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Wir in Tramm : Trammer Bäckerei gibt es seit 30 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Branche ist ein hartes Brot, aber bei Meister Badel ging der Ofen nicht aus

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2016 | 23:31 Uhr

Ist der Ofen jetzt aus? Bäckermeister Uwe Badel wusste es nicht. Als die Wende kam, waren viele seiner Kunden plötzlich weg und er stand vor einer ungewissen Zukunft. Zu DDR-Zeiten, sagt Badel, da hätten sie ihm die Bude eingerannt. Jetzt war es in seinem Trammer Bäckerladen vor der Theke leer. Die neuen Discounter, die überall aus dem Boden gestampft wurden, die waren voll. Da gab es nun alles. Auch Brötchen und Brot. Badels Kerngeschäft wurde überrollt. Seit 1986 hatte er die Bäckerei und Konditorei. Und nun, alles vorbei? Nein. Badel ließ es auch rollen. Einen Verkaufswagen, einen Bäckerladen auf Rädern, einer der durch die abgelegenen Dörfer fährt und die Menschen versorgt, die nicht dahin kommen, wo es alles gibt. „Dieser Verkaufswagen war damals der erste in der Region“, erzählt er. Das Konzept ging auf, das Geschäft lief. Der Ofen, er war nicht aus.

Heutzutage eine Bäckerei zu führen, sagt der 57-Jährige, sei immer noch ein hartes Geschäft. Hartes Brot, um in der Bäckersprache zu bleiben. Aber Stillstand ist Rückschritt, und deshalb ist bei der Trammer Bäckerei immer viel in Bewegung.

Nachtschicht in der Backstube: Bäcker Badel macht das nur noch, wenn seine Ofenarbeiter oder Teigmacher im Urlaub sind oder krank ausfallen. Ansonsten hält er das Geschäft vom Schreibtisch aus in seinem Büro in der Trammer Hauptstraße zusammen. Tramm, Crivitz, auf dem Schweriner Dreesch und in Plate – dort gibt es Läden der Trammer Bäckerei. Standorte, die sich nicht mehr rechnen, werden dicht gemacht. Leezen ist solch ein Standort. „Im März ist dort Schluss“, sagt Badel, der aus Neustadt-Glewe stammt, aber seit 30 Jahren in Tramm wohnt und arbeitet. Dafür kommen jetzt zwei neue Läden dazu. Ab April gibt es Dependancen in Parchim und in Banzkow. Dann kommen zu den bisherigen 26 Angestellten noch vier weitere dazu. Mittlerweile sind auch zwei Verkaufswagen unterwegs, die täglich in Tramm beladen werden, um in einem Radius von etwa 30 Kilometern vornehmlich ältere Kundschaft fast vor der Haustür zu bedienen. Der Absatz auf dieser Ebene sinke jedoch kontinuierlich. „Uns sterben die Kunden weg“, weiß der Unternehmer.

Stramme Logistik, gute Qualität und mit viel Herzblut bei der Sache – mit dieser Mixtur hat sich die Trammer Bäckerei auf dem hart umkämpften Markt behauptet. „Was uns fehlt, sind aber Auszubildende. Den letzten Lehrling hatte ich vor rund fünf Jahren“, bedauert Badel.

In der Gemeinde sind sie froh, dass es den Bäcker gibt. Denn der hat auch etwas für die Gemeinde übrig. Ob Berliner, Plunder oder Kirschkuchen – was nicht über die Ladentheke geht, bekommt der Jugendclub. Täglich. Und wenn für das Dorffest das Fleisch gebacken werden muss, dann wird auch zu diesem Zweck etwas in der Backstube genutzt, was noch lange nicht aus ist: der Ofen.

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