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Wir in Zapel : Mit Volldampf zurück nach MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jan Neumann war nach der Wende arbeitslos, jetzt ist er erfolgreicher Unternehmer

svz.de von
erstellt am 20.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Als die Wende kam, war der Job weg. Jan Neumann, der Landmaschinenschlosser aus Demmin, ging jetzt nicht mehr zur Arbeit, sondern zum Arbeitsamt. Darauf warten, dass ihn irgendjemand irgendwann einstellt, das wollte er nicht. Neumann kaufte sich einen Lkw und gab Gas. Erst als Selbstständiger in Mecklenburg-Vorpommern, später als Angestellter einer Firma in Bayern.

Nach über zwei Millionen Kilometern war Schluss mit der Fernfahrerei. Er hatte Zuchtrinder nach Nordafrika, Buttermilch, Wein oder Fruchtsäfte quer durch Europa gefahren. Jetzt wollte er zurück nach MV. Wieder zu Hause sein, wie er sagt. Eine Tank- und Siloreinigung zu eröffnen, diese Idee hatte er. Was er nicht hatte: Geld, Ahnung von Buchführung und einen Businessplan. „Aber ich hatte das ganz große Glück, das mich viele Leute unterstützt haben“, sagt Jan Neumann, spricht dann von seinem ehemaligen Chef und von einem engagierten Unternehmensberater. Und von seiner Lebensgefährtin, die voll und ganz hinter seinen Plänen stand. Fahrbinde, da sollte seine Tanker-Reinigung entstehen. Die erste in MV. Es war das Jahr 2004. Einen Existenzgründerlehrgang, viele Bankgespräche und ein Jahr später stand das Gebäude – und der erste Kunde mit Lkw davor.

Heute spritzt und dampft es gleich auf vier Reinigungsbahnen im Gewerbegebiet direkt neben dem Autobahnzubringer, auf dem der Fernverkehr rollt. In der Reinigungsanlage steht gerade ein litauischer Lebensmitteltankzug. Reiniger Jörg Sablewski ist auf den Anhänger gestiegen, spritzt 85 Grad heißes Wasser und Seife in die Öffnungen des Tankzuges. „Da war zuvor Rohmilch drin“, sagt Sablewski. Bei den klebrigen Resten von Schokolade, Ölen oder Fetten, da ist der Aufwand größer. Dann müssen die Reiniger in die dicken Bäuche der Tankwagen, um die Innenwände zu reinigen.

Das Geschäft brummt. An Werktagen kommen bis zu 50 Tanker vorbei. Aber nicht nur in Fahrbinde. Auch in Kavelstorf und in der Nähe von Erfurt hat Neumann Dependancen seiner Firma TSclean gebaut. Zwei Bistros für die Fernfahrer gibt es auch. 33 Mitarbeiter sorgten 2014 für einen Umsatz von rund zwei Millionen Euro.

Zapel, 25 Kilometer von Fahrbinde entfernt, da wohnt Jan Neumann. Dort hat er auch seinen Firmensitz angemeldet. Und der 48-Jährige bringt sich ein ins Gemeindeleben. „Das ist mir nicht schwer gefallen, als ich 2003 nach Zapel gezogen bin. Hier gibt es viele nette, hilfsbereite Menschen“, sagt Neumann. Er engagiert sich, ist im Feuerwehr-Förderverein und im Sportverein. Und jetzt ist er auch stellvertretender Bürgermeister. „Ich kämpfe dafür, dass Zapel seine Eigenständigkeit behält.“ Und bekommen soll Zapel wieder seine Rocknacht, die zuletzt 2009 über die Bühne ging. „Wir arbeiten daran“, sagt Neumann. Und er sagt es nicht nur, er gibt Gas.

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