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Grossprojekt in Schwerin : Geplanter Uferradweg polarisiert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unabhängige Bürger warnen vor Geldverschwendung, Gastronomen und Unternehmer befürworten das Tourismus-Förderprojekt

von
erstellt am 13.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Kaum ein anderes Projekt in der Landeshauptstadt hat dermaßen viele öffentliche Interessensbekundungen hervorgerufen wie der geplante Uferradweg am Ostorfer See. Nach wie vor wird kontrovers diskutiert.

Eine Woche vor der Entscheidung der Stadtvertretung zur Frage, ob die Planungen für einen Uferradweg vom Dwang zur Krösnitz gestoppt werden oder nicht, wirbt die Fraktion der Unabhängigen Bürger noch einmal um nüchterne Bewertung der Sachlage. „Die Umsetzung des 2,3 Millionen Euro teuren Bauvorhabens soll die finanziell angeschlagene Stadt leisten. Es scheint beinahe so, als sei die Stadt entschuldet. Das ist mitnichten so“, erklärt UB-Fraktionsvorsitzender Silvio Horn. „Bei einem jährlichen Haushaltsdefizit in Millionenhöhe und über 200 Millionen Euro Schulden muss ein strenger Maßstab gelten, wofür Steuergeld ausgegeben wird. Jegliche Lobbyprojekte sind da fehl am Platze“, so Horn.

Viel schwerer wiege jedoch, dass in ein neues, fragwürdiges Projekt investiert werden solle, während an anderer Stelle die vorhandene Infrastruktur überaus marode sei. „Jeder Schweriner weiß: Wir haben in der Stadt viele kaputte Geh- und Radwege, löchrige Straßen und baulich heruntergekommene Plätze. Statt diesen enormen Investitionsstau endlich abzubauen, liebäugelt die Stadtverwaltung mit einem Spazierfahrradweg am Seeufer. Das machen wir nicht mit“, so Horn. Die Stad baue mit Fördermillionen einen Luxusradweg mit Seebrücke, während die vorhandenen Wege und Straßen verkommen und die Bürger Anliegerbeiträge für die wenigen Sanierungen aus eigener Tasche bezahlen müssten, kritisiert Horn.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband MV und der Regionalverband Schwerin indes sehen das ganz anders: „Aus Sicht des Dehoga kann konstatiert werden, dass sich durch den Radweg und die Streckenführung am Seeufer für alle Beteiligten Vorteile ergeben. Das Radwegeangebot der Stadt würde in seiner Attraktivität gestärkt, das Profil der Raddestination geschärft“, erklärt der Dehoga-Hauptgeschaftsführer Matthias Dettmann. Durch den Radweg könne eine neue Gästeklientel mit höherer touristischer Wertschöpfung erschlossen, deren Verweildauer verlängert und eine Qualitätssteigerung des touristischen Gesamtangebots erreicht werden, betont der Hotel- und Gaststättenverband. „So könnten nicht nur positive betriebswirtschaftliche Effekte für viele Unternehmen erzielt werden, auch die Stadt würde durch steuerliche Mehreinnahmen partizipieren.“

Der Unternehmerverband setzt sich ebenfalls für die Realisierung des Projekts ein: „Attraktive, stadtnahe Radwege mit Bezug zur Natur können ein Aushängeschild von Schwerin werden“, erklären Präsident Rolf Paukstat und Regionalleiterin Karin Winkler. „Das Radwegeangebot würde in seiner Attraktivität gestärkt – und nicht nur für Urlauber.“

Am Donnerstag um 18.30 Uhr beraten mehrere Fachausschüsse gemeinsam über das Projekt.



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