Seit 20 Jahren: : Gnevener haben Herz für Frösche

Verschnaufpause muss sein: Mit Harke und Spaten haben die Helfer, hier nur einige von ihnen, den Froschzaun an der Kreisstraße bei Gneven gesäubert. Fotos: Heidrun Pätzold (2)
1 von 2
Verschnaufpause muss sein: Mit Harke und Spaten haben die Helfer, hier nur einige von ihnen, den Froschzaun an der Kreisstraße bei Gneven gesäubert. Fotos: Heidrun Pätzold (2)

Vor Beginn der Krötenwanderung zum Laichplatz säubern die Naturschützer den Zaun an der Kreisstraße – und das seit 20 Jahren

23-11368214_23-66108343_1416393103.JPG von
01. März 2015, 23:22 Uhr

Zwei Grad plus zeigt das Thermometer an. Die Naturschützer an der Kreisstraße bei Gneven kommen trotzdem ins Schwitzen. Sie legen den 650 Meter langen Froschzaun frei: harken Laub, beseitigen störendes Gehölz, setzen die Eimer ins Erdreich ein. In diese Behälter sollen die Frösche später auf ihrem Weg zum Laichplatz plumpsen. Sie werden dann per Hand eingesammelt, über die Straße getragen und im gegenüberliegenden Waldstück wieder ausgesetzt. So kommen die Frösche sicher zu ihrem Laichplatz.

Seit 20 Jahren machen das die Gnevener und Vorbecker schon so. „Bei uns werden die Frösche auf Händen getragen“, sagt Matthias Bohs lachend, meint es damit aber durchaus ernst. In den ersten Jahren nach der Wende seien viele Frösche auf der Straße gestorben. Sie wurden bei ihrer Laichwanderung, die über die Straße führt, von Autos überfahren. Mit dem neuen Wohngebiet in Gneven und dem Zuzug zahlreicher Familien nahm auch der Autoverkehr zu. Erheblich. „Wir wollten etwas gegen das Fröschesterben tun“, blickt Matthias Bohs zurück, der seit 1995 in Gneven wohnt. Und so gründeten zwei Familien, beide der Natur sehr verbunden, die Interessengemeinschaft Amphibienzaun Gneven. Matthias Bohs gehörte dazu. Im Laufe der Jahre stießen weitere Familien hinzu. Heute sind es 17, die sich im zeitigen Frühjahr um den Froschzaun kümmern. Mit dabei sind zum Beispiel die Familien Dierkes, Rambow, Gräber, Schneider, Behnke, Schumacher, Neben, Heinke, Bickel, Schröder, auch Gazioch aus Pinnow. Anfangs war es eine schwierige Arbeit, erinnert Bohs. „Wir hatten einen mobilen Froschzaun.“ Der musste zuerst aufgebaut, dann wieder abgebaut und eingelagert werden. Es war auch mühevolle Handarbeit, an die 350 Pfähle in den Boden zu schlagen, die Folie zu spannen, 30 Eimer einzugraben, den Zaun täglich abzugehen und die gesammelten Frösche auf die andere Straßenseite zu bringen. Letzteres ist auch heute noch so. Seit 2010 aber steht nun ein fester Zaun auf beiden Straßenseiten. „Das erleichtert unsere Arbeit für den Naturschutz erheblich“, sagt Matthias Bohs, der gemeinsam mit seiner Frau Edeltraud die Interessengemeinschaft leitet. Das Straßenbauamt Schwerin hatte die stationäre Anlage als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der A 14 errichten lassen – für 100 000 Euro.

Dass anfangs und vielleicht heute noch einige Menschen die Gnevener Frosch-Helfer belächeln, weiß Bohs. Ihn und die anderen stört es nicht. „Der Naturschutz ist uns wichtiger.“ In den 20 Jahren haben sie immerhin an die 20 000 Frösche über die Straße getragen. Nach jeder Saison lädt Bohs alle Helfer zu einem Dankeschön-Fest ein. In diesem Jahr, zum 20-jährigen Jubiläum, steuert die Gemeinde auch Geld für das Fest bei, das diesmal wohl etwas größer ausfallen wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen