Schweriner Waisengärten : Großer Tunnel für kleine Tiere

Stahlbeton für den Naturschutz: Dieses 35 Meter lange Bauwerk wurde für Frösche, Lurche und andere kleine Lebewesen gebaut.
Stahlbeton für den Naturschutz: Dieses 35 Meter lange Bauwerk wurde für Frösche, Lurche und andere kleine Lebewesen gebaut.

In den Waisengärten ist für 50 000 Euro ein Kleintierdurchlass entstanden.

svz.de von
22. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Der Landeshauptstadt ist der Naturschutz lieb – und teuer. Das zeigt sich jetzt wieder bei der Erschließung des neuen Wohngebietes in den Waisengärten. Unter der so genannten Planstraße A, der Verlängerung der Amtstraße, wurde ein „Kleintierdurchlass“ gebaut. Kostenpunkt: rund 50 000 Euro. Kubikmeterweise wurde Stahlbeton verbaut, um allem möglichen Kleingetier die gefahrlose Passage der Straßentrasse zu ermöglichen.

Der Schweriner See hat den Status eines Flora-Fauna-Habitats (FFH). „Wir müssen für das Baugebiet deshalb auch den Anforderungskatalog nach den FFH-Schutzrichtlinien umsetzen“, sagt Carsten Lenschow, Projektleiter bei der Landesgrunderwerb Mecklenburg-Vorpommern (LGE), in deren Auftrag die Erschließung des Areals zwischen Beutel und Bornhövedstraße erfolgt. „Und nach dem Landesnaturschutzgesetz besteht ein Tötungsverbot für Kleintiere.“ Deshalb der Bau des Kleintierdurchlasses, der für alle tierischen Bedürfnisse ausgelegt ist. Lebewesen, die unter der Straße hindurch schwimmen möchten, können das in einem Wasserkanal tun. Für Tiere, die es trockener bevorzugen, wurde an einer Seite eine so genannte Berme, quasi ein Bürgersteig für Marder, Katzen & Co., eingebaut.

Es ist nicht das erste Naturschutzvorhaben in den Waisengärten. Weil bei einer Untersuchung die schützenswerten Moorfrösche gefunden wurden, ist für sie und andere Amphibien bereits ein Teich angelegt worden. Außerdem gibt es einen Graben auf der Fläche. Beide zusammen bilden einen Lebensraum. Weil der aber durch die künftige Verlängerung der Amtstraße durchschnitten wird, musste der Durchlass gebaut werden.

Auch bei zukünftigen Bauvorhaben hat der Naturschutz einen großen Stellenwert. So müssen auf den Dächern der Wohnhäuser Fledermausquartiere aufgestellt werden. Denn die Flattertiere waren einst in den Kleingärten unterwegs, die sich auf dem Areal befanden.

Ob all diese Schutzeinrichtungen und lebensraumerhaltenden Projekte von den Tieren angenommen werden, ist abzuwarten. Der Moorfrosch beispielsweise wurde nicht mehr gesichtet. Laut Baudezernent Wolfram Friedersdorff habe es sich nur um eine„Inselpopulation“ gehandelt. Und auch die Fledermäuse übernachten wahrscheinlich größtenteils im Schloss. Dort haben sie auf jeden Fall ihr Winterquartier.

Derweil geht die Erschließung der Waisengärten weiter. Es folgt jetzt der Kanalbau. Im Frühjahr werden die Stadtwerke all ihre Leitungen in die Erde bringen, und im Sommer wird dann der Straßenbau folgen. Danach kann die Planstraße A auch einen „richtigen“ Namen bekommen. Ob es die Amtstraße sein wird, steht noch nicht fest.

Die Kosten für den Naturschutz werden im Übrigen die künftigen Bewohner der Waisengärten tragen müssen. Die LGE legt ihre Ausgaben auf die Grundstückspreise um. Und die Investoren kalkulieren ihre Ausgaben in die Preise der Eigentumswohnungen ein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen