Einwohnerversammlung : Grambower fordern Fusionsfakten

In versammelter Mannschaft präsentierten sich die Einwohner Grambows, sie wollte ihre Fragen loswerden.  Fotos: Sarah Langemeyer
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In versammelter Mannschaft präsentierten sich die Einwohner Grambows, sie wollte ihre Fragen loswerden.

Einwohner debattieren über Zusammenschluss mit Wittenförden oder Brüsewitz – Bürgermeister Possekel steht Rede und Antwort

svz.de von
21. Mai 2017, 05:00 Uhr

Es ist fünf Minuten kurz vor 7 Uhr abends. Die gut 50 Plätze im Grambower Gemeindezentrum sind bis auf die hinterste Reihe gefüllt. Doch dann müssen die Einwohner näher zusammenrücken. Bänke und Klappstühle werden in den noch freien Raum platziert. Die Grambower wollen wissen, wohin es in Zukunft mit ihrer Kommune geht. Das Wort Fusion schwebt seit Wochen über der 700-Seelen-Gemeinde mit dem Schuldenberg von rund 780 000 Euro.

„Eines vorneweg: Es ist noch nichts entschieden, wir prüfen alle Varianten“, erklärt Bürgermeister Andreas Possekel zu Beginn der Einwohnerversammlung. Die Blicke der rund 120 Bürger sind auf das Gemeindeoberhaupt gerichtet. In zehn Minuten erklärt der Chef der Gemeinde den bisherigen Verlauf der Ereignisse: Los ging es mit dem Antrag Ende 2016 des Vereins „Unser Gramow“ und der Genossenschaft für den Dorfladen, die den Fusionsgedanken mit Wittenförden ins Rollen brachten, weiter mit der Diskussion über den Kreis- und Amtswechsel bis hin zu Brüsewitz, das sich als weiterer Fusionspartner ins Gespräch brachte, und Alt-Bürgermeister Herbert Piotrowski, der für die Eigenständigkeit plädiert. So sind drei Varianten geboren: zwei jeweilige Fusionen und die Eigenständigkeit.

„Ist die Fusion wirklich eine Lösung?“ war eine der ersten und vielen Fragen, die die Grambower den Gemeindevertretern stellten. Die Antwort darauf lautete: „Wir sind dann ein größerer Gemeindeverbund, unser Haushalt wäre nicht mehr defizitär. Dadurch würden wir finanziell wieder mehr Spielraum haben“, so Bürgermeister Possekel, der sich aufgrund der finanziellen Lage lieber selbst einen Partner aussuchen möchte, als einen aufgezwungen zu bekommen. Gemeinsam mit seinen Gemeindevertretern stellte er klar, dass im Moment kaum noch etwas außerhalb der Pflichtaufwendungen finanziert werden kann. „Wenn ich merke, dass ich in der Gemeindevertretung nichts mehr bewerkstelligt kriege, dann kommt man irgendwann an seine Grenzen“, so Gemeindevertreter Uwe Weiberg, der zudem die historische Verflechtung mit Wittenförden betonte und sich klar für diese Fusion aussprach. Aus den Reihen der Einwohner, die sich während des zweistündigen Austauschs stets sachlich ausreden ließen, waren Argumente dagegen zu hören: Man habe Angst, nur ein „Anhängsel“ Wittenfördens zu sein, kaum Mitsprache zu bekommen. Pro-Argument sei der Anschluss an den Nahverkehr.

Bedenken gab es auch wegen der noch ausstehenden Sanierungsprojekte: der Verbindungsstraße zwischen Wittenförden und Grambow und des Gemeindeteils Wodenhof. Iris Brincker, Leitende Verwaltungsbeamtin des Amtes Lützow-Lübstorf , stellte klar: „Beide Projekte sind derzeit zurückgestellt, aber keineswegs gestrichen.“

Hans-Martin Lösch vom Gut Grambow forderte eine Kommission, die sachlich alle Argumente für die drei Varianten sammelt. Auch mit Blick auf seinen eigenen Betrieb, der durch einen Kreis- und Amtswechsel, einschneidende Veränderungen hinnehmen muss, stellte er klar: „Ich laufe Sturm, wenn das Ganze nicht fundiert abläuft.“

„Welches Fusionsinteresse haben Brüsewitz und Wittenförden? “ war eine weitere entscheidende Frage. Manfred Dutz, Brüsewitzer Brügermeister, stellte klar: „Es geht mir um den Erhalt unserer Schule.“ Er sei zwar ein Gegner von großen Gemeinden, würde aber Grambow freundschaftlich aufnehmen. Grundsätzlich würde er sich wünschen, Grambow bleibe eigenständig und sprach den Gemeindevertretern Mut in Sachen Schuldentilgung zu. Alt-Bürgermeister Herbert Piotrowski berichtete von der Versammlung tags zuvor. Er plädiert für die Eigenständigkeit oder das Zusammengehen mit Brüsewitz.

Der Tenor der Versammlung blieb unentschieden, viele Fragen konnten gestellt und geklärt werden. Anfang Juli soll es noch einmal eine außerordentliche Sitzung für alle drei Varianten geben. Eine Entscheidung solle aber noch in diesem Jahr fallen, so Bürgemeister Andreas Possekel.

„Sorge ist unbegründet“

Bei der Einwohnerversammlung am Mittwochabend in Grambow war kein Vertreter der Wittenfördener Gemeinde anwesend. Auf Nachfrage der SVZ bezog Manfred Bosselmann Stellung. „Ich bin der Meinung, es sollte sich keiner von außen dazu äußern. Es liegt bei den Grambowern, was sie für ihre Gemeinde wollen.“ Außerdem sei er bereits bei der vergangenen Sitzung dabei gewesen und hat Wittenförderns Absichten klargestellt. Auch dazu gab er noch einmal Auskunft: „Wir wurden gefragt, ob wir fusionieren wollen. Wir haben das überprüft und entschieden, Grambow zu helfen. Wir sind beeindruckt, was Grambow in der vergangenen Zeit geschafft hat. Die Sorge, dass wir Grambow unterbuttern, ist unbegründet.“

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