Gemeinsames Leben nur in Ägypten?

Die Irakerin Ariknas Warstad Krabit  kämpft seit Jahren  darum, dass ihr Mann und Sohn  zu ihr nach Schwerin ziehen können. Bislang ohne Erfolg.Reinhard Klawitter
Die Irakerin Ariknas Warstad Krabit kämpft seit Jahren darum, dass ihr Mann und Sohn zu ihr nach Schwerin ziehen können. Bislang ohne Erfolg.Reinhard Klawitter

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02. November 2010, 08:02 Uhr

Schwerin | Der Fall der Irakerin Ariknas Warstad Krabit, die vor neun Jahren als Christin aus dem Irak floh und seitdem versucht, ihren Mann und Sohn zu sich nach Schwerin zu holen, bewegt nicht nur viele Menschen, die ihren Namen auf eine Unterschriftenliste für die 52-Jährige setzten. Auch die Politik in der Landeshauptstadt, allen voran SPD-Stadtvertreterin und Vize-Stadtpräsidentin Gerlinde Haker, bekennt sich mehr und mehr zu der engagierten Frau, die sich in Schwerin mit einem Imbiss in der Puschkinstraße eine neue Existenz aufgebaut hat.

Die Stadtverwaltung hält indes an ihrem klaren "Nein" bezüglich einer Familienzusammenführung fest. "Ich kann mich nicht gegen die Gesetze stellen und werde auch nach der Übergabe einer Unterschriftenliste für Frau Warstad Krabit nicht anders entscheiden", sagt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und stärkt damit der Ausländerbehörde den Rücken. Die führt vor allem zwei Argumente gegen den Zuzug des Mannes von Ariknas Warstad Krabit ins Feld: Ein gemeinsames Leben des Ehepaares sei möglich in Ägypten oder Jordanien. Schließlich sei Sobhy Warstad Krabit gebürtiger Ägypter und das Land gelte laut Auswärtigem Amt als sicher. Außerdem könne Ariknas Warstad Krabit zurzeit nicht nachweisen, dass sie in Schwerin ihren Lebensunterhalt komplett selbst bestreitet. Sollte ihre Familie in die Landeshauptstadt ziehen, geht die Stadtverwaltung nach eigener Rechnung von rund 1400 Euro aus, die der Staat monatlich an die Warstad Krabits zahlen müsse.

Beide Argumente würden im Ermessenprozess so schwer wiegen, dass ein Zuzug nicht genehmigt werden könne, so Andrea Eichstädt, Leiterin der Schweriner Ausländerbehörde. "Auch beim Ausüben unseres Ermessens sind wir an klare Verwaltungsvorschriften gebunden."

Doch an diesem Punkt erheben z.B. Flüchtlingsrat MV und auch die Beratungsstelle der Caritas, von der Ariknas Warstad Krabit seit Langem betreut wird, Einspruch. "Ägypten ist für Christen kein sicheres Land", sagt Doreen Klamann-Senz. "Herr Warstad Krabit ist selbst vor vielen Jahren aus Ägypten in den Irak geflohen, weil er Verfolgungen ausgesetzt war." Anfang des Jahres gab es wieder einen blutigen Anschlag auf Christen in Ägypten. "In Ägypten sind genauso wie im Irak und Jordanien Christen in der Minderheit und werden bedrängt und bedroht", betont auch Gerlinde Haker. "Das ist für mich keine zumutbare Lösung. Es bleibt die Bitte und die Forderung an die Oberbürgermeisterin, sich der Sache anzunehmen." Sie selbst komme gerade aus Tansania, wo sie Hilfsprojekte der Kirche begleitet, und habe noch viele Eindrücke im Gedächtnis: "Wie haben wir es nur gut und ich meine, wir alle hier haben eine Verpflichtung, Menschen in Bedrängnis zu helfen, ihnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen."

Auch für Barbara Eickhorst vom Caritas Migrationsdienst ist die Ausreise von Arknas Warstad Krabit nach Ägypten kein gangbarer Weg. Sie betreut die Irakerin, die vor neun Jahren bei Nacht und Nebel ihr Heimatland verließ und heute als anerkannter Flüchtling in Schwerin lebt, schon lange. "Frau Warstad Krabit kam nach Schwerin als starke Frau, die hier Schutz für sich und ihre Familie gesucht hat", erinnert sie sich. "Sie hat nichts illegal gemacht, hat sich hier eine eigene Existenz aufgebaut und im Laufe der Jahre alle möglichen Nachweise erbracht und Forderungen erfüllt, die die Behörden an sie stellten, um ihren Mann und ihren Sohn zu sich zu holen. Zum Dank dafür hat man ihr nur Steine in den Weg gelegt." Über die vielen erfolglosen Versuche der Familienzusammenführung sei Ariknas Warstad Krabit psychisch erkrankt und könne auch ihren Imbiss nicht mehr so bewirtschaften, wie sie es gerne möchte.

Wenn ihr Mann, der sogar eine internationale Fahrerlaubnis besitzt, sie im Geschäft unterstützt, könnte das in kurzer Zeit viel besser laufen und höchstwahrscheinlich sogar den Lebensunterhalt des Paares sichern, glauben sowohl der Flüchtlingsrat als auch die Experten bei der Caritas. "Wenn Frau Krabit jetzt depressiv und krank wird und womöglich gar nicht mehr arbeiten kann, kommt das den Staat viel teurer als ein Zuzug des Ehemannes", argumentiert Caritas-Migrationsberater Cuong Le Minh. "Uns bleibt nur, weiterhin an die Verwaltung zu appellieren, den Fall Warstad Krabit unter humanitären Aspekten noch einmal neu zu bewerten."

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