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Zeitung für die Landeshauptstadt

16. Dezember 2017 | 10:24 Uhr

Schwerin-Weststadt : Gerangel um Fahrradstreifen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stadtvertreter uneins über Einrichtung eines weiteren Schutzstreifens in der Lübecker Straße

von
erstellt am 26.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Fahrräder oder Autos – in der Stadtvertretung ist ein Kampf um die Hoheit über die Fahrbahn der Lübecker Straße entbrannt. Der Grund: Die Bündnisgrünen wollen, dass zwischen Robert-Beltz-Straße und Gosewinkler Weg ein Fahrradschutzstreifen eingerichtet wird. „Die Einrichtung des Radstreifens auf der Lübecker Straße erhöht die Verkehrssicherheit von Radfahrenden und verbessert die Akzeptanz des Radverkehrs auf der Fahrbahn“, heißt es im Antrag an die Stadtvertretung.

Der Ortsbeirat Weststadt hat bereits zugestimmt, auch der Umweltausschuss. Der Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr hat die Vorlage allerdings abgelehnt. Umso mehr wurde im Hauptausschuss das Für und Wider eines Radstreifens diskutiert.

„Ein Radstreifen produziert Staus, weil für die Autos nur noch eine Fahrspur zur Verfügung steht“, sagte AfD-Stadtvertreter Hagen Brauer. „Außerdem findet eine solche Radspur nur wenig Akzeptanz bei Radfahrern.“ Ein Schutzstreifen für Radfahrer sei also nicht notwendig.

Silvio Horn von den Unabhängigen Bürgern sprach von einem „Flaschenhals“, wenn ein Fahrradschutzstreifen eingerichtet würde. Gerade zwischen Beltzstraße und Gosewinkler Weg gäbe es ein hohes Verkehrsaufkommen. Die Verwaltung sollte zunächst Zahlen vorlegen.

Baudezernent Bernd Nottebaum ging darauf nicht direkt ein. Er befürchtet aber – genau wie Brauer – Staus. Außerdem habe der Ortsbeirat Weststadt die Befürchtung geäußert, dass der Schleichverkehr durch die Weststadt zunehmen würde.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cornelia Nagel wollte das nicht gelten lassen: „Es wird nur der Autoverkehr in den Mittelpunkt gestellt. Es muss eine Variante entwickelt werden, dass auch Radfahrer am Verkehr teilnehmen können.“ Denn in Schwerin seien die Autofahrer nicht besonders rücksichtsvoll. Was CDU-Vertreter Sebastian Ehlers zu der Bemerkung anregte: „Es gibt auf beiden Seiten solche und solche.“ Und dass die Ortsteilvertretung jetzt den Schutzstreifen befürworte, sei verwunderlich. „Der Ortsbeirat hat schon mal anders gestimmt.“ Ehlers wies auf die Enge in der Friesenstraße, auf den zunehmenden Autoverkehr zum Goethe-Gymnasium und zur neuen Regionalschule hin. „Das führt zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen in der Lübecker Straße“, resümierte er.

Auf Antrag von Cornelia Nagel durfte sich vor dem Hauptausschuss auch Roberto Koschmidder vom Fahrradclub ADFC äußern. Für ihn wäre nicht der Fahrradschutzstreifen das Problem. „Das Problem ist die Fußgängerampel am Friesensportplatz. Dort stehen die Autos. Kommt die Ampel weg, fließt der Verkehr.“

Der Hauptausschuss stimmte mit sechs Ja- und fünf Nein-Stimmen knapp für den bündnisgrünen Antrag. Das letzte Wort hat nun am Montag die Stadtvertretung.

Kommentar "Vorher diskutieren" von Gert Steinhagen
Das  ging schnell. Bei der früheren OB Angelika Gramkow  hatte es    Jahre gedauert, bis sie mit ihrem   Finanzdezernenten Dieter Niesen völlig zerstritten   war und ein einheitliches Verwaltungshandeln unmöglich wurde. Der neue  OB Rico Badenschier brauchte dafür nicht einmal 100 Tage. Er stimmte  im Hauptausschuss für den Fahrradschutzstreifen –  und damit gegen seinen Baudezernenten. Ein öffentlicher Affront. Zum  Streiten gibt es die  Dezernentenrunde –  hinter verschlossenen Türen. Es sei denn, der SPD-OB will den CDU-Beigeordneten disziplinieren.
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