zur Navigation springen

Weinbergschule wird 25 : Glücklich ohne Leistungsdruck

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

An der Weinbergschule fühlen sich Kinder mit geistigen Entwicklungsverzögerungen und auch ihre Eltern sehr gut aufgehoben

svz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 16:00 Uhr

Charlotte lernt langsamer als andere Kinder. Einige Jahre besuchte die Elfjährige eine ganz normale Grundschule – und war dort sehr unglücklich. „Charlotte kam mit dem Druck nicht klar“, sagt ihr Vater Mark Steffens. Wenn er anderen Eltern von den Problemen mit Charlotte zu Hause erzählte, dann winkten die ab: Ja, ja, hätten sie alles schon selbst erlebt, das vergehe von selbst wieder. Aber die Probleme vergingen nicht. Charlotte leidet nämlich „unter einer Form von Epilepsie“, wie ihr Vater formuliert. Seit einiger Zeit besucht das Mädchen die Weinbergschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Seine Tochter sei wie ausgewechselt, ein glückliches Kind, erzählt Mark Steffens. Und auch er selbst fühlt sich bei den speziell geschulten Lehrern und den Eltern mit ähnlichen Problemen gut aufgehoben. Klar, dass er beim Festakt zum 25. Geburtstag zusammen mit vielen anderen die Schule feierte.

„Wir profitieren auch von den Erfahrungen der Eltern von größeren Kindern und Ehemaligen“, sagt Steffens. Von ihnen gibt es unter anderem Tipps für die unzähligen Ämtergänge, zum Beispiel für Pflegegeld, Fahrdienst oder Schwerbehindertenausweise. „Wir müssen wahnsinnige behördliche Hürden überspringen, obwohl man eigentlich meinen sollte, dass wir zu Hause mit unseren Kindern schon genug zu tun haben“, sagt er. „Hier an der Schule gibt es einen großartigen Brainpool, der uns allen sehr hilft.“ Stefan Manske berichtet sogar, dass sein Sohn an der Schule durch gezieltes Schwimmtraining seine Bewegungsstörungen verloren habe – Ärzte hatten das vorher nicht für möglich gehalten. Auch thematische Elternabende bietet die Schule an, zum Beispiel: Wie weiter nach der Schule – erster Arbeitsmarkt oder Werkstätten?Aus diesen und vielen weiteren Gründen fühlen sich die Eltern der Weinbergschule sehr wohl in der Einrichtung, die sich in Trägerschaft des Diakoniewerks Neues Ufer befindet.

91 Kinder lernen dort in elf Klassen. Geöffnet ist täglich von 7 bis 16.30 Uhr. Etwa 40 Lehrer, Unterrichtshelfer, Betreuer, Integrationshelfer, Haushälterin und Hausmeister kümmern sich um die Schüler. Einige von ihnen sind wie Charlotte – ihre Lernschwierigkeiten fallen auf den ersten Blick kaum auf. Andere sind schwerst mehrfachbehindert, fast in jeder Klasse gibt es ein Kind im Rollstuhl. „Zu uns sind gerade zwei Kinder aus Syrien gekommen, sieben und neun Jahre alt, die sich auf dem Entwicklungsstand von Babys befinden“, berichtet Schulleiterin Sandra Borchert. Wahrnehmungsanreize bekommen sie, müssen mehrmals täglich umgelagert werden – viel mehr kann die Schule zurzeit noch nicht für die kleinen Flüchtlinge tun.

Sandra Borchert ist nach Gründerin Margit Diehl und Eike Lüders die dritte Schulleiterin in 25 Jahren Weinbergschule. „Es ist toll zu erleben, wie aus kleinen Erstklässlern, die noch ganz viel Unterstützung benötigen, junge Erwachsene werden, die schon viele alltägliche Dinge selbstständig bewältigen können“, schreibt sie in der Festschrift zum Jubiläum. „ Liebevolle, konsequente und auf größtmögliche Selbstständigkeit zielende Förderung aller Schüler steht immer im Mittelpunkt unserer Arbeit.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen