Baudebatte Schwerin : Glaspalast an der Graf-Schack-Allee?

Sahnestück an der Schlosspromenade: Diese Lücke soll neu bebaut werden, aber über die passende Architektur für diese Stelle sind sich Experten und Stadtpolitiker uneinig.
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Sahnestück an der Schlosspromenade: Diese Lücke soll neu bebaut werden, aber über die passende Architektur für diese Stelle sind sich Experten und Stadtpolitiker uneinig.

Bauausschuss erteilt erstem Entwurf für Wohn- und Geschäftshaus eine Abfuhr

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05. September 2015, 16:00 Uhr

Eine Baulücke gibt es noch in der Graf-Schack-Allee. Die Projektentwickler von Rentamed aus Wriezen bei Berlin wollen dort mehr als zwei Millionen Euro investieren und ein Wohn- und Geschäftshaus mit 600 Quadratmeter Fläche bauen – ein vierstöckiger Kubus mit Glas und Flachdach: 21. Jahrhundert statt Gründerzeit, modern statt historisierend, so wie es die Schweriner Charta für Baukultur wünscht. Diesem Vorschlag legte der Bauausschuss am Donnerstagabend aber einen Stein in den Weg. Die beantragte Ausnahmegenehmigungen für Flachdach und vier Geschosse wurde nicht erteilt.

Das beauftragte Architekturbüro „Jäger+Jäger“ ist überrascht von der Entscheidung. Schließlich habe der Gestaltungsbeirat am Entwurf mitgearbeitet und die Denkmalpfleger von Stadt und Land hatten Dach und Traufhöhe zugestimmt. Dass ein politisches Gremium das nun anders sieht, sei schwer nachzuvollziehen. „Wir versuchen das Votum zu verstehen und werden dann mit dem Dezernat eine Abstimmung suchen“, sagte Architekt Burkhard Rabe. Eine Baugenehmigung für das Areal läge übrigens schon vor. Der vorherige Eigentümer plante aber ein unauffälliges Haus. „Der neue Investor wollte hochwertigere Architektur und hat sich auf den langen Weg gemacht, etwas Neues zu wagen.“ Ein gutes Gebäude sei Ausdruck des soziokulturellen Lebens seiner Zeit. Dass die Menschen heute anders wohnen und leben als vor 150 Jahren soll mit den Formen und Linien gezeigt werden.

Bauausschussvorsitzender Dr. Hagen Brauer hatte die Diskussion um das Gebäude noch einmal auf die öffentliche Tagesordnung gesetzt. „Solch ein Solitärbau stört den harmonischen Gesamteindruck“, findet er und plädiert für einen Architektenwettbewerb. „Das haben wir in Schwerin schon an weniger zentralen Orten getan.“ Baudezernent Bernd Nottebaum und Dr. Günter Reinkober vom Bauamt hielten das für unnötig. Bevor das Amt nämlich eine Baugenehmigung erteilt, werde ohnehin das Icomos-Gutachten abgewartet, das die Unbedenklichkeit für Schwerins Welterbe-Bewerbung bescheinigen und in wenigen Wochen eintreffen soll.

Investor Rentamed ist in Schwerin übrigens kein Unbekannter: Das Unternehmen sanierte die Poliklinik Schelfstadt und das Ärztehaus Weststadt.

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