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Geplante Ansiedlung des Sportartikelhändlers in Schwerin : Gutachten warnt vor Decathlon

vom

Auf 2500 Quadratmeter Fläche will der französische Sportartikelhersteller und -händler Decathlon eine Vollsortiment-Niederlassung eröffnen. Doch die hiesigen Einzelhändler wehren sich gegen die Ansiedlung.

svz.de von
erstellt am 13.Mär.2011 | 06:49 Uhr

Schwerin | Auf 2500 Quadratmeter Fläche will der französische Sportartikelhersteller und -händler Decathlon eine Vollsortiment-Niederlassung an der Ludwigsluster Chaussee eröffnen. Von Sportbekleidung über Angelzubehör bis hin zu Fahrrädern - alles bieten die Franzosen an, dabei 60 bis 80 Prozent Eigenmarken. Ähnlich wie bereits in Rostock wehren sich die hiesigen Einzelhändler gegen die Ansiedlung. Die Angst: Billig-Konkurrenz am Stadtrand könnte den Einzelhandel in der Innenstadt schädigen. Verödung der City und Verlust von Arbeitsplätzen lauten die Stichworte. Ein jetzt vorliegendes Gutachten der Standortberatung Carsten Mainz bestätigt jetzt die Befürchtungen der lokalen Anbieter.

"Sowohl der gewählte Standort wie auch die zu erwartende Umsatzauswirkungen laufen den Zielen einer gesunden Einzelhandelsstruktur in Schwerin zuwider", lautet das Fazit des unabhängigen Gutachters. "Es wird empfohlen, die geplante Ansiedlung aus diesem Grund zu verhindern." Statt Decathlon könnte der Anbieter Koodza aus dem gleichen Konzern in einem bestehenden Leerstandsobjekt in der Innenstadt angesiedelt werden, so die Alternative des Standortberaters. So könne "die kleine, nachgewiesene Umsatzlücke" geschlossen werden, ohne den bestehenden Sporteinzelhandel in seiner Struktur wirtschaftlich über die Maßen zu schädigen.

Denn der von der Stadt vorgesehene Standort an der Ludwigsluster Chaussee - die äußerste Spitze der Neuen Gartenstadt - widerspreche ohnehin dem Einzelhandelskonzept der Stadt, ana lysiert Standortgutachter Mainz. "Das Decathlon-Format ist zu 100 Prozent zentrenrelevant gemäß der Schweriner Sortimentsliste", begründet der Gutachter. Und noch ein Argument der behördlichen Wirtschaftsförderer, die sich für die Ansiedlung der Franzosen stark machen, entkräftet die Standortanalyse: "Das Decathlon-Format löst keine neue Nachfrage aus. Sämtliche Sortimente sind bereits durch teilweise kleinteilige, inhabergeführte Geschäfte wie beispielsweise Angeln oder Reiten vorhanden. Es gibt keine Angebotslücke für Sportsortimente im Marktgebiet Schwerin."

Lokale Anbieter wie Intersport hoffen jetzt auf sachliche Gespräche. Denn eine falsch dimensionierte Ansiedlung würde aus ihrer Sicht die mehr als 50 kleinen und mittelständischen, zum Teil sich in den ersten Jahren der Existenzgründung befindlichen, Sport-, Camping-, Fahrrad-, Angel- und Bootsgeschäfte in Schwerin und dem geplanten Einzugsgebiet vor existenzielle Probleme stellen. "Wir würden uns sehr freuen, wenn wir auf der Basis der ermittelten Daten und Fakten in eine konstruktive Diskussion einsteigen könnten", sagt Geschäftsführer Wolfgang Rossow.

Sein Unternehmen ist seit 1998 in Schwerin ansässig und betreibt über Tochtergesellschaften die Intersport-Geschäfte im Schlosspark-Center und im Sieben Seen Center mit 18 bzw. 15 Mitarbeitern. "Am 16. Februar hat mir der Leiter des Amtes für Wirtschaft und Liegenschaften, Bernd Nottebaum, berichtet, dass es bereits Einvernehmen zwischen der Schweriner Verwaltung und der Stadtpolitik geben soll, dass der Sportfachmarkt Decathlon kommen soll", berichtet Rossow unserer Zeitung. "Dass in den mehr als zwölf Monaten der Verhandlung und Planung keine Befragung der Betroffenen oder Diskussionen darüber stattgefunden haben, verwundert mich erheblich, insbesondere aufgrund der bekannten Probleme in Rostock." Um die Debatte nun nochmals anzuschieben, hat Intersport das Standortgutachten in Auftrag gegeben und die Ergebnisse zugänglich gemacht. Die Informationen sind an die Stadt, die IHK und den Einzelhandelsverband gegangen - sowie natürlich an Händler-Kollegen.

"Wir bekennen uns grundsätzlich zu einem fairen Wettbewerb der Marktteilnehmer im Sporteinzelhandel, erwarten jedoch auch seitens der kommunalen und regionalen Planungsbehörden die Rahmenbedingungen, dass auch langfristig Wettbewerb stattfinden kann und dass jeder Marktteilnehmer eine reelle Chance auf sein wirtschaftliches Überleben hat", heißt es in einem Schreiben von Intersport an das städtische Amt für Wirtschaft und Liegenschaften.

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