Projekt in Vorbeck : Golfplatz will mit Natur punkten

<fettakgl>Wintereinbruch statt Frühlingserwachen auf dem Golfplatz:</fettakgl> 'So ist eben die Natur', betont Greenkeeper  Andy  Matzner. Jenny Elshout zeigt  auf die Dünen, in denen Uferschwalben ihre Höhlen gebaut haben. <foto>Werner Mett</foto>
Wintereinbruch statt Frühlingserwachen auf dem Golfplatz: "So ist eben die Natur", betont Greenkeeper Andy Matzner. Jenny Elshout zeigt auf die Dünen, in denen Uferschwalben ihre Höhlen gebaut haben. Werner Mett

Golf und Natur gehören zusammen. Deswegen nehmen die Vorbecker freiwillig an einem bundesweiten Projekt des Deutschen Golfverbandes teil und erarbeiten ein Umweltkonzept für das mehr als 200 Hektar große Areal.

svz.de von
14. März 2013, 09:30 Uhr

Vorbeck | Golf und Natur gehören zusammen. Das ist für Direktorin Jenny Elshout und ihre Mitstreiter auf der Anlage von Winston-Golf bei Vorbeck eine klare Sache. Doch wie bei so vielen Dingen, die selbstverständlich erscheinen, ist es gut, den Blick genau darauf zu richten und jemand von außen drauf schauen zu lassen. Genau das passiert jetzt in Vorbeck. Winston-Golf macht beim Projekt Golf und Natur mit. Das Umweltprogramm des Deutschen Golfverbandes will Tipps und Anleitungen für eine umweltgerechte und wirtschaftliche Zukunft von Golfanlagen sowie für die Verbesserung der Spielbedingungen geben. Das Projekt ist zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz, dem Greenkeeper Verband Deutschland und der Universität Hohenheim entstanden. Bislang konnten schon mehr als 100 Golfplätze in Deutschland mit Zertifikaten sowie einer bronzenen, silbernen oder goldenen Plakette ausgezeichnet werden.

"Wir stehen aber erst ganz am Anfang", unterstreicht Andy Matzner, der Greenkeeper betreut das Projekt in Vorbeck. Doch Direktorin Jenny Elshout freut sich, dass Winston-Golf schon jetzt die Fachleute vom Bundesgolfverband überzeugen konnte. "Uns wird bereits im Frühjahr die Bronze-Plakette verliehen - nur nach einer Auflistung des Ist-Zustandes und eines ersten Besuches bei uns in der vorigen Woche." Bronze ist das Edelmetall für Anfänger, die die Bedingungen erfüllen. Silber und Gold gibt es erst, wenn ein Golfplatz länger dabei ist und den größtmöglichen Schutz von Natur und Umwelt immer wieder nachweist. Alle zwei Jahre findet eine Überprüfung statt.

Überzeugen konnte Winston-Golf vor allem mit seiner Einbindung in die Endmoränenlandschaft Mecklenburgs. "Hier ist es wunderschön", sagt der aus Bayern stammende Andy Matzner. Er ist seit dem Herbst damit beschäftigt, Flora und Fauna auf dem 202 Hektar großen Areal zu erfassen. "Dabei kommen mir Tiere und Pflanzen vor die Kamera, die auch ich nicht sofort erkenne. Das trifft besonders auf die Amphibien zu." Für Artenvielfalt auf dem Golfplatz sorgen vor allem zwei unterschiedliche Lebensräume: Sölle und Magerrasen-Wiesen. Diese gilt es zu erhalten. Und manchmal ist dabei weniger sogar mehr. "Auf unserem Golfplatz müssen nur 20 Prozent der Fläche intensiv gepflegt werden: die Spielbahnen", erläutert der Greenkeeper. Der größte Teil der 202 Hektar wird nur extensiv gepflegt oder bleibt komplett naturbelassen. In diesen Bereichen wollen die Vorbecker in Zukunft eher einmal auf einen Rasenschnitt verzichten. Gerade die Trockengräser können sich so auf natürliche Art und Weise weiter ausbreiten, betont Matzner. "Und nicht nur die Natur profitiert", ergänzt Jenny Elshout. "Wir sparen Sprit und können insgesamt unsere Betriebskosten ein bisschen senken."

Zu den Bereichen, die nicht angetastet werden, gehört ein Dünenabschnitt auf dem 2010 geschaffene Winston-Linksplatz. Auf der 18-Loch-Anlage können sich die Golfer wie am Ursprungsort ihres Sportes fühlen: in den schottischen Dünen. Dass auch die heimische Natur damit klarkommt, zeigte sich bereits beim Bau. Uferschwalben entdeckten die aufgeschütteten Dünen sofort als Brutplatz. Die Kolonie wächst, Nisthöhlen sind inzwischen auch an anderen Stellen der Golfplatzes zu finden.

Auf besondere Tiere und Pflanzen sowie auf die Landschaftsformen sollen in Zukunft Informationstafeln hinweisen. Gleichzeitig wird überlegt, wie die Artenvielfalt noch erhöht werden kann. Streuobst-Wiesen oder Feldstein-Haufen könnten weiteren Tierarten Lebensraum bieten. "Wir gucken, wo und wie wir so etwas anlegen können", sagt Jenny Elshout. Zum Projekt Golf und Natur gehört aber noch mehr. Arbeitssicherheit, Unfallverhütung, Ressourcenschonung und Nutzung von umweltfreundlichen Energien. "Auch da haben wir schon einiges vorzuweisen und noch weitere Ideen", berichtet Jenny Elshout. Beispiel Bewässerung: Die Beregnungsanlage auf dem Golfplatz wird mit Wasser aus zwei extra angelegten Teichen gespeist, die Regen- und anderes Oberflächenwasser aufnehmen, erläutert Andy Matzner. Und das Golfhaus wird bereits jetzt mit Erdwärme geheizt. Vorstellbar wäre zudem, dass in Zukunft die Golfcars mit Sonnenstrom laufen, der von Kollektoren auf dem Autodach hergestellt wird. Nachhaltigkeit muss zudem nicht immer nur technischer Natur sein. Winston-Golf will noch in diesem Jahr damit beginnen, Fachkräfte für die Grünpflege selbst auszubilden. "Auch das dient dazu, das hohe Niveau nicht nur zu halten, sondern auszubauen", fasst Jenny Elshout zusammen.

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