zur Navigation springen

Forstamt weist Kritik von Tierschützern zurück : Großjagd in Schwerin-Friedrichsthal

vom

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2011 | 12:22 Uhr

Friedrichsthal | Einmal im Jahr stoßen die Besucher des Friedrichsthaler Forstes auf Schilder mit der Aufschrift "Treibjagd", so auch Hannelore Gebauer, die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzverbandes Schwerin. Sie hält Treibjagden für völlig überflüssig und unnötig. "Die paar Rehe, die bei uns noch herumlaufen, kann man auch am Leben lassen", sagt sie. Sie sei grundsätzlich gegen Jagden in jeglicher Form, aber besonders im Winter. "Es kann ja wohl nicht angehen, dass zu dieser Jahreszeit die Tiere aufgeschreckt und durch den Wald gejagt werden", kri tisiert die Tierschützerin. Dennoch: "Mit roten Warnwesten bekleidet sind die Jäger jetzt durch den Wald gestreift", be richtet Gebauer.

Dr. Christof Darsow, Leiter des Forstamt es Radelübbe, berichtet, "dass jedes Jahr eine groß angelegte und gezielte Jagd im Friedrichsthaler Wald stattfindet". Dabei handle es sich jedoch nicht um eine Treibjagd, sondern viel mehr verharrten die Jäger auf einem Hochstand und warteten, bis sich das Wild zeige. Nur die Jagdhunde scheuchten gezielt das Wild auf. Darsow ist zuständig für das Friedrichsthaler Waldgebiet und organisiert jährlich diese Jagd. Er engagiert dafür nur ihm bekannte Jäger aus Schwerin und Um gebung. Insbesondere in dem Gebiet Friedrichsthal sei Vorsicht geboten. Der Verlauf der Bundesstraße durch das Waldgebiet vergrößere die Gefahr, und Fußgänger spazierten gerne am Neumühler See entlang, so Darsow. "Wenn man in der Nähe von Menschen jagt, muss man den Jägern vertrauen können. Es ist besser wenn sie den Finger auch mal gerade lassen, daher findet hier kein Jagdtourismus statt", begründet Darsow seine Auswahl der Jäger.

Zur Warnung der Autofahrer und Spaziergänger würden zusätzlich in engen Abständen Schilder aufgestellt, die auf die Jagd hinwiesen, betont der Leiter der Forstbehörde. Das helfe zwar gegen Wald durchquerende Naturliebhaber, doch Autofahrer hielten sich nur selten an die Vorschriften. "Auf den Bundesstraßen werden die Hinweise oft ignoriert, und es wird daher viel zu schnell gefahren", so Darsows Kritik an den Autofahrern. Es bestehe die Möglichkeit, dass aufgeschreckte Tiere auf die Fahrbahn laufen und Fahrzeuge gefährden. Zur Erhöhung der Sicherheit weist Darsow die Jäger darauf hin, speziell bei gefrorenem Boden nur aus sehr kurzer Distanz zu schießen, das erhöhe die Trefferquote. Darüber hinaus werde nur vom Hochsitz geschossen, so würden die Kugeln schneller in das Erdreich eindringen.

Eine große Jagdaktion sei zudem nötig, um den Bestand der Tiere zu reduzieren, erklärt Darsow. "Die örtlichen Jäger müssen elf Rehe pro 100 Hektar Wald erlegen, so verlangen es die Wildbe wirtschaftungsrichtlinie für das Forstamt und das Jagdgesetz. Für einen einzelnen Jäger ist das unmöglich", erläutert Darsow. Das Forstamt Radelübbe erstreckt sich zwischen der Landeshauptstadt Schwerin und der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein über eine Fläche von 100000 Hektar. Rund 16500 Hektar davon sind Wald. Demnach müssten allein in diesen Wäldern 1815 Rehe im Jahr geschossen werden. Ansonsten erhöhe sich die Anzahl der Tiere so stark, dass Wald und Flur geschädigt würden. "Nicht täglich, aber sehr häufig werde ich von Gartenbesitzern angerufen, denen Rehe gerade die Rosenköpfe im Garten abfressen", berichtet Darsow. Kritik gäbe es auch über Wildschweine, die Felder verwüsteten. Dennoch meldeten sich immer wieder Bürger, die entsetzt seien, dass Jagden stattfinden. Für Beschwerden von Umwelt schützern zeigt Darsow nur wenig Verständ nis. "Teilweise ent fremden sich die Menschen immer mehr von der Natur und vergessen dabei, dass die Jagd ein Teil der Natur ist."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen