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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 11:25 Uhr

Unglaublich : Gift im Wasser: Bürger ahnungslos

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stadt verheimlicht Arsenfund im Grundwasser der Schelfstadt – der Wert ist fünffach höher als der Schwellenwert zur Norm

von
erstellt am 11.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Arsen – das farblose Gift ist  im Grundwasser in der Jahnstraße gefunden worden. Der gemessene Wert soll nach SVZ-Recherchen bei 300 Mikrogramm pro Liter liegen. Erlaubt sind höchstens 60 Mikrogramm.

Im Hinterhof der Jahnstraße 11 bis 13 wurde vor einigen Wochen eine Brunnenbohrung vorgenommen. „Mehrmals war eine Firma hier. Ich habe gesehen, dass sie hier bohrten“, erzählt eine Bewohnerin aus der Jahnstraße. Was genau, warum und auf wessen Anweisungen  die Bohrungen vorgenommen wurden, weiß sie nicht. Informiert wurde niemand.  Eine weitere Anwohnerin berichtet: Sie habe mit einem der Männer gesprochen, die die Arbeiten vornahmen. „Das Grundwasser soll verschmutzt sein, hieß es“, erinnert sie sich. „Er sagte, dass es immer noch durch die alte Galvanik komme.“ Mehr erfuhr aber auch sie nicht.

Die stark überhöhten Arsen-Werte müssen schon eine Zeit bekannt sein, denn auf der Ortsbeiratssitzung am 6. Mai wurde darüber gesprochen. Nur hat die Stadt bis heute versäumt, die Schweriner zu warnen.

Erst eine SVZ-Anfrage bei der Stadt brachte heute  etwas mehr Klarheit. „Die Grundwassermessstelle wurde zur Überwachung der Abstromfahne der alten Galvanik errichtet“, teilte eine Stadtsprecherin mit. „Es wurde ein Arsen-Wert von 303 Mikrogramm pro Liter ermittelt.“ Die städtischen Behörden seien Ende April darüber  informiert worden. Es handele sich um den   bisher einzigen so hohen Wert im Sanierungsgebiet der Galvanik, betont sie. Alle anderen zwischen 1992 und 2015  gemessenen Werte  seien unauffällig oder nur vereinzelt leicht erhöht gewesen. Laut Gutachter sei  unwahrscheinlich, dass der  Ursprung ausschließlich auf dem Gelände der alten Galvanik  sei. Die hohen Arsen-Werte könnten durch „Auslaugung von hausmüllartigen Verunreinigungen in Auffüllungen   vergangener Jahrzehnte“ entstanden sein, wie sie  an früheren Messstellen am Parkplatz  Grüne Straße angetroffen wurden.   „Die Arsen-Belastung wird jetzt behördlich  überwacht. Sollte sich der Wert durch weitere Proben bestätigen, werden Maßnahmen eingeleitet“, so die Stadt.  Das Grundwasser sei übrigens auch auf Chrom- und Nickel-Belastungen  untersucht worden, die Werte  seien aber unauffällig.

Welche Gefahren bestehen für die Anwohner? „Für die Anwohner bestehen keine Gefahren, so lange kein Kontakt mit dem Grundwasser besteht“, so die Stadtsprecherin. Und  für dessen Nutzung sei eine Genehmigung erforderlich. Und wie steht es, wenn Anwohner Gemüse anbauen wollen? Durch den zuständigen Gutachter sei festgestellt worden, dass eine Torfschicht das Arsen zu mehr als 93 Prozent zurückhält und somit nur ein unschädlicher Teil in den Oberboden  gelangen kann, so die Stadt.

 

Kommentar der Autorin:

Wieder zum Narren gehalten

Wieder einmal wurden Informationen zurückgehalten. Wieder einmal sind es die Schweriner, die in der Zeitung lesen müssen, was vor ihrer eigenen Haustür vor sich geht. Wieder einmal werden sie zum Narren gehalten. Und wieder einmal haben wir erst auf unser Recht pochen müssen, Fragen zu stellen.  Es wird versucht, Zeit zu gewinnen. Doch Zeit hatte die Stadt genug. Selbstverständlich müsste sein, dass die Anwohner rechtzeitig informiert werden. Gerade wenn es um die Gesundheit geht.

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