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Generationenprojekt : Grass inspiriert 15- bis 75-Jährige

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Projekt der Volkshochschule beschäftigt sich mit Literatur-Nobelpreisträger: Am Sonnabend hat multimediales Theaterstück Premiere

von
erstellt am 13.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Die Trommel gibt den Takt vor. Einer nach dem anderen erheben sich die 15 Akteure von ihren Stühlen, erstarren dann plötzlich in einer bestimmten Position. Bis eine Geige erklingt. Der Tango reißt alle aus der Starre. 15- und 75-Jährige tanzen zusammen. Kunst als generationsübergreifende Klammer. Zu erleben ist die ungewöhnliche Konstellation, die Teil eines multimedialen Theaterprojekts ist, am Sonnabend um 19.30 Uhr in der Aula der Volkshochschule. Die Inszenierung von Silke Gerhardt verbindet Tanztheater und Theatermonologe mit Erlebnisberichten und Videofilmeinspielungen zu einer emotional bewegenden, 45-minütigen Aufführung.

Doch was schmiedet Schüler und Rentner so eng zusammen, dass sie sich über viele Monate hinweg jede Woche treffen, gemeinsam proben, erzählen und auf Exkursion gehen? Die Beschäftigung mit dem Schriftsteller Günter Grass.

Entstanden war die Idee für ein generationsübergreifendes Projekt nach einem gemeinsamen Ausflug der Seniorengruppe von Volkshochschulchefin Marita Schwabe und dem Tanztheater Lysistrate des Goethegymnasiums. „Auf den Spuren von Günter Grass und seinem Roman ,Die Blechtrommel‘ zu wandeln, bildete den idealen Rahmen“, erinnert sich Marita Schwabe. Es funktionierte überwältigend gut. Schüler und Rentner beschäftigten sich intensiv und gemeinsam mit Grass, seinen Büchern und der Zeit und fuhren dann nach Danzig. Berichte und Videos der Reise sind in die aktuelle Inszenierung eingeflossen, die eine perfekte Nachbereitung der Exkursion ist.

„Es macht einfach Spaß, mit den jungen Leuten etwas gemeinsam zu unternehmen“, fasst die 71-jährige Uta Biskup zusammen. Zwar habe sie am Anfang durchaus Vorbehalte gehabt, ob das funktionieren könne, gibt sie unumwunden zu, „doch jetzt arbeiten wir auf Augenhöhe zusammen.“

Den jungen Leuten ging es ähnlich. „Ganz ehrlich: Anfangs habe ich nicht gedacht, dass wir wirklich Gemeinsamkeit entwickeln können“, sagt Kim Laskowski. „Doch es klappt super. Wir haben unterschiedliche Erfahrungen, aber das macht ja auch die Spannung aus, die in die Inszenierung einfließt“, sagt die 16-Jährige. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass wir mit unserem Stück so schnell so gut sind.“

„Ich wundere mich selber. Aber es ist wirklich etwas Gemeinsames entstanden“, sagt Manfred Biskup. „Wir sind nicht mehr nebeneinander, sondern arbeiten miteinander“, versichert der 75-Jährige.

Noch nicht ganz zufrieden indes ist Regisseurin Silke Gerhardt. Sie hatte deshalb ein langes Probenwochen ende angesetzt und ihren jungen und älteren Akteuren Hausaufgaben aufgegeben. Doch zur Generalprobe hatte dann auch sie ein Lächeln auf den Lippen. „Ich freue mich riesig, wie die Inszenierung gewachsen ist“, sagt sie. Nun könne sie beruhigt der Premiere am Sonnabend entgegensehen. Zwar werde Günter Grass leider nicht kommen können, doch habe er fest versprochen, sich das Stück selbst ansehen zu wollen.

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