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Integration in Schwerin : „Großes Herz und ein wenig Zeit“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Flüchtlinge und Einheimische können sich im Patenschaftsbüro in der Puschkinstraße kennenlernen: Viele Schweriner bringen sich ein

von
erstellt am 03.Jan.2017 | 08:00 Uhr

Im Patenschaftsbüro in der Puschkinstraße 35 ist immer etwas los: Männer sitzen um einen Tisch und reden, junge Frauen kommen mit ihren Kindern zur Krabbelgruppe, Familien und Alleinstehende holen sich Rat bei allen möglichen Fragen des Alltags. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien, sind neu in Schwerin, haben in ihrer Heimat alles hinter sich gelassen. Heike Sobanski, die hauptamtlich im Büro arbeitet, hat mittlerweile fast mehr syrische als deutsche Bekannte, sagt sie lächelnd. Auf jeden Fall mehr Facebook-Freunde, die ihre Wurzeln im arabischen Raum haben. Die Geschichten, die sie im Büro hört, handeln von einem friedlichen und von einem zerstörten Syrien, von Flucht, Folter und Mord, von der Angst um die eigene Familie, vom Krieg und dem Wunsch nach Frieden. Heike Sobanski nimmt das alles nach ihrer Schicht mit nach Hause, sieht die Fernsehbilder aus Aleppo heute mit anderen Augen. Im Patenbüro zu arbeiten, ist viel mehr als ein Job.

Hamoud Adghim steht ihr in der Puschkinstraße zur Seite. Er selbst stammt aus Syrien, seit Kurzem leben auch seine Frau und sein Kind in Schwerin. Wenn in ihrer Heimat die Waffen endgültig schweigen, möchten sie zurück und ein neues Syrien aufbauen. Adghim ist ein Sprachtalent. Wenn er von seinem Zuhause spricht, dann erzählt er vom problemlosen Zusammenleben von Moslems, Christen und Juden, von gemeinsamen Festen. Er erzählt aber auch von der Angst, von einem Ort an den anderen zu reisen – man wisse nie, welche Kriegspartei dort gerade die Oberhand hat, ob man heil zurückkommt. Hamoud Adghim spricht Deutsch, Arabisch, ein bisschen Französisch und Englisch. Auch Dolmetscher für Kurdisch oder Farsi kann das Patenschaftsbüro anbieten. Wer echte, leibhaftige Kontakte knüpfen möchte zu Menschen aus fremden Ländern, der findet sie hier in Hülle und Fülle. Wer ihnen helfen will, hier anzukommen, wer Authentisches aus ihrer Kultur erfahren möchte, wer ein bisschen Freude bringen möchte zu Menschen, die von Furcht getrieben sind, der ist hier gut aufgehoben.

Ziel des Patenschaftsbüros ist es, Verbindungen herzustellen zwischen Deutschen und Flüchtlingen. Das funktioniert bisher recht gut, sagt Heike Sobanski. Dennoch: Rund 100 Flüchtlinge hätten gern Unterstützung, nicht ganz so viele Schweriner haben die bisher angeboten. Was die Helfer mitbringen müssten, sei ein „großes Herz und ein bisschen Zeit“, sagt Heike Sobanski.

Die Soziale Dienste und Jugendhilfe gGmbH vom Zentralrat der Muslime und die Schweriner Flüchtlingshilfe haben das Projekt gemeinsam auf die Beine gestellt – mit finanzieller Unterstützung aus dem Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig eröffnete die Einrichtung im November vor zahlreichen Gästen. Ziel des Bundesprogramm sei es, deutschlandweit 25 000 Patenschaften zwischen Einheimischen und Flüchtlingen zustande zu bringen.

Eine Patenschaft könne von regelmäßigen Treffen über kulturelle Aktivitäten und die Unterstützung bei Behördengängen bis zu einer Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge reichen, sagt Claus Oellerking von der Schweriner Flüchtlingshilfe.

Geöffnet ist das Büro in der Puschkinstraße 35 montags, dienstags und freitags von 10 bis 13 Uhr sowie mittwochs und donnerstags von 11 bis 16 Uhr

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