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Zeitung für die Landeshauptstadt

26. September 2017 | 04:09 Uhr

Giftalarm auf dem Marienplatz

vom

svz.de von
erstellt am 11.Jun.2013 | 07:41 Uhr

Schwerin | Jahr für Jahr werden in der Landeshauptstadt etwa 150 Bäume gepflanzt. Linden, Kastanien, Ahorn oder Ulmen sind darunter. Einige der ausgewählten Arten sind aber nicht Ohne. Wie auf dem Marienplatz. Einziges Grün auf der großen gepflasterten Fläche im Zentrum der Stadt sind drei Japanische Schnurbäume. Deren Rinde und die Samen sind stark giftig. Die Symptome: Übelkeit, Erbrechen, krampfartige Magenschmerzen und Durchfall. Bei starker Giftaufnahme kann sogar der Tod eintreten.

Ähnlich ist es auf dem Bertha-Klingberg-Platz. Dort wurden zur Bundesgartenschau knapp 200 Robinien gepflanzt. Alle Teile dieser Bäume - Rinde, Blätter und Samen - gelten als stark giftig. Innerhalb einer Stunde nach dem Verzehr kann es zu krampfartigen Zuckungen, zu Erbrechen und Schlafsucht kommen. Dazu kommt, dass die Pollen zwar nur kurze Strecken fliegen, aber Heuschnupfen auslösen können.

Von 2005 bis 2012 wurden im Stadtgebiet auch knapp 100 Birken gepflanzt. Die sind zwar nicht giftig, aber ihre Pollen sind hoch allergen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Hälfte aller Menschen mit einer Pollenallergie auf Birkenpollen reagieren.. Das aber spielt bei der Auswahl der Arten, die in Schwerin gepflanzt werden keine Rolle. "Die Birke ist ein dankbares Gehölz", sagt Axel Klabe, stellvertretender Werkleiter der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS). "Trotz der hohen allergenen Belastung wird nicht auf solche Bäume verzichtet." Dafür gibt es auch keine Vorschriften, Richtlinien oder Empfehlungen. "Die Auswahl, welche Bäume oder auch Sträucher wo gepflanzt werden, richtet sich in erster Linie nach Gestaltungswünschen und Standortbedingungen", so Klabe. Deshalb auch die Schnurbäume auf dem Marienplatz. Sie kommen mit den Bedingungen dort am besten klar. "Die Deutsche Eiche würde da sehr schnell eingehen."

Auf dem Bertha-Klingberg-Platz wurden die Robinia pseudoacacia frisia nicht nur wegen der Standortbedingungen gepflanzt. Der Planer legte vor allem Wert auf ihre hellgrüne Blattfarbe. "Die Giftigkeit spielte keine Rolle", sagt Axel Klabe, der bei der Bundesgartenschau als Projektmanager arbeitete.

Ein Sonderfall sind Kinderspielplätze oder Kindereinrichtungen. "In der Nähe dürfen giftige Bäume und Sträucher nicht gepflanzt werden", so der SDS-Experte. Eiben oder Goldregen sind absolut tabu. Sollen doch bereits vier Nadeln der Eibe für ein Kleinkind tödlich wirken. "Deshalb wird bei jeder Baumpflanzung geprüft, ob eine Kindereinrichtung in der Nähe ist", sagt Klabe. Ist das nicht der Fall, also im so genannten öffentlichen Raum, wird gepflanzt, was passt. Dann obliegt es den Eltern, auf ihre Kinder zu achten, damit sie nicht jeden Samen in den Mund stecken.

Nicht giftig und auch nicht allergen wirkt der Weißdorn, der 45-mal unter anderem an der Schweriner Straße in Wüstmark gepflanzt wurde. Seine Früchte werden sogar zu Kompott und Marmeladen verarbeitet und die Pflanze findet in der Medizin bereits seit dem ersten Jahrhundert nach Christi Verwendung als Medikament gegen Nervosität oder niedrigen Blutdruck. Und trotzdem kann der Weißdorn als unangenehm empfunden werden. Denn nach dem Deutschen Arzneibuch riechen seine Blüten auffällig nach Mäuse-Urin.

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