Weltkulturerbe Schwerin : Geometrie in Grün

Die Planer der Bundesgartenschau machten aus den Rasenkaskaden ein Blumenmeer. Von der Stellingstraße aus hat man auch heute noch den schönsten Blick auf den gesamten Schlossgarten mit Kreuzkanal und Lustwäldchen.
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Die Planer der Bundesgartenschau machten aus den Rasenkaskaden ein Blumenmeer. Von der Stellingstraße aus hat man auch heute noch den schönsten Blick auf den gesamten Schlossgarten mit Kreuzkanal und Lustwäldchen.

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor - Teil 16: Schlossgarten

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20. Juni 2016, 12:00 Uhr

Seit der Bundesgartenschau 2009 darf man zwar nicht mehr auf den Rasenflächen unter den alten Bäumen picknicken, die Fahrradwege sind genau festgelegt, das Festival „Puppen im Park“ musste weichen und an manchen Stellen steht sogar noch ein Zaun – dennoch bleibt der Schlossgarten eines der beliebtestes Ausflugsziele der Schweriner. Er gilt als eine der schönsten Barockanlagen Norddeutschlands. Seine Anfänge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, berichtet Dr. Christian Ottersbach in seinem Welterbe-Gutachten. „Herrschaftliche Gärten befanden sich damals in der Nähe des Ostorfer Berges“, schreibt er. Bald wollten die hohen Herrschaften aber mehr klare Linien in ihrem Park – nach französischem Vorbild. Christian Ludwig I. ließ 1672 einen Lustgarten anlegen. Weil das das Gelände aber sehr feucht war, wurde 1708 der Lange Kanal zur Entwässerung gebaut.

Seine typische Prägung erhielt der Garten erst in den Jahren von 1748 bis 1756 unter Jean Legeay. Er entwarf die Pläne für einen ersten Umbau. Das Kernstück bildete nun der Kreuzkanal, der vom Schloss aus auf den Hang des Ostorfer Berges zielt. „Der Kanal reichte ursprünglich weiter nach Norden und umschloss mit zwei zangenartigen Kanälen eine ovale Halbinsel“, berichtet Ottersbach. 1862 wurde dieses Endstück indes verfüllt. „Es entstand das Rasenparterre mit den beiden seitlichen Laubengängen.“ 1893 wurde hier das monumentale Reiterbildnis Großherzogs Friedrich Franz II. von Ludwig Brunow aufgestellt.

Entlang des Kreuzkanals stehen 16 Sandsteinskulpturen, die Christian Ludwig II. in Dresden kaufte. Sie zeigen antike Gottheiten und stammen von Balthasar Permoser und Christoph Ludwig Lückes. Die barocken Originale sind heute aus konservatorischen Gründen durch Kopien von Werner Hempel aus den 1950er-Jahren ersetzt.

An den beiden Kanalseiten liegen Boskette, die zur Buga mit holländischen Linden nachgepflanzt wurden. Im Mittelpunkt der barocken Boskettzone steht seit 1818 der achteckige Schlossgartenpavillon – als Ausschank erbaut und auch heute noch als Restaurant genutzt.

Nach Plänen des preußischen Gartenkünstler s Peter Joseph Lenné wurde der Schlossgarten Mitte des 19. Jahrhunderts unter Leitung von Theodor Klett erweitert. Die barocke Grundstruktur blieb erhalten, aber die angrenzende Umgebung wurde parkartig gestaltet.

Ursprünglich gehörte zum Schlossgarten auch das Nordufer des Faulen Sees. 1908 wurde hier eine Villenkolonie aufgebaut. Ein letztes Zeugnis der Vergangenheit sind die Terassenmauern des ehemaligen Weinberges: Sie sind unterhalb der Sternwarte noch erhalten.

Lange nach Ende der Monarchie, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, gab es Pläne, den Schlossgarten zum Volkspark umzugestalten. Mehr als die Freilichtbühne ist davon nicht geblieben. Der Schlossgarten umfasst heute etwa 25 Hektar. Er wurde 2006 bis 2008 saniert und restauriert. Für seine Pflege ist die Verwaltung der Schlösser und Gärten zuständig. 2009 war der Schlossgarten eines der zentralen Gelände der Bundesgartenschau und zog mehr als 1,9 Millionen Besucher in seinen Bann.


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