass auf die Konstruktionshölzer eine fünf Millimeter starke temperaturbeständige Isolierfolie aufgelegt werden muss, bevor der Bretterbelag der Stege aufgeschraubt wird. Eingebaut wurden aber nur eine 0,3 Millimeter dicke Folie oder Bitumen-Dachbahnen", berichtet Rühmling. Die fehlende oder falsche bauliche Holzschutzmaßnahme habe dazu geführt, dass Feuchtigkeit eindringen konnte und sowohl die tragenden Konstruktionshölzer als auch der Bretterbelag der Stege, teilweise sogar die Köpfer der gerammten Pfähle, durch Schwamm- und Pilzbefall erheblich geschädigt wurden. Und das betrifft die komplette Steg anlage, allein bei den Büüdel-Schippern sind das rund 270 Meter. Die Vereinsmitglieder hatten in Eigenleistung einen Großteil des Bretterbelages aufgenommen und überall die gleichen Schäden entdeckt. Ähnlich sieht es bei den Stegen der benachbarten Theatersegler im Beutel aus.

Allein die Büüdel-Schipper veranschlagen die Schadenshöhe auf rund 200 000 Euro, wollen in erster Linie aber eine möglichst rasche Reparatur, denn bis zum Saisonstart sind es nur noch einige Wochen. Doch die Durchsetzung der Garantieansprüche erweist sich als schwierig, berichtet Rühmling. Die Gespräche mit der Baufirma und dem damaligen Bauleiter Michael Schnell über die Reparatur bzw. Regulierung des Schadens ziehen sich in die Länge. Deshalb hatte der Verein sich Hilfe suchend an die Landeshauptstadt gewandt. Doch die ist rein rechtlich nicht zuständig. Baudezernent Dr. Wolfram Frieders dorff verweist auf eine eindeutige vertragliche Regelung: 2006 hatten Stadt und Verein einen "Verlagerungs-Vertrag" abgeschlossen, der beinhaltet, dass die Landeshauptstadt sämtliche Gewährleistungsansprüche für die Steganlage der Büüdel-Schipper an den Verein abtritt. Das gilt. Aber auch die Stadt hat ein Interesse an einem sicheren Stadthafen. Deshalb hatte Frieders dorff Ende Dezember alle Beteiligten zu einem klärenden Gespräch eingeladen. Die Baufirma sagte die Reparatur zu, hat aber bislang dieses Versprechen nicht eingelöst. Den Büüdel-Schippern bleibt nun nur der Gerichtsweg. Doch der dauert bekanntlich lange - und den Wassersportlern läuft die Zeit davon. "Wir hoffen deshalb sehr auf eine gütliche Einigung", sagt Rühmling.

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