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24. Oktober 2017 | 11:53 Uhr

Girls Day: Reine Mädchensache

vom

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erstellt am 14.Apr.2011 | 07:19 Uhr

Schwerin | Anvisieren, zielen und abdrücken - Jule steht am Geschwindigkeitsmessegerät und richtet den Laser auf die Nummernschilder vorbeifahrender Autos. "Gib Dauerfeuer", sagt Kommissarin Susanne Döring. "Siehst Du, es klappt." Die 16-Jährige strahlt. Als Polizeibeamtin für einen Tag sah sie bereits die Waffenkammer und einige Zellen der Schweriner Polizei von innen - nicht alltägliche Einblicke.

Mit dem Girls Day will der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB) Mädchen an Männerberufe heranführen. Mehr als 350 Schülerinnen aus Schwerin machten gestern bei 44 Veranstaltungen mit. "Unternehmer müssen umdenken", sagt DGB-Projektleiter Rüdiger Dohse.

"Viele Mädchen stecken die Jungs in die Tasche", sagt Uwe Balscheit. Der Ausbilder für Metallberufe der Handwerkskammer Schwerin beobachtet seit Längerem, wie Mädchen immer mehr "ihren Mann stehen". Viele seien zielstrebiger und konzentrierter als Jungs. Einige Türen weiter macht Maler-Ausbilder Manfred Retzlaff ähnliche Beobachtungen: "Die Mädchen haben eine hohe Fingerfertigkeit." Während Marie-Louise ihren Malerschlumpf als erste fertigstellt, erzählt die Zwölfjährige, dass für sie nur ein handwerklich-kreativer Beruf in Frage kommt. "Der muss mir ja ein Leben lang Spaß machen", sagt sie. Das Malern und Lackieren sei es sehr wahrscheinlich nicht. "Das reicht mir nicht", sagt sie. Auch eine Erfahrung, die Mädchen beim Girls Day machen.

Der Ausbildungsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern hat sich laut DGB Nord in den vergangenen Jahren gewandelt. "Es gibt zu wenig Jugendliche auf dem Markt, viele gehen in andere Bundesländer", erzählt Dohse. Unternehmen müssten sich anstrengen, um künftige Fachkräfte im Nordosten zu halten. Der Girls Day schlägt mehrere Brücken zwischen weiblichem Nachwuchs, Männerberufen und potenziellen Ausbildungsbetrieben. "In lockerer Atmosphäre erhalten die Mädchen einen Einblick in Berufe der Männerdomäne", sagt Dohse.

Unterdessen schleift Katja in der Handwerkskammer kleine Holzscheiben als Spielfiguren für ihr selbst gemachtes Dame-Brett. Ihre Gruppe ist mit sechs Mädchen im Vergleich zu anderen klein. "Holzarbeiten sind nicht so beliebt", sagt die Zwölfjährige. Aber irgendwie sei es doch "ihr Ding", erzählt sie und wendet sich wieder ganz der Schleifarbeit zu.

Auf dem Großen Dreesch machen sich Wiebke, Anne und Jule mit Kommissarin Döring auf den Rückweg in die Polizeiinspektion. Dort warten bereits zwei Polizeihunde auf die 16-Jährigen. "Die Ausbildung bei der Polizei ist vielfältig", sagt Sprecher Jens Minzlaff. Die Grundausbildung bei der Polizei dauert in MV zwei Jahre. Danach spezialisieren sich die meisten Absolventen. Die Frauenquote ist nach Einschätzung von Minzlaff allerdings immer noch sehr gering.

Veranstaltungen wie der Girls Day setzen dort an und versuchen, junge Frauen frühzeitig für typische Männerberufe zu begeistern. "Wir haben eine gute Landung hingelegt", sagt Dohse vom DGB. Er hofft, dass der Jungstag MV am 5. Oktober eine "ebenso runde Nummer wird".

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