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Schwerin : Grundschüler stärken gegen sexuelle Übergriffe

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"Nein" zu sagen, das lernen Grundschüler der John-Brinckman-Schule in Schwerin beim Theaterprojekt "Mein Körper gehört mir". Die kleinen Menschen werden ermutigt, ihren Nein-Gefühlen zu vertrauen.

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erstellt am 23.Apr.2012 | 12:09 Uhr

Weststadt | Ein dicker Kuss von Oma mitten auf den Mund? Eine allzu innige Umarmung vom Onkel? Was auf den ersten Blick irgendwie normal im Umgang mit den eigenen Verwandten erscheint und für viele ein Gebot der Höflichkeit ist, kann schon eine Grenzüberschreitung sein. Oft ist diese Form von Zärtlichkeit den Kindern unangenehm. Manchmal ist es bis zum sexuellen Missbrauch nur einen Hauch entfernt - je nachdem wie das Kind, aber auch der Erwachsene die Situation empfindet. Hier "Nein" zu sagen, das lernen Grundschüler beim Theaterprojekt "Mein Körper gehört mir". Zwei Theaterpädagogen spielen dabei Alltagsszenen, in denen die möglichen körperlichen Grenzen der Kinder überschritten werden. Die kleinen Menschen werden ermutigt, ihren Nein-Gefühlen zu vertrauen, anderen davon zu erzählen und sich Hilfe zu holen. Die 3. und 4. Klassen der John-Brinckman-Schule werden sich das dreiteilige Stück anschauen und ausgiebig besprechen.

Selbst in den unteren Klassenstufen sei sexueller Missbrauch mittlerweile ein Thema. "Wir merken das in entsprechenden Unterrichtsgesprächen, wenn einige Kinder, die sonst sehr forsch sind, plötzlich besonders ruhig werden", sagt Lehrerin Gunda Hartwig. "Wir suchen dann das Vier-Augen-Gespräch, in dem sie uns etwas anvertrauen können. Wir empfehlen ihnen manchmal professionelle Stellen, bei denen sie Hilfe bekommen können, zum Beispiel beim Sorgentelefon des Kinderschutzbundes, bei der Evangelischen Jugend oder Frauen im Zentrum." Mit dem Theaterstück hoffen die Pädagogen das Selbstbewusstsein der Kinder so weit zu stärken, dass es zu keinen Übergriffen kommt. Die begleitenden Elternabende betonen das Recht der Kinder, auch in der Familie als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen zu werden.

Finanzielle Unterstützung für den Besuch des Theaterstücks, das in der Siemens-Schule aufgeführt wird, gibt es für das Projekt vom Verein Sisyphus. Der wurde im Januar gegründet - um präventive Jugendprojekte in Schwerin besser zu vernetzen und Kinder dazu zu befähigen, sich ihren Platz im Leben selbst zu gestalten. Rund 40 Mitglieder hat der Verein heute - Präventionsberaterin Heidi Liebmann findet das nach so kurzer Zeit eine beachtliche Zahl. Peter Metzler, Leiter der Astrid-Lindgren-Schule, hätte sich ungefähr doppelt so viele aktive Unterstützer gewünscht. Trotzdem ist der junge Verein sehr aktiv, und auch Spenden gibt es schon reichlich. Die Koordinatoren treffen sich wöchentlich, entwickeln Ideen, sichten Projekte. "Wir haben mehrere Sachen angeschoben", sagt Metzler, der bei Sisyphus ausdrücklich als Privatperson und nicht als Schulleiter auftritt. Zu den "mehreren Sachen" gehören neben dem Sponsoring des Theaters auch das Musikereignis "Kids and Cops in Concert".

"Insgesamt ist der Verein noch in der Findungsphase", so Metzler. "Auf jeden Fall wird es nicht allein um Kriminalprävention gehen. Denn es gibt viele Kinder in dieser Stadt, die Sorgen haben. Zurzeit denken wir z.B. über ein Stipendien-Programm nach, wobei der Lohn an eine Selbstverpflichtung der Schüler gekoppelt sein könnte." Eine Kinokarte für eine bessere Note in Mathe? Durchaus vorstellbar. "Wir müssen auf jeden Fall zusehen, dass das Geld nicht in die Haushalte fließt, sondern den Kindern direkt zugute kommt, wenn sie lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen."

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