Alter Flugplatz Schwerin : Geheimnisvolle Arbeiten in Görries

Auf dem ehemaligen Flugplatz an der Zeppelinstraße wird aufgeräumt. Wer dort aktiv ist und was entstehen soll – das Bauamt weiß von nichts.  Fotos: Reinhard Klawitter (2)
Auf dem ehemaligen Flugplatz an der Zeppelinstraße wird aufgeräumt. Wer dort aktiv ist und was entstehen soll – das Bauamt weiß von nichts. Fotos: Reinhard Klawitter (2)

Auf dem ehemaligen Flugplatz wurde eine größere Fläche beräumt, aber in der Stadtverwaltung weiß keiner warum

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01. April 2015, 08:00 Uhr

Mysterium in Görries. Im Gewerbegebiet an der Zeppelinstraße wurden Gebäude abgerissen sowie Bäume und Sträucher gerodet. Außerdem wurde eine größere Fläche planiert. Von der Umgehungsstraße aus ist jetzt der freie Blick auf die historischen Hangars und den Tower des Flugplatzes möglich.

In der Stadtverwaltung indes weiß keiner, was dort geschieht. „Eine Vorortüberprüfung des Kommunalen Ordnungsdienstes im Auftrag der Bauverwaltung hat bestätigt, dass auf dem ehemaligen Flughafen in Görries Abbruch-, Planier- und Rodungsarbeiten stattgefunden haben. Allerdings haben wir keine Hinweise darauf, wer für diese Arbeiten verantwortlich ist“, sagte eine Stadtsprecherin. „Auch das Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst hat keine Kenntnis von den Bauarbeiten und gibt zu bedenken, dass es sich um eine munitionsbelastete Fläche handelt.“ Das Areal des ehemaligen Flugplatzes in Görries wurde bis Anfang der 90er-Jahre von der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland genutzt.

Die schwere Technik, die für die Abbrucharbeiten offenbar benutzt wurde, ist inzwischen verschwunden. Das Gelände ist mit einem Zaun gesichert. Von den denkmalgeschützten Gebäuden wurde aber keines angetastet.

Der Flugplatz in Görries wurde bereits vor vielen Jahren von einem Privatmann erworben. Er soll es dann weiter verkauft haben. Nach SVZ-Informationen hat der jetzige Eigentümer die Immobilie bei einer Zwangsversteigerung erworben. Es soll sich um eine Recycling- und Abbruchgesellschaft aus der Nähe von Wismar handeln. Der Geschäftsführer war gestern telefonisch nicht zu erreichen.

Die Stadt ist mit der Beurteilung der Vorgänge an der Zeppelinstraße noch sehr zurückhaltend. „Wir werden zunächst prüfen, ob dort überhaupt genehmigungspflichtige Arbeiten ausgeführt wurden“, sagte Anja Scheidung, Fachdienstleiterin der Bauordnung. „Hätte eine Genehmigung erteilt werden müssen und die Arbeiten damit illegal waren, müssen wir den Eigentümer ermitteln.“ Dem wird dann in einem Anhörungsverfahren die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern. Erst danach kann die Stadt entscheiden, wie sie weiter verfährt.

Der Flugplatz in Görries hat eine lange Geschichte. Baubeginn war 1912, im Sommer 1913 wurde er eröffnet. Ende des Jahres eröffnete Anthony Fokker dort seine Flugschule. Im Ersten Weltkrieg baute der Holländer in Schwerin rund 2000 Flugzeuge. Nach dem Krieg wurde es zunächst ruhig in Görries. In den 30er-Jahren übernahm die Luftwaffe den Flugplatz und baute ihn aus. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgt keine fliegerische Nutzung mehr. Inzwischen werden Teile des Areals als Gewerbegebiet genutzt. Die erhalten gebliebenen historischen Gebäude werden von der Filmland Mecklenburg-Vorpommern gGmbH im Internet als Filmkulisse angeboten.

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