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Staatliches Museum Schwerin : Geheimnisse der Gemälde enttarnen

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Wer hat was wann gemalt? Das Staatliche Museum Schwerin will die Geheimnisse einiger seiner Gemälde lüften. Dabei hat nun ein Stuttgarter Experten-Team mit einer 40 000 Euro teuren Infrarot-Spezial-Kamera geholfen.

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erstellt am 04.Apr.2012 | 05:25 Uhr

Altstadt | Wer hat was wann gemalt? Das Staatliche Museum Schwerin will die letzten Geheimnisse einiger seiner Gemälde lüften. Dabei hat jetzt ein Team der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart geholfen, das mit einer 40 000 Euro teuren Infrarot-Spezial-Kamera hinter die obersten Farbschichten schauen kann. Dabei durchdringen die Infrarot-Strahlen die Farbe und werden vom Kreidegrund der Tafel - Grundlage der Gemälde - reflektiert. Die tiefsten Farbschichten werden so schwarz dargestellt. Das Bild erscheint anschließend digital auf dem Computer.

Da die Experten aus Stuttgart, die sich derzeit intensiv mit den Werken von Lucas Cranach beschäftigen, im Schloss Güstrow gearbeitet haben, was ebenfalls zu den Schweriner Kunstsammlungen gehört, überredeten die Landeshauptstädter das Team, einige Schweriner Gemälde zu analysieren. Dabei ging es um Bilder, die schon für den aufmerksamen Beobachter Unstimmigkeiten aufweisen. "Offenkundig hat der Künstler zuerst etwas anderes gemalt und es anschließend übermalt", erklärt Museumskurator Dr. Gero Seelig.

So wirft "Der Apfelschimmel" von Paulus Potter (1625-1654) Fragen auf. "Es ist schwer zu deuten und nicht genau erkennbar, was sich wirklich dahinter verbirgt", sagt Dr. Seelig. Vielleicht bringe die Auswertung des Infrarot-Bildes das Museum weiter.

Bei der "Lustigen Bauerngesellschaft" von Jan Molenaer (1610-1668) haben die Schweriner bereits die Gewissheit, dass es ein Bild unter dem Bild gibt: Das Gemälde ist bereits geröntgt worden. Die Bauerngesellschaft um 90 Grad gedreht zeigt ein völlig anderes Motiv, vermutlich eine einzelne Person. "Möglicherweise ist es auch ein Fragment einer religiösen Szene", so Dr. Seelig. Auch hier erhofft sich der Kurator neue Erkenntnisse.

Und noch ein besonderes Bild fotografierten die Profis aus Stuttgart: Die "Dame am Putztisch" galt über Jahrhunderte als ein Meisterwerk des Niederländers Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669). Als solches kam es vermutlich 1752 auch an den Mecklenburger Herzogshof. Doch dann gab es Zweifel, ob das Bild von Rembrandt stammt, selbst dessen Schülern konnte es nicht zugeordnet werden. Eines der Hauptargumente gegen Rembrandt: Das Bild entstand vermutlich erst um 1670 - nach dem Tod des Holländers. "Wir führen es momentan als Gemälde eines unbekannten Künstlers", sagt Dr. Seelig.

Mit Rembrandt hat Schwerin ohnehin nicht viel Glück: Im 18. Jahrhundert galten 13 Werke aus der Sammlung der Herzöge als Rembrandt-Bilder. Zehn der in den Inventaren beschriebenen Kunstwerke konnte Seelig bereits identifizieren, bei zwei Beschreibungen konnte kein Bild in der Sammlung eindeutig zugeordnet werden, eines gilt seit Kriegsende als verloren. Die als Spitzenwerk des Malers Carel Fabritius (1622-1654) identifizierte "Torwache" wurde beispielsweise in der Schweriner Sammlung lange Zeit als Rembrandt geführt, außerdem Bilder, die später als Arbeiten von Ferdinand Bol oder Salomon Koninck erkannt wurden. Zuletzt musste das "Brustbild eines alten Mannes", das bis 2008 als ein Rembrandt galt, Jan Lievens (1607 bis 1674) zugeordnet werden. Offiziell besitzt das Schweriner Museum somit keinen Rembrandt mehr in der fast 600 Gemälde umfassenden Sammlung holländischer und flämischer Künstler des 17. und 18. Jahrhunderts.

Nun keimt neue Hoffnung auf. Denn die Dame am Putztisch hat eine Frisur, die 1670 längst aus der Mode war. Stammt das Gemälde gar schon aus dem Jahr 1630? Könnte es nicht vielleicht doch vom großen Rembrandt stammen? Die Infrarot-Aufnahme hat jedenfalls schon gezeigt: Die Frisur ist vom Künstler verändert worden. Jetzt geht die Spurensuche weiter.

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