Wir in Pingelshagen : Der Mann, der in die Rohre schaut

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Klempner Brauer hilft in Pingelshagen nicht nur, wenn der Wasserhahn tropft

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25. Januar 2016, 15:30 Uhr

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da. Das gab vor 70 Jahren Gustaf Gründgens zum Besten – und auch Hugo-Edmund Brauer kann noch heute ein Lied davon singen. Geht er ins Bett, dann liegt sein Handy auf dem Nachttisch. Schlecht für die Bettruhe des Klempners, gut fürs Geschäft und für die Kundschaft. Kein Wasser in der Leitung, dafür Pfützen auf dem Küchenboden. Keine Wärme in der Heizung, dafür Eis in den Rohren. Keine Spülung in der Toilette, dafür ein verstopftes WC. Notdienst. Für Hugo-Edmund Brauer heißt das: Immer im Einsatz.

An diesem kalten Januartag ist das anders. Bürotag. Selbst auferlegt, weil er noch immer nicht so richtig fit ist, seit er an den Feiertagen mit 40 Grad Fieber im Bett gelegen hatte. 48 Aufträge, sagt er, hätte er deshalb nicht annehmen können. Genug zu tun, ja, das habe er heute genau wie in all den Jahren zuvor immer gehabt, seit er sich selbstständig gemacht hat, als die Wende damals auch für ihn einen beruflichen Neuanfang mit sich brachte. Zu DDR-Zeiten, da war er Baufacharbeiter. Elektroniker wollte er werden, wollte studieren. Das blieb ihm verwehrt. „Ich war nicht so systemkonform“, sagt er heute. In der LPG Brüsewitz arbeitete er, übernahm dort auch die Arbeit des Klempners, als dieser ausschied. Er machte seinen Facharbeiterabschluss nach, qualifizierte sich zum VE-Meister Heizung, Lüftung, Sanitär.

Der 1. Juni 1991. Diesen Tag wird Hugo Brauer nicht vergessen. Ohne großen Kundenstamm, aber mit viel Elan und Ehrgeiz ging er in die Selbstständigkeit. Und etwas über freie Marktwirtschaft hatte er zu dieser Zeit schon gelernt, bei einem Klempnermeister in Lübeck, der ihn auch darin bestärkte, seinen eigenen Weg zu gehen. Das macht er nun schon seit fast 25 Jahren. Vier Angestellte hatte er in Spitzenzeiten. „Jetzt bin ich Alleinunterhalter“, sagt Brauer. Ende 2019 will er Schluss machen, will er Zangen, Rohraufweiter oder Dichtungsringe zur Seite legen. Nachfolger? „Nicht in Sicht“, sagt der Pingelshagener, der auch immer ehrenamtlich zur Stelle ist, wenn im Dorf mal sein Radlader und seine Arbeitskraft gefragt sind.

Urlaub machen mit seiner Frau Dorothea, die ihn – wie seine Kinder auch –, immer unterstützt hat, darauf freut er sich. „Urlaub hatte ich in den vergangenen 25 Jahren genau zwei Mal“, sagt Brauer. Doch bis zur Rente dauert es noch etwas. Bis dahin liegt sein Handy weiter auf dem Nachttisch. Für alle Notfälle.

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