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15. Dezember 2017 | 07:35 Uhr

Gymnasiasten befragen US-Botschafter

vom

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erstellt am 27.Jan.2012 | 10:26 Uhr

Weststadt | Sicherheitsleute an allen Türen und Notausgängen, Spürhunde, Bodyguards. Dann fahren Polizeiautos mit Blaulicht und eine schwer gepanzerte Limousine vor - für den Besuch des US-Botschafters gestern im Goethe-Gymnasium galten dieselben Standards wie bei einer Visite der Bundeskanzlerin oder des Bundespräsidenten. Dann die Überraschung: Aus der Staatskarosse steigt ein großer, sportlicher Mann, der sich locker und leicht bewegt. "Wow, was für ein schöner Empfang. Guten Morgen", sagt Philip D. Murphy begeistert in schönstem Deutsch mit amerikanischem Akzent. Was dann folgt, ist eine unterhaltsame Lehrstunde in amerikanischer Mentalität, Geschichte und Politik. Denn Botschafter Murphy entpuppt sich rasch als charmanter Entertainer, der leger und staatsmännisch zugleich den Dialog mit den Schweriner Gymnasiasten sucht.

Schulleiter Reinhard Maaß hatte zunächst den höchsten Vertreter der USA in Deutschland herzlich begrüßt - selbstverständlich auf Englisch, wie auch alle anderen Redebeiträge der Schweriner. Der Botschafter ist beeindruckt: "Dieser Schulbesuch war einer der schönsten, den ich je in Deutschland hatte", fasst er am Ende begeistert zusammen. "Es war wunderbar, vor allem wegen der Schüler. Sie sprechen außergewöhnlich gut Englisch, sind sehr gebildet und politisch interessiert."

Nachdem der Jugendchor des Goethe -Gymnasiums den Diplomaten mit deutschen Volksliedern erfreut und von seiner Konzertreise in die USA im vergangenen Jahr berichtet hat, legt "Seine Exzellenz" das Jackett ab, krempelt die Ärmel hoch und beginnt, sich mit den rund 90 Schülern der Abiturstufe auf Augenhöhe zu unterhalten, holt sich immer wieder besonders Aktive nach vorn, scherzt, lässt sich mit ihnen fotografieren. Keine Spur von Distanz, platter Propaganda oder hemmenden diplomatischen Etiketten. Die Zwölftklässler sind vom Charisma des Botschafters fasziniert, folgen aufmerksam und interessiert Murphys Darlegungen über Sicherheitspartnerschaft und das transatlantische Bündnis, die amerikanische Sicht auf die EU und die Rolle Deutschlands in Europa und der Welt und stellen ihrerseits bei Zwischenfragen ihr solides politisches und Geschichtswissen unter Beweis.

Dann sind die Schüler selbst an der Reihe, stellen Fragen. Der Botschafter hat alle Hände voll zu tun, antwortet geduldig auf alles, windet sich aber auch so manches Mal um eine klare Positionierung. "Typisch Diplomat", bemerkt Yasmin lachend. So wollen die jungen Schweriner zum Beispiel wissen, warum Präsident Obama bei seiner Reform des Gesundheits- und Sozialwesens auf so viel Widerstand im Land stößt, warum das Gefangenenlager Guantanamo noch immer nicht geschlossen ist, wie die Position der USA zur Lösung des Nahost-Konflikts aussieht, warum die Todesstrafe nicht abgeschafft wird, wie Obamas Chancen auf eine Wiederwahl stehen.

Wie im Flug vergehen die zwei Stunden des Besuchs. Die Schüler spenden reichlich Applaus, als sich der Botschafter wieder den Schlips zurecht rückt und das Jackett anzieht. "Wir müssen die jungen Leute erreichen. Anders als in Westdeutschland gibt es in den neuen Bundesländern wenig persönliche Erfahrungen mit Amerikanern, mit den USA. Wir brauchen aber die Jugend für die transatlantische Brücke, für die Fortführung der deutsch-amerikanischen Freundschaft", sagt Murphy. Dann fährt er zum nächsten Termin. Ministerpräsident Erwin Sellering wartet bereits auf den Diplomaten. Die beiden Politiker wollen unter anderem über den Ausbau der Zusammenarbeit im Bereich der erneuerbaren Energien beraten.

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