Kantinenessen : Geschmack hat einen Mindestpreis

Hier schmeckt es auch den Chefs: Wolfgang Höfer und sein Marketingmanager Mark Einbeck lassen sich von Hannelore Wolf (v.r.) das Mittagessen reichen.
Hier schmeckt es auch den Chefs: Wolfgang Höfer und sein Marketingmanager Mark Einbeck lassen sich von Hannelore Wolf (v.r.) das Mittagessen reichen.

Bis zu 6500 Essenportionen liefert die UWM Catering und Logist am Tag aus – nicht nur Abonnenten können jederzeit die Qualität prüfen

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19. Januar 2016, 16:00 Uhr

Wie sein Geschäft funktioniert, suggerieren TV-Sendungen auch gern zur besten Sendezeit am Abend. Ob nun Restauranttester oder Kantinenprüfer – Wolfgang Höfer kennt alle Formate. Er guckt diese Sendungen sogar gelegentlich selbst. „Die Leute können sich das ruhig anschauen. Und vor allem sollten sie gut aufpassen“, sagt der Geschäftsführer von UWM Catering im Demener Ziolkowskiring. Denn wenn es um den Preis geht, würden die meisten Kunden nur den Betrag sehen, den sie bezahlen müssen. „Es soll immer billiger werden, dafür aber die Qualität steigen. So etwas kann nicht funktionieren“, betont der Kantinen-Betreiber. Und dabei stützt Höfer sich nicht nur auf sein Bauchgefühl: „Professorin Ulrike Arens-Azevedo zählt zu den renommiertesten Ernährungswissenschaftlern in Deutschland und ist die Expertin auf dem Gebiet der Schulverpflegung. Für den Berliner Senat hat sie eine Studie angefertigt: Mindestens 3,25 Euro muss ein Mittagessen aus der Kantine kosten“, erklärt Wolfgang Höfer. Mit der Einführung des Mindestlohns habe sich der Preis mittlerweile um ein Drittel erhöht. Höfer kennt die Diskussionen um die Preise nur zu gut.

Bis zu 6500 Essen verlassen täglich seine Kantine in Demen. Aber nicht nur dafür muss Höfer kalkulieren. Sein Unternehmen ist auch über die Landesgrenzen hinaus aktiv und unterstützt Kantinen bei der Einrichtung, Preiskalkulation und Abrechnung. „Ich würde einmal behaupten, wir kennen uns ganz gut aus“, sagt Höfer und erzählt von verschiedenen Kontrollinstanzen in seinem Unternehmen. So gibt es für die Träger und auch die Partner im öffentlichen Dienst Kontrollkarten, mit denen sie sich jederzeit in der Kantine eine Essen holen können. „Dazu gibt es einen Mecker-Zettel mit Fragen und Platz für Anmerkungen“, erläutert der UWM-Chef das System. Von Probe-Essen in der Kantine in Demen hält er nicht all zu viel, bietet sie aber auch an.

Einmal pro Woche gibt es eine Auswertung der Zettel sowie auch aller Eingaben, die online abgegeben wurden. „Denn jeder Kunde kann unter seiner Kundennummer eben nicht nur Details zu jedem Essen auf unserer Internetseite abrufen, sondern auch eine Rückmeldung geben“, erzählt der Kantinen-Betreiber.

Mit einem einfachen „es schmeckt nicht“, könne Höfer nicht viel anfangen. „Wir halten uns an die DGE-Qualitätsstandards für die Betriebsverpflegung“, erklärt er mit dem Verweis auf die fünf verschiedenen Gerichte täglich sowie die Option des Vital-Menüs. Die Zutaten seien regional. Selbstverständlich gebe es auch süße Speisen. „Kinder greifen da gerne zu, wenn sie allein entscheiden können. Wir geben ein Angebot, die Wahl müssen die Eltern treffen“, betont der UWM-Chef. Doch Höfer weiß auch, dass Kantine eben mehr ist als nur das Essen auf dem Teller und ein Preis, der gezahlt werden muss. „Essen gehört zu unserer Kultur, davon ist in den Schulen leider nur selten etwas zu merken“, so Höfer. Oft seien es dunkle Kellerräume, meistens schlecht ausgestattet. In manchen Fällen seien auch gar keine Essenräume vorhanden. „Das Crivitzer Gymnasium hat sogar einen Architekturpreis bekommen, doch es war kein Essenraum vorgesehen, erst später wurde ein Klassenraum umfunktioniert“, sagt Höfer. Seine Liste der schlechten Beispiele ist lang. Und ebenso lang – gar langwierig – sind seine Verhandlungen mit der Stadt Crivitz über den Essenraum an der Grundschule. „Schon 1993 wurde dort Schimmel festgestellt. Immer wieder wurde das Problem vertagt“, erinnert sich der UWM-Chef und verweist auf die eindeutigen Zuständigkeiten. „Wir liefern das Essen und rechnen das ab, manchmal stellen wir auch das Personal für die Essenausgabe. Doch für die Räumlichkeiten und deren Ausstattung ist der jeweilige Träger zuständig.“ Auch für das Angebot von Getränken. „Wir können das übernehmen. Aber dann muss auch geregelt sein, ob es Getränke für alle Kinder gibt, oder eben nur die, die essen gehen“, gibt Höfer zu bedenken.

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