Rotstift : Geld für Kultur: Ja – aber

Freude am Musizieren: Schüler des Konservatoriums und der Kunstschule Ataraxia spielen gemeinsam im Jugend-Sinfonieorchester. Wird dieses Angebot weiter bestehen?
Freude am Musizieren: Schüler des Konservatoriums und der Kunstschule Ataraxia spielen gemeinsam im Jugend-Sinfonieorchester. Wird dieses Angebot weiter bestehen?

Die geplante Kürzung der Zuschüsse für die Musikschulen findet unterschiedliches Echo bei SVZ-Lesern

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12. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Wieviel Kultur muss, soll, kann sich die Stadt leisten? Der Beratende Beauftragte hatte da klare Vorgaben gemacht: Schließen, zusammenlegen, Zuschüsse streichen – Geld einsparen. Doch nach den Proteststürmen gegen die Privatisierungspläne für Speicher und Schleswig-Holstein-Haus im Vorjahr wollten jetzt weder die Verwaltung noch die Stadtvertreter den Kultureinrichtungen der Stadt so etwas antun. Nun sollen die städtischen Zuschüsse für das Konservatorium, die Kunst- und Musikschule Ataraxia und die Schule der Künste Schritt für Schritt gekürzt werden. Wir hatten die SVZ-Leser gefragt, was sie davon halten. Und die Meinungen gehen weit auseinander.

„Ja, es soll gekürzt werden, was nicht Pflichtaufgabe des Staates ist. Ja, es soll gekürzt werden, so lange das Land Schulden abbaut und Kommunen sich im Gegenzug immer mehr verschulden“, sagt Michael Linke. „Zudem nehmen nach meiner Erfahrung Kulturangebote überwiegend Bessergestellte in Anspruch, Schlechtergestellte können sich die nicht leisten.“ Artur Mogger fragt, „ob Eltern unterstützt werden müssen, deren Kinder nach langer Zeit in der Musikschule nicht mehr als ein stottriges Hänschen-klein auf einem Instrument hinkriegen“. Und Sven Bader sagt ganz deutlich: „Ja sicher sollte bei Musikschulen gespart werden. Das sind Spezialschulen, an denen nur musikalisch besonders talentierte Schüler lernen. Wenn die Eltern dieser Schüler die Beiträge nicht zahlen können, gibt es Fördermöglichkeiten, z. B. Stipendien. Die Kultur wird eh viel zu viel gesponsert.“

Pierre Congard hat eine differenzierte Sichtweise. „Geld für die Kultur ja, aber kein Geld für private Musikschulen“, sagt er knallhart. Kultur gehörte schon immer zu den Zuschussgeschäften, meint Josefine Steegler. Sie sei aber „Bestandteil eines gesellschaftlichen Bildungsauftrages.“ „Kein Geld für Kultur bedeutet den Zerfall dieser“, betont Uwe Schütze. Und er fragt: „Kann sich das eine Landeshauptstadt leisten?“ Schwerin sei schon jetzt nicht üppig ausgestattet, was die Kultur angehe. „Sollen dann auch noch die Musikschulen darunter leiden? Nach der Streichung der Mittel wären Gebührenerhöhungen unabdingbar. Das hätte zur Folge, dass noch weniger Eltern sich diesen Unterricht leisten könnten.“ Wer glaube, dass die Streichung ohne Angst um Arbeitsplätze einhergehe, der irre. „Kultur muss Pflichtaufgabe für die Gesellschaft werden, denn ohne Kultur kann eine Gesellschaft nicht existieren! Ich bin sogar für noch mehr Geld vom Land, denn der Wert der Kultur kann nicht hoch genug sein“, so Uwe Schütze.

Einen besonderen Aspekt beleuchtet Eva-Maria Tempelhahn. Sie weist darauf hin, „dass das ziemlich beliebte Goethegymnasium – mit seinem Schwerpunkt Musik auch ein Leistungsträger in der hiesigen Schullandschaft – durchaus Probleme bekommen könnte, wenn seine talentierten Schüler nicht mehr von Ataraxia und dem Konservatorium im gegenwärtigen Umfang ausgebildet werden könnten. Und gerade Ataraxia muss aufgrund seiner Finanzierungsform sehr auf einen hohen Kostendeckungsgrad achten.“

Ganz ohne den großen politischen Rundumschlag argumentiert Dr. Hans Bomke. Er hatte eine Veranstaltung in der Zweigbibliothek in Lankow erlebt. Dort wurde weihnachtliche Literatur vorgestellt. Dazu spielte das Ataraxia-Blockflötenensemble. „Sicherlich ist es nicht allein mein Weihnachtswunsch: Mögen die Schweriner Stadtvertreter die Existenz von Ataraxia absichern. Manche Kultureinrichtungen sind mit keinem materiellen, dafür jedoch mit einem erheblichen ideell-kulturellen Gewinn verbunden, meine ich.“

Am Montag werden nun die Stadtvertreter entscheiden, ob die Zuschüsse für das Konservatorium, Ataraxia und die Schule der Künste gekürzt werden.




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