Seehofer Senioren : Gesunder Humor im Seehofer Pflegeheim

Ein bisschen Spaß muss sein – und wenn es viel Spaß sein soll, dann kommen die Klinikclowns Lolle (l.) und Kiki. Für die 92-jährige Gertrud Lemke ist das eine willkommene Abwechslung vom Alltag im Wohn- und Pflegezentrum Seehof.
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Ein bisschen Spaß muss sein – und wenn es viel Spaß sein soll, dann kommen die Klinikclowns Lolle (l.) und Kiki. Für die 92-jährige Gertrud Lemke ist das eine willkommene Abwechslung vom Alltag im Wohn- und Pflegezentrum Seehof.

Komisch, spontan und offenherzig: Klinikclowns Kiki und Lolle sorgen in Seehofer Einrichtung für viele unbeschwerte Momente

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22. März 2016, 12:00 Uhr

„Horcht, was kommt von draußen rein“, hallt es durch das Foyer. Reingekommen sind Kiki und Lolle und mit ihnen eine Ukulele, ein kleiner Koffer und eine große Portion Humor. Josef Mohorn fährt mit seinem Rollstuhl an der Rezeption vorbei und näher an die Eingangstür heran. „Das sind die Clowns“, sagt er. „Wenn die Clowns kommen“, weiß er, „dann wird es immer lustig“. Josef Mohorn ist 87 Jahre alt und lebt im Wohn- und Pflegezentrum Seehof. Mit dem Laufen, das klappt bei ihm nicht mehr so richtig. Mit dem Hören, das war früher auch viel besser. Sprechen, das funktioniere noch, sagt er. „Und singen“, betont er. „Was singen wir denn?“, fragt Kiki, rückt ihre rote Clownsnase zurecht, baut sich keck vor ihm auf, greift seine Hände und wiegt sie im Takt zu einer Melodie, die hier alle von Kindesbeinen auf kennen: Der Mai ist gekommen. „Aber der ist doch noch gar nicht gekommen“, sagt Rentner Mohorn mit gespielter Entrüstung und grinst verschmitzt. Er weiß genau, welcher Tag heute ist, welcher Monat, welches Jahr. Viele von den 67 Bewohnern wissen das nicht mehr genau.

Kiki und Lolle gehen von Flur zu Flur, bleiben bei den Senioren stehen, drücken sie, spielen mit ihnen. Im Koffer sind bunte Tücher, eine Spielzeugtrompete und sonstige Utensilien, mit denen sich Schabernack treiben lässt. Die, die bettlägerig sind, besuchen die Clowns in ihren Zimmern. Sie laden ein zu träumen und zu lachen, zu staunen und zu singen. Und sie laden ein, sich zu erinnern an eine Zeit, die bei vielen in Vergessenheit geraten ist. Ein Clown, frech und unkonventionell. Das ist Zirkus, das ist Fantasie. Ein Clown, unbekümmert und verspielt. Das ist Kindheit.

Kiki und Lolle – dahinter stecken Kerstin Daum und Andreas Gottschalk. Beide sind 50 Jahre alt, sie ist gelernte Erzieherin und freiberuflicher Clown, er arbeitet als Sozialpädagoge in der Behindertenhilfe und ist freiberuflich als Zirkus- und Theaterpädagoge tätig. Beide gehören zum achtköpfigen Team der „Rostocker RotzNasen – Klinikclowns im Einsatz“. Einmal im Monat kommt das Duo Kiki und Lolle nach Seehof. „Uns macht das unheimlich Spaß. Wir lernen Menschen kennen und können unsere Kunst ausleben“, sind sich die Zwei einig.

Die Clowns begegnen den Bewohnern wertfrei, respektvoll und neugierig. Sie sind spontan, offenherzig und inspirierend. Wie wichtig das für die Menschen in seiner Einrichtung ist, weiß Wohn- und Pflegezentrums-Leiter Martin Franz: „Clowns wecken und fördern den Zugang von Senioren zu emotionalen und kommunikativen Ressourcen.“ Dies gelte, so Franz, besonders für Menschen mit altersbedingten Denk- und Gedächtnisstörungen oder Demenz. „Und der Besuch wirkt bei den meisten Bewohnern noch lange nach“, hat der 54-Jährige beobachtet.

Kiki und Lolle singen und albern sich derweil über die Flure der ersten Etage. Dort sitzt Gertrud Lemke. Sie ist Jahrgang 1923 und seit 18 Jahren in der Pflegeeinrichtung. Die beiden Clowns nehmen sie in die Mitte. Ein Küsschen auf die Wange von links, ein Küsschen von rechts. Die Clowns sind nahbar. Gertrud Lemke auch. Die Clowns haben das richtige Gespür, wie weit sie gehen können. Lolle flirtet mit den alten Damen, Kiki schmollt. „Schuld war nur der Bossa Nova“, singt Lolle. „Haste gut gemacht“, lobt ihn Gertrud Lemke salopp. „Bis bald“, sagen die beiden Clowns und verabschieden sich. Im April wollen sie wiederkommen – mit Ukulele, einem kleinen Koffer und einer großen Portion Humor.

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