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Kriminalpolizei bittet Frauen zum DNS-Test : Gentest soll Baby-Mord aufklären

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Auch mehr als ein Jahr nach dem Fund eines toten Babys am Ufer der Stepenitz zwischen Gottmansförde und Drieberg-Dorf fehlt von der Mutter noch immer jede Spur. Die Kripo hatte nun zu einem Gentest aufgerufen.

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erstellt am 06.Feb.2013 | 07:44 Uhr

Brüsewitz | Kripo in Brüsewitz: Gestern Nachmittag kamen viele Frauen ins ehemalige Kulturhaus, denn die Kriminalpolizei hatte zum freiwilligen DNS-Test gebeten. Bereits am Sonnabend hatten etwa 50 Frauen aus dem Umkreis bereitwillig ihre Speichelprobe abgegeben, um die seit mehr als einem Jahr laufenden Ermittlungen in einem grausigen Fall voranzutreiben: Im Dezember 2011 war ein neugeborenes Kind tot am Ufer der Stepenitz gefunden worden. Ein Angler hatte die unbekleidete Leiche des Babys am Vormittag des 7. Dezembers zwischen Gottmannsförde und Drieberg entdeckt. Laut Gerichtsmedizin war der Junge zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Tage tot. Starke Regenfälle hatten alle Spuren verwischt. Weder ein zum Einsatz gebrachter Spürhund noch ein Polizeitaucher, der den Flussgrund um den Fundort akribisch abgesucht hatte, konnten die Ermittlungen voranbringen. Ebenfalls keine Ergebnisse brachten die Hinweise aus der Bevölkerung.

Schließlich wurde eine zwölfköpfige Ermittlungsgruppe gegründet, da der Säugling laut Obduktion lebend zur Welt gekommen war und es sich somit um einen Tötungsdelikt handelt. Die Suche nach der Mutter des toten Babys indes blieb erfolglos. Auch die Befragungen mehrerer Frauen aus den umliegenden Orten, die selbst ein Kind erwartet hatten, sowie verschiedener Krankenhaus-Ärzte, Gynäkologen und Hebammen brachten keine Ergebnisse.

Ein Gentest war zunächst nicht vorgesehen. Doch nun erhoffen sich die Ermittler, durch die Speichelprobe den Fall endlich auf klären zu können. "Eingeladen wurden alle Frauen, die zum Tatzeitpunkt zwischen 15 und 30 Jahre alt waren und sich über eine längere Zeit, ob beruflich oder privat, im Umkreis von sechs Kilometern vom Fundort aufhielten. Insgesamt wurden etwa 200 Einladungen verschickt", sagt Isabel Wenzel vom Polizeipräsidium Rostock. Denn statistisch gesehen käme diese Altersgruppe am ehesten in Frage, ergänzt Kriminalhauptkommissar Matthias Bolsmann.

Die gestern entnommenen Speichelproben werden nun in das Labor des Landeskriminalamtes geschickt. Spätestens in vier Wochen liegen die Ergebnisse vor. Bolsmann betont ausdrücklich, dass die Testergebnisse der jeweiligen Person nicht gespeichert, sondern unmittelbar nach dem Vergleich mit der DNS des toten Babys wieder gelöscht werden. "Die Probe dient lediglich dem Identitätsabgleich, zu etwas anderem sind wir nicht ermächtigt", so der Kripo-Mann.

Sollte sich die gesuchte Mutter nicht unter dem jetzt überprüften Personenkreis befinden, werden im nächsten Schritt die Frauen, die zu keinem der beiden Termine erschienen sind, von den Ermittlern genauer unter die Lupe genommen. Wenn deren Überprüfung keine neuen Erkenntnisse bringt, wird die Suche auf einen größeren Bereich ausgedehnt. Auch die Altersgrenze des in Frage kommenden Personenkreises soll ausgeweitet werden.

Heute wie damals sorgt der Baby-Mord in der Region für Gesprächsstoff. Christin Nordhaus, die gestern zur Speichelprobe ins Kulturhaus gekommen war, kann sich kaum vorstellen, dass die gesuchte Mutter der Einladung der Polizei gefolgt ist. Die 24-jährige Schwerinerin lebte damals selbst noch in Gottmannsförde: "Ich wohnte mit einer Freundin zusammen in einer WG unweit des Fundortes", erzählt sie. Die Nachricht damals sei ein Schock gewesen. "Wir hatten sogar manchmal das Gefühl, auf der Straße irgendwie schief angeguckt zu werden - so als dachten die Leute, wir hätten etwas damit zu tun", erinnert sie sich.

Juliane Richter aus Dümmer ist sich sicher, dass durch die jetzt durchgeführten Speichelproben der Druck auf die Täterin immens wachsen wird. Auf die Frage, warum sie gestern freiwillig im ehemaligen Kulturhaus erschienen sei, antwortete die 25-Jährige: "Ich denke, dass die Beamten meine Probe früher oder später sowieso erhalten - ob nun auf diesem Weg oder mit Hilfe einer richterlichen Anordnung." Die Kripo indes hofft, mit diesen Tests schneller in ihren Ermittlungen voranzukommen.

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