Leser Diskutieren : „Gehweg wird zur Rennstrecke“

Radfahrer in der Schweriner Fußgängerzone: Im Sommer müssen die Räder tagsüber geschoben werden, aber längst nicht alle Radler halten sich an diese Regel.
Radfahrer in der Schweriner Fußgängerzone: Im Sommer müssen die Räder tagsüber geschoben werden, aber längst nicht alle Radler halten sich an diese Regel.

Radfahrer-Debatte: Viele SVZ-Leser teilen die Ängste der Mutter der verunglückten Amelie vor rasenden Radlern

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11. Juni 2015, 23:43 Uhr

„Ich stehe voll hinter der Meinung von Frau Rödiger.“ Wie Gerhard Ulrich aus dem Mueßer Holz stellen sich in der Debatte um rasende Radler zahlreiche Leser an die Seite der Mutter, deren fünfjährige Tochter in der Burgstraße von einer Radfahrerin angefahren und verletzt wurde. Ob in der Innenstadt oder auf dem Dreesch – viele Radfahrer kämen auf den Gehweg einfach von hinten angefahren ohne zu klingeln, berichtet Ulrich. „Es ist den Fußgängern zu verdanken, wenn es ohne Kollisionen ausgeht.“

Aus der Sicht von Großeltern könnten sie die Ängste der Mutti Yvonne Rödiger gut verstehen und nachempfinden, schreiben Annemarie und Dr. Ludwig Anders. „Auch in der Landreiterstraße wird der abschüssige Fußweg aus Richtung Bergstraße regelmäßig als Rennstrecke durch Fahrradfahrer genutzt und Kleinkinder, die aus der Wohnungstür auf den Fußweg hinaus laufen, sind regelmäßig gefährdet. Wohl gemerkt, die Kinder laufen nicht auf die Straße, sondern auf den Fußweg. Wenigstens hier sollten sie das Gefühl von gesicherter körperlicher Unversehrtheit erfahren dürfen. Hier helfen jedoch keine Appelle und ermahnenden Worte, bei Hinweisen, dass man doch nicht so auf dem Fußweg rasen möge, bekommt man in der Regel nur dreiste Rückmeldungen.“

Familie Janker, die mit zwei Kindern mehrere Jahre in der Burgstraße wohnte, also in der Straße, in der sich der Unfall der kleinen Amelie ereignete, übt ebenfalls heftige Kritik am Verhalten vieler Radler in der Stadt. „Wir hatten ständig das Gefühl, dass erwachsene Radfahrer den Fußweg in einem Abstand zur Haustür von zirka 20 Zentimetern aus der Altstadt kommend als Rennstrecke missbrauchen, weil die Straße mit Kopfsteinpflaster gedeckt ist. Wir konnten dann die Sicherheit nur gewährleisten, indem wir als Erwachsene den Kopf zuerst aus der Tür gesteckt haben, um zu sehen, ob die Luft rein ist. Seit dieser Zeit haben wir wirklich eine andere Einstellung zu Radfahrern. Ähnliches haben wir jahrelang auf dem kombinierten Rad- und Fußweg um den Pfaffenteich erlebt. Auch dort muss man ständig Angst um das Leben der Kinder haben, die zu Fuß oder mit dem Roller unterwegs sind. Die Radfahrer fahren viel zu schnell, in rücksichtslosen Schlangenlinien und klingeln auch noch frech die Kinder an.“

Ein entschiedenes Durchgreifen von Polizei und Ordnungsamt fordert unsere Leserin Renate Thoms. „Ich fahre selbst viel mit dem Rad in die Stadt und was ich jedesmal in der Fußgängerzone erlebe, ist eine Katastrophe. 14 Radler innerhalb von zehn Minuten fahren seelenruhig durch die Menschenmassen. Ich habe noch nie Polizei oder das Ordnungsamt dort gesehen. Die verteilen offensichtlich lieber Knöllchen, wobei sie mit keinem diskutieren müssen. Muss erst ein Mensch zu Schaden kommen, ein Kind verletzt werden, bevor die Verantwortlichen endlich ihre Arbeit machen?“

„Bitte nicht noch mehr Regeln! Bitte nicht noch mehr Kontrollen!“ So lautet dagegen das Plädoyer von Annette Hartmann. „Egal um welches Thema es geht. Wann fangen wir endlich an, selbst Verantwortung zu übernehmen und nicht alles dem Staat, der Gesellschaft oder wem auch immer zu überlassen? Jeder sollte einfach mit offenen Augen durchs Leben gehen oder radeln.“

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