Gegen Rassismus : Häftling 41 948 wirbt für Toleranz

 Esther Bejarano hat Auschwitz überlebt. Im Fridericianum las sie gestern aus ihrer Autobiografie.
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Esther Bejarano hat Auschwitz überlebt. Im Fridericianum las sie gestern aus ihrer Autobiografie.

KZ-Überlebende unterstützt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Mehr als 100 Jugendliche beim Landestreffen in Schwerin

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20. November 2014, 16:00 Uhr

Sie hatte die Häftlingsnummer 41 948, ist eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau: Esther Bejarano. Im Schweriner Fridericianum las die 89-Jährige gestern aus ihrer Biografie, berichtete eindrücklich von den schrecklichen Erlebnissen im Lager. „Die SS hatte kein Erbarmen“, sagte Bejarano mit ruhigen Worten. Ihre Zuhörer: Mehr als 100 Jugendliche aus ganz MV, die am dritten Landestreffen von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ teilnahmen.

Mit ihrem Besuch in Schwerin würdigte Bejarano, die von ihrem Sohn Joram und dem Rapper Kutlu Yurtseven begleitet wurde, das Engagement der jungen Leute für Toleranz und Pluralismus. Lob bekamen die Schüler gestern auch noch von einem anderen Gast, der US-Generalkonsulin in Hamburg, Nancy Corbett. Position zu beziehen, sich für andere Menschen stark zu machen – davon lebe eine demokratische Gesellschaft, betonte Corbett. „Ausgrenzungen können nicht in einer Welt bestehen, in der globales Handeln gefragt ist.“

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein bundesweites Projekt, das in MV durch das Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg koordiniert wird, getragen von der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA). Schüler von 32 Schulen im Land machen bei dem Projekt mit, zeigen täglich, wie eine tolerante Willkommenskultur und ein gewaltfreies Miteinander in der Schule gestaltet werden können.

„Jedes Jahr beteiligen sich mehr Schulen an unserem Projekt“, schilderte Landeskoordinatorin Dr. Esther Wolf. Das Treffen in Schwerin eröffnete den engagierten Jugendlichen vor allem die Möglichkeit, sich auszutauschen. Angeboten wurden aber auch mehrere Workshops, etwa zum richtigen Netzwerken, zur Vielfalt in der Gesellschaft und zur Stärkung der Medienkompetenz. Lehrer und Sozialarbeiter konnten sich ebenfalls weiterbilden – das Thema: „Flüchtlinge zwischen Integration und Rassismus“.

Chiara, Sophie und Frederic vom Gymnasium in Lübz gehörten zu den Schülern, die gestern in der Aula des Fridericianums dabei waren. Die Neunt- und Zehntklässler machen sich stark gegen rechte Gewalt, treffen sich regelmäßig mit Zuwanderern, organisieren Lesungen, Ausstellungen und Sportfeste. „Vom Landestreffen erhoffen wir uns viele neue Kontakte“, sagten die drei Lübzer.

„Schulen haben eine Verantwortung, die über die Wissensvermittlung hinausgeht“, betonte der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt. Auch er fand im Fridericianum anerkennende Worte für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Zugleich appellierte Schmidt an die Vorbildrolle von Erwachsenen, die Kindern die Werte einer offenen Gesellschaft vorleben müssten.

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