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Zeitung für die Landeshauptstadt

12. Dezember 2017 | 22:37 Uhr

Integration : Gemeinsam auf Torejagd

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit April 2015 organisiert die Straßenarbeit der Evangelischen Jugend Schwerin „Fußball ohne Grenzen“ – für Flüchtlinge und Deutsche

von
erstellt am 23.Feb.2016 | 23:26 Uhr

Für Sascha und seine Mannschaft läuft es heute nicht so gut: Die ersten beiden Spiele gehen deutlich verloren. „Natürlich wollen wir gewinnen. Aber wenn wir verlieren, ist das auch nicht so schlimm“, sagt Sascha. Zusammen mit rund 20 weiteren Sportbegeisterten kickt der Schweriner in der Sporthalle an der Ziolkowskistraße um die Wette. So wie jeden Montag bei „Fußball ohne Grenzen“ – dem Integrationsprojekt der Evangelischen Jugend Schwerin.

„Die Idee, Fußball mit Integration zu verbinden, ist nicht neu. Vergangenen April waren meine Kollegen und ich sowohl auf MVgida-Demonstrationen als auch bei den Protesten der Gegenseite. Im Dialog mit den Jugendlichen kam dann heraus, dass viele gerne Fußball spielen würden. Daraus entstand ‚Fußball ohne Grenzen’“, erklärt Catherine Ruf, Straßensozialarbeiterin bei der Evangelischen Jugend Schwerin. „Nicht nur für Flüchtlinge oder für Deutsche – sondern für alle.“

Sascha ist seit dem ersten Mal dabei. Feste Teams gibt es nicht: Heute spielt der Schweriner mit Mortiza, Michael und Emran in einem Team. Emran und Mortiza kommen aus Afghanistan, Michael wie Sascha aus Schwerin. „Ich spiele hier mit allen gern zusammen“, sagt Sascha. Einen Schiedsrichter gibt es ebensowenig wie eine Trillerpfeife für Organisatorin Catherine Ruf. Dafür aber einige Zuschauer: Jung und Alt sitzen auf den Bänken in der Sporthalle und schauen den Fußballern zu.

Vorurteile gegen Flüchtlinge haben manche aktiven Spielern dennoch, sagt Ruf. „Im Sommer klebte ich an das Tor einen Aufkleber ,Refugees Welcome‘. Als mich dann einer der Spieler fragte, was der Aufkleber denn bedeute, übersetzte ich ihm sinngemäß: ,Flüchtlinge Willkommen‘. Er schüttelte den Kopf und sagte, dass die doch an den höheren Preisen bei Penny schuld seien“, erzählt die Straßensozialarbeiterin. „Als ich ihn dann aber darauf aufmerksam machte, dass seine Mitspieler Ali und Mohammed doch auch Flüchtlinge seien, meinte er: ,Nein, die doch nicht. Die sind cool.‘“

Probleme mit der Verständigung gibt es kaum. „Wenn Deutsch zu kompliziert wird, reden wir mit Händen und Füßen“, erklärt Sascha. Er und sein Team verlieren auch noch das dritte Spiel. „Beim nächsten Mal gewinnen wir“, sagt der Schweriner Hobbykicker. Und freut sich zusammen mit den anderen auf nächsten Montag – wieder auf „Fußball ohne Grenzen“.


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