zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern : Größter Erbe ist das Land selbst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

40 Nachlässe im vergangenen Jahr, dennoch kann Hinterlassenschaft auch Verlust sein

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 11:30 Uhr

Der größte Erbe in Mecklenburg-Vorpommern ist das Land selbst – zumindest nach der Zahl der Erbfälle. 40 Nachlässe wurden dem Schweriner Finanzministerium allein im vergangenen Jahr per Gesetz übergeben, teilte der zum Ministerium gehörende Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) auf Anfrage mit. In den Jahren zwischen 2008 und 2012 waren es jährlich zwischen 32 und 50 Fälle.

„Das jeweilige Nachlassgericht stellt das Erbrecht des Fiskus fest, wenn keine gesetzlichen Erben ermittelt werden konnten“, erklärte BBL-Sprecher Christian Hoffmann. Das Land wird auch Eigentümer von Hinterlassenschaften, wenn alle Angehörigen das Erbe ablehnen. Das Bundesland kann ein Erbe dann zwar nicht ausschlagen, übernimmt aber auch keine Schulden, die den Wert des Nachlasses übersteigen.

„Der Anteil der Erbfälle nach Ausschlagung der gesetzlichen Erben ist gewachsen“, sagte Hoffmann. Diese Nachlässe würden häufig aus überschuldeten Grundstücken oder Eigentumsanteilen bestehen.

Die größte Immobilie, die das Land bisher geerbt hat, ist die ehemalige Großbäckerei Teterow. Auf der mehr als einen Hektar großen Liegenschaft wurden inzwischen die baufälligen Gebäude abgerissen. Das Grundstück soll für ein Gewerbegebiet verkauft werden.

Interessantestes Kunstobjekt: Werke der Malerin Kate Dien-Bitt, die dem Staatlichen Museum in Schwerin dauerhaft übergeben worden sind. Die höchste geerbte Summe: 100 000 Euro. Ein Erbe von 90 000 Euro hinterließ eine Neubrandenburgerin dem Land vor drei Jahren direkt per Testament. In ihrem letzten Willen verfügte die Dame, dass von dem Geld für die Polizei Schutzwesten gekauft werden sollten. Das Land entsprach dem Wunsch und kaufte 122 Westen.

Auch ein Goldzahn, Armbänder aus Bernstein, Ringe und weiterer Schmuck befinden sich unter den Erbstücken. „Der Verkauf dieser Stücke wird angestrebt“, so Hoffmann. Im Einzelfall erfolge die Verwertung auch über Auktion oder Zwangsversteigerung.

Nicht immer bedeutet eine Erbschaft Gewinn für die Staatskasse. „Aufgrund der Verpflichtung des Landes, den verkehrssicheren Zustand der Liegenschaften herzustellen, übersteigen in Einzelfällen die Aufwendungen des Landes die Einnahmen erheblich“, erklärte BBL-Sprecher Christian Hoffmann. Außerdem übernehme das Land mit dem Erbe auch Verpflichtungen: Grabpflegekosten, Bewirtschaftungskosten für die geerbten Liegenschaften oder Anliegerbeiträge. Richtig reich werde Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Erbschaften nicht, meinte Hoffmann.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen