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Wir in Pinnow : Alter Munition auf der Spur

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Männer der Firma Kampfmittelbeseitigung bergen Kriegshinterlassenschaften

Fundmunition aufzuspüren und zu bergen, das ist eine sehr spezielle Arbeit. Die Mitarbeiter der Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung MV in Pinnow haben sich darauf spezialisiert. Denn auch heute noch müssen Granaten und andere Kriegshinterlassenschaften geborgen werden, um zum Beispiel Flächen für Gewerbeansiedlungen zu erschließen. Es stecke noch allerhand Munition aus dem Zweiten und mitunter auch aus dem Ersten Weltkrieg im Boden, so Hans-Joachim Dosdall. Der Maschinenbau- und Sprengingenieur führt mit seinem Sohn Sebastian die Pinnower Firma, die bundesweit zum Einsatz kommt. Derzeit sind die Mitarbeiter in Rostock, aber auch in Baden-Württemberg und Thüringen ist ihre fachliche Kompetenz gefragt. In Schwerin-Süd haben sie Gewerbeflächen für die mittlerweile dort ansässigen Betriebe wie Nestlé und Flammaerotec vorbereitet.

Vor Überraschungen – positiver wie negativer Art –sind die Spezialisten nicht gefeit. Das war auch vor einigen Jahren in der Nähe von Goldberg so: Hier sollten sie in einem Wald einen alten Sprengtrichter beräumen. „Beim Rückzug haben die Soldaten ihre Munition unbrauchbar machen sollen und sprengten sie“, erklärt Sebastian Dosdall. Ein Teil der Munition blieb aber funktionstüchtig. Bei Goldberg stießen die Männer neben Munition auch auf eine Kiste des Adjutanten von Generalfeldmarschall Rommel. Darin zahlreiche Papiere: Gefechtsberichte und Verlustmeldungen. „Die Kiste haben wir Geschichtsspezialisten übergeben“, sagt Sebastian Dosdall. Später habe er erfahren, dass die verklebten Papiere aufbereitet werden konnten, sie halfen bei der Aufklärung vermisster Soldaten. „Unsere Arbeit ist auch mit Geschichtsforschung verknüpft“, sagt der 39-Jährige.

Sein Vater hat im Laufe seines Berufslebens „wohl ein paar hundert Bomben entschärft“. Diese Arbeit werde in MV vom staatlichen Munitionsbergungsdienst erledigt. Aber auch die Gefährlichkeit der kleinen Granaten sei nicht zu unterschätzen. Weil viele auf den ersten Blick gar nicht erkennen, was sie da gefunden haben, so Hans-Joachim Dosdall. Er hat schon zu DDR-Zeiten im staatlichen Munitionsbergungsdienst gearbeitet, nach der Wende in Neumühle seine Firma gegründet – in seinem Haus. 1995 zog sie nach Pinnow in ein neues Bürohaus mit Lager- und Unterstellhalle. Die Firma wuchs schnell. In Hoch-Zeiten waren bis zu 200 Mitarbeiter beschäftigt. Heute sind es 160. Es ist das größte Unternehmen in der Gemeinde und nach Aussagen des Bürgermeisters auch der größte Steuerzahler. Die Firma helfe der Gemeinde auch mit Technik aus, so Andreas Zapf.

Demnächst will Hans-Joachim Dosdall die Firma seinem Sohn ganz übertragen. Mit 72 Jahren werde es langsam Zeit, meint er. Gemeinsam planen sie aber noch, eine neue Schulungshalle am Firmensitz zu bauen. Die jetzigen Räume reichen nicht aus. Weiterbildung und Lehrgänge sind ganz wichtig.

Heidrun Pätzold

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