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22. November 2017 | 16:15 Uhr

Schwerin : Gutachter: Decathlon kann kommen

vom

Die Ansiedlung des französischen Sportartikel-Riesen Decathlon auf dem Gelände der ehemaligen Rinderbesamungsstation an der Ludwigsluster Chaussee im Kreuzungsbereich B 321/B 106 steht nichts im Wege.

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erstellt am 30.Aug.2012 | 06:56 Uhr

Schwerin | Die Ansiedlung des französischen Sportartikel-Riesen Decathlon auf dem Gelände der ehemaligen Rinderbesamungsstation an der Ludwigsluster Chaussee im Kreuzungsbereich B 321/B 106 steht aus Planungsgründen nichts im Wege. Zu diesem Schluss kommt ein unabhängiges Gutachten, das jetzt vorgelegt wurde und die Auswirkungen auf den Markt untersucht hatte. Eine negativen Beeinflussung der vorhandenen Branche werde es so gut wie gar nicht geben, heißt es in der Verträglichkeitsstudie. Bevor aber gebaut wird, müssen die Stadtvertreter einen entsprechenden B-Plan für das Areal verabschieden.

Über Monate hatten Betreiber von Sportartikelunternehmen wie Intersport ein düsteres Bild gezeichnet, sollte die Schweriner Stadtpolitik den Weg frei machen für Decathlon. Eine falsch dimensionierte Ansiedlung würde aus ihrer Sicht die mehr als 50 kleinen und mittelständischen, zum Teil sich in den ersten Jahren der Existenzgründung befindlichen, Sport-, Camping-, Fahrrad-, Angel- und Bootsgeschäfte in Schwerin und dem geplanten Einzugsgebiet vor existenzielle Probleme stellen. "Wir bekennen uns grundsätzlich zu einem fairen Wettbewerb der Marktteilnehmer im Sporteinzelhandel, erwarten jedoch auch seitens der kommunalen und regionalen Planungsbehörden die Rahmenbedingungen, dass auch langfristig Wettbewerb stattfinden kann und dass jeder Marktteilnehmer eine reelle Chance für sein wirtschaftliches Überleben hat", heißt es in einem Schreiben von Intersport an das städtische Amt für Wirtschaft und Liegenschaften aus dem vergangenen Jahr.

Diese Befürchtungen teilen die Gutachter nicht, die sogar mit einer "worst case"-Variante gerechnet haben, also dem dem aus Sicht der Wettbewerber schlechtmöglichsten Szenario. "Das Vorhabenkonzept eines Decathlon-Sportfachmarkts unterscheidet sich hinsichtlich seiner Sortimentsstruktur, Größe und sonstigen Charakteristika deutlich von üblichen Sportfachmärkten", bilanzieren die Unternehmensberater. "Aufgrund seiner breiten Angebotspalette kann dieses neuartige Konzept eher als Sport- Vollsortimenter’ bezeichnet werden. Zudem sind die Produkte von Decathlon - zumeist Eigenmarken - nicht direkt mit den in herkömmlichen Sportfachmärkten angebotenen (höherpreisigen) Markenartikeln substituierbar." Nach bisherigen Planungen will Decathlon auf einer Fläche von 638 Quadratmeter Sportbekleidung und Sportschuhe anbieten, auf weiteren 582 Quadratmetern Fahrräder und auf 1579 Quadratmeter Fläche Sportartikel.

Die Gutachter sagen allein im Fahrradhandel der Landeshauptstadt mit der Ansiedlung von Decathlon eine Umverteilung der Umsätze von bis zu 13 Prozent an die Franzosen voraus - und erachten das als verträglich für den Einzelhandelsstandort Schwerin. Für das gesamte Sortiment seien bis zu 10,8 Prozent zu erwarten. Gleichzeitig betonen die Analysten, dass das absolut negativ gerechnet sei. So ließe sich beispielsweise das Gesamtsortiment gar nicht vergleichen. So wurde unter anderem das Kanu als Bestandteil der Sortimentsgruppe Sportgroßgeräte genauso gegen den Umsatz eines Ladengeschäftes gerechnet, das allerdings nur über "Trimm-dich-Räder" im Bereich der Sportgroßgeräte verfügt, heißt es in dem Gutachten, das auch den Stadtvertretern vorliegt.

Die Ansiedlung Decathlons sei sowohl für die Innenstadt-Geschäfte Intersport, Sport Otter und Trekking Zentrum "verträglich", wie auch für Fahrrad Rachow auf dem Dreescher Markt, sagen die Gutachter. Auch Intersport in Grevesmühlen sowie Teamgeist und Karstadt Sport in Wismar würden mit der neuen Konkurrenz gut leben können, sind sich die Unternehmensberater sicher. Kritischer, aber "noch verträglich" sehen die Experten die Ansiedlung des Großmarktes hinsichtlich der Geschäfte in kleineren Städten und nennen dafür den Sport Shop Vietense in Hagenow, Sport Hermann und Zweirad Nickel in Parchim sowie Sport Hermann in Ludwigslust als Beispiele.

Das Gutachten macht auch deutlich, dass die Ansiedlung von Decathlon im Wesentlichen der Raumplanung in Westmecklenburg gerecht werde. Zwar sei die Lage außerhalb des Stadtzentrums nicht vollständig mit den Vorgaben vereinbar. Es wurde aber nachgewiesen, dass "kein anderer, zentrumsnäherer Standort für die zeitnahe Ansiedlung zur Verfügung steht". Zwar trage das Vorhaben nicht zum Ziel des Einzelhandelskonzeptes bei, das Schweriner Stadtzentrum zu stärken.

Aus Sicht der Gutachter kann Decathlon aber einen wichtigen Beitrag leisten, die Angebotsvielfalt im Sporteinzelhandel zugunsten der Landeshauptstadt zu erhöhen und damit den Einzelhandelsstandort insgesamt attraktiver machen. Es werde ein leistungsfähiges Angebot geben, dass mit Internet, Katalog und Versandhandel in Wettbewerb treten kann und ebenso für Kunden die Fahrten in Spezialfachgeschäfte in den Metropolen Hamburg und Berlin unnötig machen werde.

Angesichts der Tatsache, dass Schwerin den ersten Decathlon-Markt in Mecklenburg-Vorpommern haben werde, könnten auch solche Kunden nach Schwerin gezogen werden, die entweder im Anschluss auch die Innenstadt besuchen oder "die Landeshauptstadt künftig im Vergleich zu anderen Einkaufsalternativen bevorzugen werden".

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