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Landwirtschaft im Schweriner Umland : Gülle-Silvester: Heute geht es los

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landwirte dürfen wieder tierische Düngemittel ausbringen, doch der Winter macht ihnen jetzt einen Strich durch die Rechnung

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Darf schon wieder Gülle gefahren werden? Ja, mit dem sogenannten Gülle-Silvester ist gestern die offizielle Sperrzeit für die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern abgelaufen. Ab heute ist es wieder erlaubt. Die Düngeverordnung gestattet das Ausbringen auf Ackerflächen vom 1. Februar bis zum 31. Oktober und auf Grünland vom 1. Februar bis 14. November, erklärt Bernd Rieprecht von der Agrargenossenschaft Plate. Doch noch bleibt die Maschine mit den Schleppschläuchen in der Halle. „Der Winter macht uns einen Strich durch die Rechnung“, sagt der Genossenschafts-Chef und schaut dem dicken Flockenwirbel durch die Fensterscheibe zu. Erst wenn die weiße Pracht weg ist und die Flächen befahrbar sind, könne es losgehen.

Beunruhigt ist Rieprecht aber nicht: „Wir haben mit dem neuen Kuhstall auch einen zusätzliches Lager für die Gärreste gebaut und somit keine Not – ein dreiviertel Jahr können wir einlagern.“ Noch setzt der Landwirtschaftsbetrieb mit 550 Kühen auf die Unterstützung eines Stralendorfer Betriebes. „Wenn es uns besser geht, dann kaufen wir ein eigenes Gerät, um die Gärreste in den Boden zu bringen“, schiebt er hinterher. Denn die anfallende Gülle bei der Plater Agrargenossenschaft geht zu hundert Prozent in die Biogasanlage. Der Gärrest wird anschließend auf dem Grünland ausgefahren – eingeschlitzt. „Und auch auf unseren Mais kommt ein Teil der Gärreste“, erklärt Bernd Rieprecht. Alles unterliege strengen Kontrollen und werde nicht nach Laune des Landwirts ausgebracht, betont der Leiter der Plater Genossenschaft. Durchschnittlich seien es zwischen 15 und 20 Kubikmeter pro Hektar.

„Zunächst wird der Gärrest beprobt, dann der Boden. Erst wenn alles ausgewertet und abgestimmt ist, wird der Gärrest verteilt. Zudem müssen Rieprecht und seine Berufskollegen auch das Wetter im Blick haben. „Steht eine Trockenperiode an, hören wir ganz damit auf“, ergänzt er. Dass auch immer wieder Stimmen gegen die Ausbringung der Gülle auf Acker- und Grünland laut werden, weiß Rieprecht. Das nervt ihn – ebenso wie seinen Berufskollegen Hansjörg Rotermann von der Agrargemeinschaft Lübstorf. „Bloß weil die Menschen auf den Acker gucken können, meinen sie auch, sie hätten Ahnung“, poltert er los. Rotermann hat nachgefragt: „Der Zweckverband Schweriner Umland hat die Brunnen untersucht. Das Wasser hat beste Qualität – alles top“, erklärt das Vorstandsmitglied des Lübstorfer Betriebes. Im Nachbarland Niedersachsen, wo die Tierbetriebs-Dichte wesentlich höher ist, könne man von einem Gülle-Problem reden. „Deshalb ist es auch Blödsinn, hier ein Fass aufzumachen, wenn Gülle auf die Flächen kommt“, ergänzt Rotermann.

„Für die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern ist Gülle ein wertvoller Dünger, der Stickstoff, Phosphor, Kalium und andere Nährstoffe enthält. In den landwirtschaftlichen Betrieben werden bei Einsatz von organischen Düngern Nährstoffkreisläufe geschlossen und der Bedarf an mineralischen Düngemitteln wird reduziert“, betont Claudia Kerber, Sprecherin des Landesbauernverbandes.

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