Bürger sind aufgebracht : Gegenwind für Windkraft-Projekt

Auf diesen Flächen sollen die Windräder am Dorfrand von Lehmkuhlen errichtet werden, erklärt Marianne Flacklam, die sich  gegen das  Großprojekt  ausspricht.
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Auf diesen Flächen sollen die Windräder am Dorfrand von Lehmkuhlen errichtet werden, erklärt Marianne Flacklam, die sich gegen das Großprojekt ausspricht.

Marianne Facklam aus Holthusen befürchtet, dass die geplanten Großanlagen erhebliche Belastungen für Einwohner bringen

svz.de von
18. März 2014, 23:57 Uhr

Drei Windkrafträder sollen in der Gemeinde Holthusen aufgestellt werden – am Dorfrand von Lehmkuhlen. Sie gehören zum Windparkprojekt, das vier Partner betreiben wollen: der regionale Energieversorger Wemag, der Windparkentwickler Naturwind, die Landgesellschaft mit Sitz in Leezen und die vier Gemeinden Holthusen, Bandenitz, Sülstorf und Alt Zachun. Insgesamt sollen sich in dieser Region dann 19 Windkrafträder drehen.

Marianne Facklam aus Holthusen sieht das skeptisch. „Ich habe vordergründig nicht ein Problem mit Windenergie, sondern damit, dass hier unsensibel mit Menschen umgegangen wird“, sagt sie.

Dass die Gemeinde Holthusen eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema organisierte, sei zwar gut gewesen, aber sie kam ihrer Meinung nach zu spät. Denn, so Marianne Facklam, die öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen im Amt Stralendorf war schon am 3. März vorbei. Sie habe aber die Möglichkeit genutzt, sowohl eine Stellungnahme zum geplanten Vorhaben abzugeben als auch auf der Info-Veranstaltung ihre Sicht der Dinge darzulegen. So findet Marianne Facklam, dass die vorgesehenen Flächen „denkbar ungeeignet“ sind, „weil sie zu dicht an Wohnhäusern liegen“. Die Warsower Straße im Ortsteil Lehmkuhlen müsste eine unzumutbare Lärmbelästigung hinnehmen. Dass es dazu keine exakten Berechnungen gibt, weiß die Holthusenerin. „Noch steht meines Wissens nach kein Windrad mit einer Höhe von 197 Metern. Deshalb kann man auf keine Erfahrungen zurückgreifen oder sich eine Anlage in dieser Dimension anschauen.“

Wenn die Anlagen fast 200 Meter hoch sein sollen, müssten die Abstände zur angrenzenden Wohnbebauung erheblich vergrößert werden, betont Marianne Facklam. 800 bis 1000 Meter, so wie jetzt vorgesehen, würden da nicht ausreichen. Das berge Konfliktpotenzial. Selbst der Kreistag Ludwigslust-Parchim spricht sich für größere Abstandsflächen aus.

Marianne Facklam spricht bei diesem Vorhaben von einem Schnellschuss: „Die Betreiber wollen die hohe staatliche Förderung nutzen, die es bislang für erneuerbare Energien gibt.“ Die schwarz-rote Regierung erwägt, diese Förderung Ende 2014 auslaufen zu lassen. Bei einem Bürgerwindpark müssten die Bürger von Anfang an beteiligt sein, unterstreicht die 61-Jährige. Das habe sie hier vermisst. Das zeige auch die späte Informationsveranstaltung der Gemeinde. Marianne Facklam: „So fühlen sich die Leute übergangen.“

Sorgen mache sie sich um Natur und Landschaft. In der Vergangenheit wurden im Rahmen der Flurneuordnung in der Gemeinde zahlreiche Maßnahmen durchgeführt, um die Landschaft aufzuwerten. Sie sehe die Gefahr, dass mit dem Großprojekt etliches zunichte gemacht werden könnte. Sie könne auch die Sorgen von Anwohnern verstehen, die eine Wertminderung ihrer Grundstücke befürchten. „Ich finde, die Gemeinde nimmt billigend in Kauf, dass die Lebensqualität insbesondere der Einwohner Lehmkuhlens stark eingeschränkt wird, wenn die großen Windräder erst einmal stehen. Und wenn sie stehen, dann nicht nur für vier Wochen, dann für 20 Jahre“, erläutert Marianne Facklam ihren Standpunkt.

Dass sich die Gemeinde an alternativen Lösungen für Stromerzeugung beteiligt, sei Okay. Und dass sie Geld verdienen will, um die Gemeindekasse aufzubessern, ebenfalls. Fraglich sei allerdings dieses Großprojekt, so die Holthusenerin. Marianne Facklam plädiert für kleinere und überschaubare Lösungen. Dann würde an einem Standort zwar nicht ganz so viel Strom erzeugt und die Einnahmen würden geringer ausfallen. Aber dies sei allemal besser, als die jetzt geplante Lösung, unterstreicht sie. „Das ist eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten.“

Bürgermeisterin Margit Uffmann sieht die Dinge anders, wenngleich sie Einwohner verstehen kann, die ihre Lebensqualität beeinträchtigt sehen. Aber: Die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände, Emissionen etc. werden eingehalten, das würden die Gutachten belegen, betont sie. Über das Vorhaben in der Region sei, so erinnert sie, im Vorfeld auf zwei zentralen Veranstaltungen informiert worden: in Alt Zachun und in Sülstorf. Die Holthusener haben sich auf zwei Sitzungen mit diesem Thema beschäftigt. Die Sitzungen waren öffentlich, interessierte Bürger hätten dazukommen können. Dass die Windräder in der Größenordnung gebaut werden sollen, hänge mit der Windausbeute zusammen. Das hätten die Fachleute den Gemeinden erklärt, sagt Margit Uffmann.

Ihre Bedenken zum Windparkprojekt hat die Bürgerinitiative Lehmkuhlen auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung vorgebracht und der Bürgermeisterin einen Forderungskatalog und eine Unterschriftenliste übergeben. Die Gemeindevertretung reagierte: Der Nutzungsvertrag mit dem Betreiber des Windparks (bislang sind das Naturwind und Wemag), über den die Gemeinde im nicht öffentlichen Teil abstimmen wollte, wurde ausgesetzt. Es geht um den Standort für ein Windrad auf kommunaler Fläche. Dafür und für die Wegenutzung würde die Gemeinde 40 000 Euro im Jahr bekommen. Margit Uffmann: „Wir sind mit der Bürgerinitiative übereingekommen, uns in Ruhe über nochmals auszutauschen und erst dann einen Beschluss zur Verpachtung unserer Fläche zu fassen.“ Die Flächen für die anderen zwei Standorte haben deren Privateigentümer schon verpachtet.

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