Schweriner Schätze heben : Goldgräber im Foto-Archiv

„Dies ist eine hervorragende Gelegenheit, die immer mehr gestrig verhandelte Volkskunde etwas dichter ans Heute zu rücken“, erklärt Volke Janke seine Freude übers neue Archiv.
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„Dies ist eine hervorragende Gelegenheit, die immer mehr gestrig verhandelte Volkskunde etwas dichter ans Heute zu rücken“, erklärt Volke Janke seine Freude übers neue Archiv.

Volkskundemuseum Mueß wird 300 000 Bilder vom medienhaus:nord jetzt digitalisieren, sortieren und neu verpacken

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09. August 2016, 09:00 Uhr

Das größte Bildarchiv des Landes gehört jetzt dem Volkskundemuseum in Mueß. Nach einem Überlassungsvertrag mit dem medienhaus:nord kommen 300 000 zu den bereits vorhandenen 70 000 Fotos hinzu. Volker Janke vom Museum ist aktuell dabei, das Archiv im Keller in der Gutenbergstraße 1 möglichst schonend zu verpacken und mitzunehmen. „Zuerst kommt es in die Lortzingstraße“, sagt der Volkskundler und Foto-Fan. Mittelfristig soll direkt in Mueß ein neues, modernes Archiv entstehen.

Die Foto-Menge, die Janke entgegennimmt, ist nicht nur beeindruckend, sondern auch ein wenig beängstigend. Eingeteilt sind sie zurzeit in 13 verschiedene Kategorien, wie Kultur, Sport, Tiere, Länder, Kultur, Mecklenburg-Vorpommern, Unsortiertes oder Orte. „Da kommt Antwerpen vor Banzkow, ein bunter Querschnitt durch die ganze Welt“, sagt Janke. Mit 70 000 Bildern führen „Personen“ das Ranking der Kategorien an. Das älteste Foto stammt aus dem Jahr 1890. Zum Archiv gehören also auch Fotos aus Zeiten, als es die SVZ noch gar nicht gab. Und später viele ADN-Bilder, die zwar aufbereitet, ohne besondere Genehmigung aber nicht verwendet werden dürfen. Negative gehören übrigens nicht zur Sammlung. „Das ist gut, denn es gibt alte Materialien, die sich bei 30 Grad selbst entzünden“, erzählt Volker Janke.

Er wird jetzt die riesige Bildersammlung digitalisieren, inventarisieren und archivieren. Für zehn Prozent des Bestandes braucht er allein schätzungsweise zehn Jahre. Eine Sisyphusarbeit, weil Janke das bis zum Rentenalter nicht komplett schaffen kann? Vielleicht, aber Volkskundler sind langmütig, neugierig und begeisterungsfähig. „Es ist wie ein Steinbruch mit einer Goldmine“, beschreibt Janke seine neue Aufgabe. Oder auch: „Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile.“ Wenn man beispielsweise ein Motiv in verschiedenen politischen Epochen zeigt, würden plötzlich ganz neue Geschichten erzählt. Eine erste Ausstellung hat Volker Janke aus dem Archiv zusammengestellt, „Der offizielle Blick – Bildjournalismus und sein regionalgeschichtlicher Wert“ heißt sie, ist bis Oktober im Kunstkaten im Freilichtmuseum zu sehen. Sie macht am Beispiel Lenindenkmal in der Plater Straße klar, wie unterschiedlich konzipierte Fotos dieselbe Sache in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen können. „Fotografie ist höchst manipulativ“, sagt Janke. Ein Bild entstünde meist vor dem Auslösen – im Kopf des Fotografen.

Auf die Frage, wie er auf die Zusammenstellung kam, sagt Volker Janke lächelnd: „Da habe ich einfach in die Kiste gegriffen.“ Denn die eigentliche Archivleistung beginnt erst jetzt. Die meisten Bilder stecken in aufgeschnittenen Briefumschlägen – als Stapel aus unterschiedlichen Materialen, zum Teil mit Klebezetteln versehen. Für Konservatoren ein Bild des Schreckens. Wird jedes Foto regelgerecht in entsprechendes Papier eingeschlagen und bei richtiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit gelagert, rechnet man übrigens mit einem Erhaltungsaufwand von zwei Euro pro Stück.

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