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SVZ-Serie Weltkulturerbe : Gotteshaus und Kulturstätte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor. Teil 11: Schelfkirche

Die Schelfkirche ist der erste bedeutende Kirchenneubau in Mecklenburg nach der Reformation. Vor 303 Jahren wurde sie geweiht, seitdem finden regelmäßig Gottesdienste hier statt. Zur Gemeinde, deren Gebiet bis nach Medewege reicht, gehören heute etwa 1700 evangelische Christen. Doch die Schelfkirche ist noch mehr: Barockes Wahrzeichen des malerischen Stadtteils, erstklassiger Aussichtspunkt nach einer Turmbesteigung, Garnisonskirche, herzogliche Grablege, beliebtes Objekt für Künstler, Fotografen und Ansichtskartenproduzenten und natürlich ein begehrter Veranstaltungsort. Jazz-Nacht, Festspiele MV, Schlagersänger oder Schweriner Chöre schätzen den Ort – weil er eine ausgezeichnete Akustik hat und schön warm ist. 1992 wurde nämlich eine Gasheizung eingebaut. Die Kirche, die eigentlich „St. Nikolai“ heißt, ist gebaut wie ein griechisches Kreuz mit vier gleichlangen Armen und vorgesetztem West-Turm – ein seltener Grundriss.

Das heutige Gotteshaus hatte Vorgängerbauten, der früheste schriftliche Hinweis stammt aus dem Jahr 1217. Graf Heinrich I. von Schwerin stiftete im Jahre 1228 eine neue Kirche. Im 14. Jahrhundert gab es höchstwahrscheinlich Umbauten nach Vorbild der Gotik. Im 16. Jahrhundert verfiel St. Nikolai, wurde 1586 notdürftig saniert. Am 8. Dezember 1703 stürzte während eines Orkans der Turmhelm auf die Kirche. Bittere Diagnose: Ein Wiederaufbau lohnte nicht mehr, die Kirche wurde abgerissen. Doch schon zwei Jahre später verordnete Herzog Friedrich Wilhelm, die Schelfe zur Stadt auszubauen und eine neue Kirche zu errichten. 1708 wurde der Grundstein gelegt, die Pläne hatte Jacob Reutz gefertigt. Er starb 1710, Christoph Leonhard Sturm führte den Bau fort, der im September 1713 geweiht wurde. Von Beginn an war die Schelfkirche auch als Grablege der Herzöge vorgesehen – und wurde auch sofort gebraucht: Herzog Friedrich Wilhelm war im Alter von nur 38 Jahren und noch vor der Fertigstellung der Kirche am 31. Juli 1713 gestorben. Am 13. März 1714 wurde er in der Gruft unter dem Altar beigesetzt. Aber auch längst verstorbene Ahnen wurden jetzt von Bad Doberan nach Schwerin in die Gruft geholt. Bis ins Jahr 1813 setzte man hier Herzöge und Angehörige des Hauses Mecklenburg-Schwerin bei.

1858 ließ Friedrich Franz II. die Kirche renovieren. Emporen, die im Ursprungsentwurf nicht vorkamen, verschwanden wieder. „Es ging also ähnlich wie beim Schloss auch um denkmalpflegerische Fragen, die sich in einer Neuausstattung im italianisierenden Renaissancestil niederschlugen, der als passend zu den schlichten Formen des protestantischen Barocks empfunden wurde“, schreibt Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach in seinem Welterbe-Gutachten. „Diese Renovierung prägt bis heute den Innenraum der Kirche.“ Nnatürlich ist im Laufe der Zeit an verschiedenen Stellen wieder saniert worden. Die Orgel stammt von Friedrich Friese III, Taufstein und Altarbild schuf Gaston Lenthe, die Fenster mit Malereien Ernst Gillmeister. Die Turmuhr aus dem Jahr 1863 ist die älteste öffentliche Uhr der Stadt und wurde bis 2005 täglich von Hand aufgezogen.

Die Schelfkirche ist täglich von morgens bis abends offen. Kernöffnungszeit ist von 11 bis 16 Uhr. Turmbesteigung und Führung können mit dem Küster vereinbart werden.



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erstellt am 02.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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